Auf einen Blick
- Sprecher: Corinna Dorenkamp liest mit warmem, lebhaftem Ton und trifft den Witz der Vorlage gut — ihr gelingen die leichten Szenen besonders, die dramatischeren Momente wirken etwas weicher als sie könnten.
- Themen: Freundschaft unter Müttern, Neuanfang und Einsamkeit, die Absurdität des perfekten Elternseins
- Stimmung: Heiter und leicht melancholisch, mit einem Hauch Berliner Herbst
- Fazit: Kein literarisches Schwergewicht, aber ein ehrliches, warmherziges Hörbuch für alle, die schon mal neu angefangen haben — und dabei festgestellt haben, dass das Chaos mitkommt.
Ich habe Ziemlich beste Mütter an einem langen Wochenende gehört — genau die Art von Wochenende, an dem man kein anstrengendes Buch will, aber auch nicht einfach Musik. Corinna Dorenkamp liest mit einer Wärme, die sofort einlädt, und nach den ersten zwanzig Minuten war ich bei Marie, die mit ihrem Sohn Florian in der Schultüte und einem gebrochenen Herzen im Gepäck nach Berlin zieht.
Auch hier ein kurzer Hinweis zur Metadaten-Situation: Als Autorin ist auf der Seite « Gesprochen von: Corinna Dorenkamp » angegeben — das ist die Sprecherin. Der tatsächliche Autorinnenname findet sich in den Titelinfos nur indirekt. Corinna Dorenkamp spricht dieses Audible-Exklusivtitel, der nur bei Audible erhältlich ist.
Schulhölle, Freundschaft und das echte Berlin
Der Einstieg ist stark. Marie kommt in Berlin an, und die erste Schulhofszene — überehrgeizige Super-Mamis, konkurrierender Perfektionismus, die soziale Kälte neuer Umgebungen — ist komödiantisch und gleichzeitig vollkommen wiedererkennbar. Dorenkamp liest diese Momente mit dem richtigen Timing. Sie hat ein Gespür dafür, Witz ohne Übertreibung zu spielen, und das trägt das Buch durch seine besten Szenen.
Das Quartett der Frauen — Marie, Alexa, Katrin und Olivia — ist das eigentliche Herzstück. Jede bringt ihre eigene Baustelle mit: Katrins Kinderwunsch, Alexas Bindungsangst, Maries frisch gebrochenes Herz. Die Dynamik zwischen den vier funktioniert gut, und Dorenkamp gibt jeder Figur eine leicht unterschiedliche Färbung, ohne sie so zu überzeichnen, dass sie wie Typen statt wie Menschen klingen.
Was trägt und was sich zieht
Einige Rezensionen bemängeln zurecht die Nebenhandlungen. Das Mobbing gegen Florians Lieblingslehrerin, das im Klappentext als einer der Plotstränge genannt wird, ist im Hörbuch eine von mehreren gleichzeitig laufenden Fäden — und nicht alle werden gleich gut entwickelt. Es gibt Passagen, in denen man das Gefühl bekommt, die Autorin wollte zu viele Themen auf einmal unterbringen. Das merkt man besonders in der Mitte: Dort zieht das Pacing etwas an, bevor Maries Liebesgeschichte wieder Schwung aufnimmt.
Corinna Dorenkamp hilft dabei, diese Strecken zu überbrücken. Ihre Stimme hat eine angenehme Leichtigkeit, die verhindert, dass das Buch jemals wirklich schwer wirkt. Manchmal ist das vielleicht sogar zu sanft: In den emotionaleren Szenen — wenn es um Katrins Kinderwunsch geht oder um den Moment, in dem Marie erkennt, was sie an ihrem alten Leben verloren hat — hätte etwas mehr Reibung der Geschichte gutgetan.
Das Ende, das ein wenig zu schnell kommt
Mehrere Hörerinnen bemerken, dass das Ende im Vergleich zur Entwicklung davor zu knapp geraten ist. Das stimmt. Zehn Stunden Aufbau, und dann wird in den letzten Minuten alles ziemlich zügig aufgelöst. Das ist kein Fehler, den Dorenkamp zu verantworten hat — sie liest das Ende mit genauso viel Engagement wie den Rest. Aber wer sich an Marie und Jakub gewöhnt hat, wird sich vielleicht wünschen, dass die Landung etwas sanfter erfolgt wäre.
Wer sollte reinhören, wer lieber nicht
Wer Frauenfreundschafts-Romane mit Berliner Stadtgefühl mag und eine angenehme Stimme sucht, um durch einen langen Zug- oder Autoweg zu kommen, ist hier gut aufgehoben. Wer literarische Tiefe oder psychologische Komplexität erwartet, wird den falschen Titel aufgemacht haben. Als entspanntes Audible-Exklusiv-Hörbuch erfüllt es seinen Zweck mit Charme.