Auf einen Blick
- Sprecher: Simone Kabst liest mit warmer, erdiger Stimme, die sowohl die Dorfatmosphäre als auch die emotionalen Wendungen der drei Schwestern glaubwürdig trägt.
- Themen: Frauenschicksale in der Weimarer Republik, politische Radikalisierung der Jugend, uneheliche Mutterschaft und gesellschaftlicher Ausschluss
- Stimmung: Heimelig und melancholisch, mit wachsender historischer Schwere gegen Ende
- Fazit: Ein runder Serienabschluss für Hörerinnen, die mit Band eins eingestiegen sind und Anne Jacobs’ ruhigem, beobachtendem Ton vertrauen.
Es war ein verregneter Samstagnachmittag, und ich hatte mir nichts vorgenommen. Dann lief Simone Kabsts Stimme an, und ich habe die Tasse Kaffee kalt werden lassen. Manchmal entscheidet das Wetter, welches Hörbuch man braucht. « Wie das Schicksal spielt » war das richtige für diesen grauen Tag, weil Anne Jacobs’ Welt aus Dingelsbach am Taunus genau so klingt wie ein Ort, in dem man sich einspinnen kann.
Wir schreiben das Jahr 1927. Die Weimarer Republik atmet noch, aber die Risse sind spürbar, auch im kleinen Dorf. Frieda, die mittlere Schwester, bekommt ihr erstes Theaterengagement und findet die Liebe. Ida schließt sich dem Jugendverband der KPD an, verliert ihren Freund Florian bei einer Straßenschlacht und kehrt gebrochen zurück. Herta erwartet ein uneheliches Kind und trägt das Gewicht des Dorfurteils. Anne Jacobs verbindet diese drei Stränge mit Geduld und ohne einen von ihnen zu überwältigen.
Simone Kabst und das Dorf, das man hört
Simone Kabst liest die Dorfladen-Saga, wie man ein langes Gespräch führt: ohne Eile, ohne theatralische Ausbrüche, mit dem sicheren Gespür dafür, wo der Ton wechseln muss. Sie differenziert die drei Schwestern hörbar, ohne jeweils eine Karikatur daraus zu machen. Wenn Ida schweigend im Zug nach Hause fährt, klingt das bei Kabst genauso stumm und belastet, wie die Szene es verlangt. Das ist Qualität. Bei fast 17 Stunden Laufzeit braucht man eine Sprecherin, der man vertrauen kann, und das kann man Simone Kabst.
Herta und der Blick des Dorfes
Am stärksten hat mich Hertas Geschichte erwischt. Ein uneheliches Kind im Deutschland von 1927 war gesellschaftlich ein Problem, das sich nicht wegdiskutieren ließ. Jacobs zeigt ohne Sentimentalität, wie das Dorf urteilt, wie die Familie reagiert und wie Herta trotzdem einen Weg findet, der ihr gehört. Das ist der eigentliche Kern dieser Saga: Frauen, die ihr Leben gestalten, obwohl die Zeit ihnen das nicht leicht macht. Hier wird Lokalgeschichte zur Sozialgeschichte, und das passiert ganz beiläufig, ohne Lehrbuchton.
Ich muss aber ehrlich sein, was die inhaltlichen Unstimmigkeiten angeht, die mehrere Leserinnen auf Amazon erwähnen. Schauplätze aus Band eins tauchen in Band zwei an anderen Orten auf, Figurenbeschreibungen schwanken. Das sind keine dramatischen Fehler, aber für aufmerksame Hörerinnen, die alle drei Bände kennen, können sie irritieren. Da ich selbst nur diesen dritten Band gehört habe, kann ich das nicht aus eigener Erfahrung beurteilen, halte es aber für fair, es zu erwähnen.
Ein Abschluss, der keine Auflösung bietet
Das Ende des dritten Bandes führt direkt an die Schwelle der Nazizeit heran. Es gibt keinen Cliffhanger und keinen klassischen Abschluss, sondern ein Innehalten. Die Schwestern haben ihre Wege gefunden, aber die Geschichte, die hinter ihnen wartet, ist größer als das Dorf. Jacobs lässt die Last der Geschichte sichtbar werden, ohne sie auszuspielen. Wer die drei Schwestern durch alle drei Bände begleitet hat, wird das mit einem schweren Gefühl hören. Das ist kein Mangel, das ist das Ziel.
Wer sollte dieses Hörbuch hören, wer nicht
Wer die ersten beiden Bände kennt und Simone Kabsts ruhiger Lesung bereits etwas abgewinnen konnte, wird hier genauso gut aufgehoben sein. Wer noch nicht in die Saga eingestiegen ist: unbedingt mit Band eins beginnen, dieser Band setzt die Kenntnis der Figuren voraus. Wer ein Standalone sucht, schnelles Tempo braucht oder historischen Familienromanen grundsätzlich wenig abgewinnen kann, wird hier nicht finden, was er sucht.