Auf einen Blick
- Sprecher: Andrea Sawatzki liest sich selbst, und das ist der entscheidende Grund, warum dieses Hörbuch funktioniert wie kein anderes dieser Reihe.
- Themen: Familienkomödie mit kulturellen Missverständnissen; das Chaos rund um eine Hochzeit; der Mythos der weltoffenen Familie
- Stimmung: Heiter, manchmal bissig und sehr wiederzuerkennen
- Fazit: Ein kurzweiliges Unterhaltungshörbuch für alle, die Gundula Bundschuh schon kennen und lieben. Als Neueinstieg in die Reihe weniger geeignet.
Ich war auf der Heimfahrt von einem langen Wochenende, der Zug hatte Verspätung, und ich hatte nichts Besseres zu tun, als endlich das Hörbuch anzumachen, das mir eine Freundin seit Monaten empfohlen hatte. Ihr seid natürlich eingeladen ist Band 3 der Bundschuhs-Reihe von Andrea Sawatzki, und ich muss zugeben, dass ich Band 1 und 2 noch nicht gehört hatte. Das war vielleicht nicht die klügste Entscheidung. Aber es hat trotzdem funktioniert, weil Sawatzki so gut darin ist, ihre Figuren in wenigen Sätzen einzuführen.
Gundula Bundschuh und ihr Mann Gerald sind keine komplizierten Charaktere. Sie sind das, was wir alle von irgendwoher kennen: gut gemeinte, leicht chaotische Menschen, die fest davon überzeugt sind, weltoffen zu sein, und die dann beim ersten echten Test merken, wie begrenzt diese Weltoffenheit ist. Wenn ihr ältester Sohn plötzlich ankündigt, eine Afroamerikanerin aus Detroit zu heiraten, deren Name Imene ist, und die Feier natürlich im Garten der Eltern stattfinden soll, beginnt eine Kette von Missverständnissen, die sowohl komisch als auch ehrlicher als mancher erwarten würde.
Andrea Sawatzki spricht, als würde Gundula direkt neben einem sitzen
Das eigentliche Argument für dieses Hörbuch ist nicht die Geschichte, sondern die Tatsache, dass Andrea Sawatzki ihre eigene Figur spricht. Sawatzki ist Schauspielerin, und das hört man. Gundula klingt nicht wie eine vorgelesene Romanfigur. Sie klingt wie eine echte Person, die einem etwas erzählt und gelegentlich kurz innehalten muss, weil sie selbst nicht glauben kann, was ihr da gerade passiert ist.
Die kleinen Nuancen, die sie einbringt, ein leichtes Zögern hier, ein wissender Tonfall dort, das Seufzen vor einem Satz, der Unangenehmes einleitet, das sind Dinge, die ein fremder Sprecher nur sehr schwer nachahmen könnte. Sawatzki kennt Gundula von innen. Das überträgt sich auf jede Seite dieses Hörbuchs.
Besonders stark sind die Szenen, in denen Gerald sein Schulenglisch einsetzt, das er als sattelfest bezeichnet und das das genaue Gegenteil davon ist. Sawatzki spielt diese Momente nicht auf Lacher aus. Sie lässt sie entstehen, und das macht sie umso komischer.
Der Witz im Kulturclash und seine Grenzen
Ihr seid natürlich eingeladen bewegt sich auf einem Terrain, das heikel sein kann: Kulturelle Missverständnisse als Komödie. Sawatzki handhabt das mit Fingerspitzengefühl. Der Witz liegt nicht auf Kosten von Imene oder ihrer Herkunft, sondern auf Kosten der Bundschuhs, deren gut gemeinte Weltoffenheit auf jeder Seite gegen ihre eigene Kleinlichkeit ankämpft. Das ist der eigentliche Witz: nicht das Fremde, sondern die eigene uneingestandene Enge.
Eine Rezension hat angemerkt, dass das Buch stellenweise etwas langatmig wirkt. Das kann ich nicht vollständig abstreiten. Es gibt Passagen, vor allem in der Mitte, die sich ein wenig ziehen, weil die Handlung nicht immer vorankommt. Die Bundschuhs-Reihe lebt von der Figur mehr als von der Handlung, und wer das weiß, kann gut damit umgehen. Wer schnell erzählte Komödien bevorzugt, könnte gelegentlich etwas Geduld brauchen.
Band 3 einer Reihe und was das bedeutet
Wer mit Band 3 anfängt, wie ich es getan habe, kann der Geschichte folgen. Sawatzki ist gut darin, ihre Figuren mit ein paar Strichen zu umreißen. Aber das volle Vergnügen entfaltet sich für Menschen, die Gundula und Gerald schon aus den ersten beiden Bänden kennen. Die Wiedererkennungseffekte, die kleinen Rückverweise, das alles trägt zur Wärme bei, die treue Leser an dieser Reihe schätzen. Für den vollen Genuss empfehle ich, bei Band 1 zu beginnen.
Die Laufzeit von 6 Stunden und 18 Minuten ist gut gewählt. Das Buch ist kein Marathon, und die Geschichte braucht auch keinen. Es ist ein Feierabend-Hörbuch, das man an einem Wochenende durchhören kann und danach gut gelaunt in den Abend entlässt.