Auf einen Blick
- Sprecher: Marie Seith trifft den spritzigen, leicht kokettierten Ton dieser Serie gut. Sie differenziert Isabella und Nicolai stimmlich klar und hält das Tempo der enemies-to-lovers-Dynamik aufrecht.
- Themen: Enemies to Lovers, Workplace-Romance, die folgenreiche Wette
- Stimmung: Prickelnd, humorvoll, mit emotionalen Tiefen
- Fazit: Für Fans der Manhattan-Millionars-Reihe ein kurzweiliger vierter Band, für Neulinge kein geeigneter Einstiegspunkt.
Liebesromane, die mit einer Wette beginnen, haben ein Problem: Man weiß meistens, wie sie enden. Das Vergnügen liegt also nicht im Ausgang, sondern im Weg dorthin. Bei « Want me, Mister Tycoon », dem vierten Band von Emily Keys Manhattan-Millionars-Reihe, hat mich genau dieser Weg überrascht. Ich hörte die ersten Kapitel an einem Dienstagabend, als ich eigentlich etwas Ruhiges zum Einschlafen suchte. Eingeschlafen bin ich nicht.
Isabella Kensington kehrt von einer Weltreise zurück, bringt Lebenserfahrung, Schlagfertigkeit und ihre Jungfräulichkeit mit. Nicolai Vanderbilt ist der stadtbekannte Playboy mit einem Herzen, das er sorgfältig versteckt. Die Prämisse klingt bekannt, und das ist sie auch. Aber Emily Key versteht es, bekannte Tropes mit genug eigenem Charme zu versehen, dass man trotzdem weiterhören möchte.
Isabella, Nicolai und die Wette, die alles kompliziert
Das Herzstück des Romans ist die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren. Isabella ist keine klassische Mauerblümchen-Heldin trotz der Beschreibung im Klappentext. Sie ist selbstbewusst, hat einen trockenen Humor und lässt sich von Nicolais Arroganz nicht einschüchtern. Das macht die Sparringsszenen zwischen den beiden zu den stärksten Momenten des Hörbuchs. Wenn die beiden im Büro aufeinanderprallen, zieht Marie Seith das Tempo an, ohne in Hektik zu verfallen.
Die Wette, auf die Nicolai sich einlässt, hätte in einer anderen Autorenhand die gesamte Figur diskreditieren können. Key navigiert das geschickt: Man sieht, wie die Wette Nicolai selbst zum Problem wird, wie sie ihm entgleist. Mehrere Rezensenten haben die emotionale Verletzlichkeit hinter seiner Fassade gelobt, und das ist berechtigt. Es gibt Momente, in denen dieser Charakter tatsächlich überrascht.
Was Marie Seith zur Produktion beiträgt
Marie Seith ist für diese Reihe eine gut gewählte Sprecherin. Ihr Vortrag hat eine natürliche Leichtigkeit, die zum Schreibstil von Emily Key passt. Die komischen Momente mit Nicolais Brüdern, die im Buch immer wieder für Entlastung sorgen, kommen in ihrer Lesung besonders gut zur Geltung. Die romantischen und intimen Szenen hält sie auf einem angemessenen Niveau. Nichts wirkt übertrieben, nichts wird unter den Tisch gekehrt.
Bei 7 Stunden und 22 Minuten ist dies auch der kürzeste Titel in diesem Batch. Das spiegelt sich in der Erzählstruktur wider: Key schreibt kompakt. Manche Nebenhandlungen fühlen sich dadurch leicht gehetzt an, und der emotionale Wendepunkt kommt vielleicht etwas zu schnell. Aber als Unterhaltungshörbuch für zwischendurch ist das kein echter Mangel.
Für wen dieser vierte Band gedacht ist
Fans der Manhattan-Millionars-Reihe werden hier bekommen, was sie erwarten: Emily Keys leichten, fesselnden Schreibstil, bekannte Nebencharaktere, und eine neue Liebesgeschichte, die das Versprechen der Tropes einlöst. Wer die Reihe noch nicht kennt, sollte mit Band eins beginnen. Nicht weil dieser Band ohne Vorkenntnisse unverständlich wäre, aber weil sich viele Anspielungen auf die Vanderbilt-Familie erst richtig erschließen, wenn man die anderen Paare bereits kennt. Der emotionale Payoff ist deutlich größer, wenn man die Familiengeschichte im Kopf hat.
Für eine Hörbuch-Session auf Reisen oder beim Sport ist « Want me, Mister Tycoon » eine zuverlässige Wahl. Nicht jedes Buch muss die Welt auf den Kopf stellen. Manchmal reicht es, zweieinhalb Stunden pro Abend einfach gut unterhalten zu sein.