Schatten der Welt
Hörbuch & E-Book

Schatten der Welt, by Gesprochen von: Uve Teschner

Von Gesprochen von: Uve Teschner

Gesprochen von Spieldauer: 15 Std. und 48 Min.

★★★★★ 4.6/5 (798 Bewertungen)
🎧 15 Stunden und 48 Minuten 📘 Der Audio Verlag 📅 24 juillet 2026 🌐 Deutsch
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Über dieses Hörbuch

Thorn in Westpreußen, 1910: Der schüchterne Carl, Sohn von Schneider Friedländer, träumt davon, die heimische Schneiderstube zu verlassen und Fotograf zu werden. Sein Freund Artur, Draufgänger und ausgekochtes Schlitzohr, möchte erst einmal zu Geld kommen – egal mit welchen Mitteln. Als die beiden auf Isi treffen, bildschön und mit einem Mundwerk, das sich gewaschen hat, ist klar: Die drei bringt so schnell nichts auseinander. Zu dritt trotzen sie der starren preußischen Ständegesellschaft. Doch dann bricht mit dem Ersten Weltkrieg die große Politik über sie herein, und alles wird ganz anders…

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Uve Teschner traegt den historischen Stoff mit Waerme und Praezision, variiert Charaktere glaubwuerdig und macht die Wespreussische Welt hoerbar greifbar.
  • Themen: Klassenschranken im Kaiserreich, Freundschaft und Loyalitaet, der Erste Weltkrieg als Einschnitt
  • Stimmung: Mitreissend und melancholisch, mit Momenten echter Leichtigkeit
  • Fazit: Ein historischer Roman, der unter die Haut geht, getragen von drei unvergesslichen Figuren und einem Sprecher, der ihnen vollstaendig gerecht wird.

Ich habe « Schatten der Welt » an einem verregneten Wochenende begonnen, irgendwo zwischen dem dritten Kaffee und dem Entschluss, die Wohnung nicht mehr zu verlassen. Rainer M. Schroeder zieht einen hinein in das Thorn des Jahres 1910 mit einer Selbstverstaendlichkeit, die mich ueberraschte. Historische Romane muessen nicht immer unter dem Gewicht ihrer eigenen Epoche seufzen; manchmal tragen sie das Gewicht so muehelos, dass man erst im Nachhinein merkt, wieviel Geschichte man gerade konsumiert hat.

Uve Teschner liest diesen Band der Wege-der-Zeit-Reihe, und Rezensentin Didi Berlin hat es gut auf den Punkt gebracht: Er ist grossartig. Das ist keine Uebertreibung. Teschner bringt etwas mit, das nicht alle Sprecher beherrschen: die Faehigkeit, einer Epoche eine Stimme zu geben, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

Drei Figuren, die man nicht mehr loslassen will

Carl, der scheue Schneidersohn mit dem Traum vom Fotografieren. Artur, der Draufgaenger ohne moralische Schranken. Isi, mit dem Mundwerk, das sich gewaschen hat. Diese drei sind der Kern des Buches, und Schroeder gelingt das Schwierigste: Sie wirken nie wie Stellvertreter einer Epoche, sondern wie Menschen mit eigenen Widerspruchen, eigenen Schwaechen und eigenen Sehnsuchten. Man goennt ihnen das Glueck und fuehlt mit, wenn die starre preussische Staendegesellschaft gegen sie arbeitet.

Marcus De Gasperi merkt in seiner Rezension an, dass die Geschichte an manchen Stellen etwas fabuloes wirkt, um ganz glaubwuerdig zu sein. Das stimmt. Schroeder erlaubt sich gelegentlich einen erzaehlerischen Optimismus, der nicht immer historisch plausibel ist. Fuer mich war das kein Manko; es verleiht dem Buch eine Energie, die realistischere Romane dieser Epoche oft vermissen lassen.

Das Preussen von 1910, wie man es selten hoert

Was Schroeder gelingt, ist eine Darstellung der Staendegesellschaft, die nicht belehrend wirkt. Die Kluft zwischen dem Schneiderssohn Carl und den privilegierteren Figuren seines Umfelds wird nicht mit dem Hammer vermittelt, sondern zeigt sich in kleinen Momenten: einem abweisenden Blick, einem verschlossenen Tor, einer unbezahlbaren Moeglichkeit. Das ist die subtilere Form der Sozialkritik, und sie funktioniert im Hoerbuchformat besonders gut, weil Teschner ihr den richtigen Tonfall gibt.

Die preussische Kleinstadt wird nicht romantisiert, aber sie hat ihre eigene Textur. Wenn Teschner die Atmosphaere der Schneiderstube oder eines Cafes beschreibt, spuert man den Widerspruch zwischen Enge und Sehnsucht. Das ist gekonnte Literatur, und es ist noch gekonnteres Sprechertum.

Der Erste Weltkrieg als Grenze, die niemand sah

Ohne zu viel vorwegzunehmen: Das Buch fuehrt seine Figuren bis an den Rand des Ersten Weltkriegs und laesst sie dort mit allem stehen, was sie aufgebaut haben. Diese Struktur kennt man aus historischen Romanen dieser Art, aber die emotionale Wirkung haengt davon ab, wie sehr man sich bis dahin in die Figuren investiert hat. Bei mir war die Investition gross genug, dass das Ende dieses ersten Bandes mich sofort nach dem Nachfolger greifen liess.

Ein Rezensent bemerkt, das Ende wirke abrupt. Das ist nicht ganz falsch; Schroeder setzt einen harten Schnitt, der als Cliffhanger funktioniert, aber auch unbefriedigend sein kann, wenn man nicht wusste, dass man Teil einer Trilogie liest. Mein Rat: vor dem Einstieg wissen, dass man danach weiterlesen wird.

Ein Sprecher, dem Rezensenten sechs Sterne geben

Didi Berlin vergab in ihrer Rezension sechs Sterne und schrieb explizit, das Hoerbuch sei wegen Uve Teschner empfehlenswert. Das deckt sich mit meiner Erfahrung. Teschner differenziert Carl, Artur und Isi so klar voneinander, dass man nie die Orientierung verliert, selbst in Szenen mit mehreren Figuren gleichzeitig. Sein Isi ist besonders gut gelungen: die Schlagfertigkeit, das Herz dahinter, die Momente der Verletzlichkeit. Das ist Sprecherkunst auf dem Niveau, das historische Literatur verdient und selten bekommt.

Wer historische Romane mag und bereit ist, sich auf eine Trilogie einzulassen, die mit Westpreussen 1910 beginnt und weit darueber hinausgeht, wird hier gut aufgehoben sein. Wer einen in sich abgeschlossenen Roman sucht, der mit Thorn und Isi fertig wird, muss sich auf den naechsten Band einstellen.

Häufig gestellte Fragen

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin