Auf einen Blick
- Sprecher: David Nathan ist mit Stephen King bestens vertraut und trägt die 31 Stunden mit Verlässlichkeit und Timing.
- Themen: Alien-Kontakt, Kleinstadtparanoia, Sucht und Kontrollverlust
- Stimmung: Breit aufgespannt, manchmal überbordend, atmosphärisch im besten King-Sinne
- Fazit: Kein Meisterwerk, aber für King-Fans mit Ausdauer ein lohnender Ausflug in sein dunkleres, exzentrischeres Universum.
Stephen King hat « Tommyknockers » selbst in Interviews als eines seiner schlechtesten Bücher bezeichnet. Er schrieb es Ende der 1980er Jahre in einem Zustand, den er selbst nur vage erinnert, und die Umstände sind bekannt. Das weiß man, bevor man auch nur die erste Stunde gehört hat. Ich fand das zu Beginn ehrlich gesagt kontraproduktiv: Wenn der Autor sein eigenes Werk verleugnet, warum sollte ich 31 Stunden daran hängen?
Die Antwort stellte sich überraschend schnell heraus. Ich war an einem langen Wochenende unterwegs und habe die ersten Stunden beim Fahren gehört, und irgendwo zwischen der aufgegrabenen Metallplatte im Wald und dem ersten unheimlichen Verhalten des Beagles Peter dachte ich: Das hier funktioniert doch. Nicht perfekt. Aber es funktioniert.
Was King über sich selbst nicht sieht
« Das Monstrum » heißt die deutsche Version des Romans, der im Original « The Tommyknockers » von 1987 ist. Die Geschichte beginnt vergleichsweise harmlos: Schriftstellerin Roberta Anderson, genannt Bobbi, stolpert im Wald über ein Stück Metall und beginnt, es auszugraben. Was sich unter der Erde befindet, stellt sich als riesig heraus. Und während Bobbi gräbt, verändert sich ihr Hund. Dann sie selbst. Dann der ganze Ort.
King verbindet hier mehrere seiner zentralen Obsessionen: die feindlich-transformierte Kleinstadt, Sucht als Verlust von Ich-Kontrolle, und die Frage, wie eine Gemeinschaft auf etwas reagiert, das sie nicht benennen kann. Ein Rezensent schreibt zurecht: « Das unheimliche Gefühl einer Verschwörung und der Feindseligkeit, das Entsetzen über die Veränderungen der Dorfbewohner, wird so schön beschrieben. » Das ist das Stärkste an diesem Buch. King in seiner Kernkompetenz: Er macht eine kleine Gemeinde zur Petrischale für menschliches Versagen.
Das Alkoholismusproblem der Hauptfigur Jim Gardener, dem langjährigen Freund Bobbis, der als Gegengewicht zu der Transformation fungiert, ist kein Nebenmotiv. Es ist die eigentliche Wirbelsäule des Romans. Dass King das zu einer Zeit schrieb, in der er selbst mit Sucht kämpfte, merkt man der Intensität dieser Passagen an.
31 Stunden mit David Nathan
David Nathan ist für viele Hörer die deutsche Stimme Stephen Kings, und das zu Recht. Er hat eine Vertrautheit mit Kings Rhythmus entwickelt, die man nicht nachahmen kann. Die langen, ausschweifenden Passagen, für die Kings Bücher bekannt und berüchtigt sind, gehen durch Nathan nie unter. Er findet in ihnen einen Erzählfluss, der das Tempo hält, ohne zu verschleifen. Bei den grotesken Momenten, von denen « Tommyknockers » einige hat, findet er den richtigen Ton: nicht übertrieben, aber auch nicht trocken.
Eine Rezensentin nennt die Szene, in der Gardener auf einer Party Lärm über Atomkraftwerke macht und einen Mann mit einem Regenschirm jagt, « genial und witzig ». In Nathan klingt genau das durch: Er weiß, wann King absichtlich ins Absurde kipt, und spielt das mit.
Das Problem mit der Länge
31 Stunden sind lang. Für einen Roman dieser Stärke ist das lang. King schweift ab, das ist bekannt und teils gewollt, aber bei « Tommyknockers » gibt es Strecken, in denen man sich fragt, wohin die Geschichte gerade unterwegs ist. Eine Rezensentin schreibt, das Buch lasse sich auf die Hälfte zusammenstutzen, ohne Handlung zu verlieren. Das ist übertrieben, trifft aber eine echte Tendenz. Die mittlere Phase des Romans, bevor der Zug an Fahrt gewinnt, testet die Geduld.
Wer mit Kings langen Romanen Erfahrung hat, « Es », « Der Dunkle Turm », « Das Institut », wird damit umgehen können. Wer bisher nur seine kürzeren Werke kennt, sollte sich auf eine andere Geschwindigkeit einstellen.
Einschätzung ohne falsche Scham
« Das Monstrum » ist kein King auf seinem Höhepunkt. Es ist ein King, der in einer persönlich schwierigen Phase schreibt, und trotzdem ist es, wie ein anderer Rezensent es formuliert: « angeknackst ein Top-Autor ». Die Ideen sind vorhanden, die Atmosphäre ist vorhanden, und der Roman hat Szenen, die sich festsetzen. David Nathans Lesung macht das Beste daraus. Wer King liebt, wird hier genug finden. Wer King testen möchte, fängt besser woanders an.