Auf einen Blick
- Sprecher: Elena Wilms beherrscht die Psy-Changeling-Welt inzwischen souverän und gibt Mercy eine Dominanz, die man spürt.
- Themen: Gestaltwandler-Romantik, Macht und Unterwerfung, Feindschaft als Fundament für Liebe
- Stimmung: Heiß, temporeich und kraftvoll sinnlich
- Fazit: Für Fans der Serie ein echter Höhepunkt, aber ohne die Vorgänger kein sinnvoller Einstieg.
Ich erinnere mich noch genau, wie ich « Sengende Nähe » zum ersten Mal in die Hände bekam. Ich war mitten in einem langen Wochenende, draußen zu heiß zum Spazierengehen, und hatte die Vorgänger der Psy-Changeling-Reihe von Nalini Singh in einem durchgehenden Hörstrom verschlungen. Band 6 versprach endlich das, worauf viele Leser seit Bänden gewartet hatten: Mercy und Riley. Diese beiden hatten in den vorherigen Teilen als Nebenfiguren so viel Spannung aufgebaut, dass es geradezu physisch fühlbar war, als Elena Wilms die ersten Sätze las und die Geschichte endlich ihnen gehörte.
Das ist es, was Nalini Singh so gut kann. Sie sät. Sie lässt Figuren in mehreren Bänden reifen, gibt ihnen Charakter, Eigenheit und Konflikt, bevor sie ihnen ihre eigene Geschichte schenkt. Das bedeutet allerdings auch, dass « Sengende Nähe » ohne die Vorgänger kaum funktioniert. Wer hier einsteigt, ohne zumindest « Leopardenblut » und die folgenden Teile zu kennen, verpasst nicht nur Kontext, sondern auch die aufgebaute emotionale Investition in die Figuren.
Eine Leopardin und ein Wolf: Das Strukturproblem der Standesgleichheit
Was « Sengende Nähe » von anderen Paranormal-Romance-Bänden der Reihe abhebt, ist das Konfliktdesign. Mercy ist Wächterin der DarkRiver-Leoparden, stark, dominant und kompromisslos. Riley Kincaid ist Wächter der SnowDancer-Wölfe, ähnlich aufgestellt. Das übliche Romance-Muster, bei dem eine Seite nachgibt, funktioniert hier nicht, weil keine der beiden Figuren das will oder kann. Singh baut die Reibung zwischen zwei gleichstarken Persönlichkeiten zum eigentlichen Antrieb der Geschichte aus. Das ist durchdachter als es zunächst wirkt.
Gleichzeitig läuft im Hintergrund ein größerer Handlungsbogen: Mediale begehen Selbstmordanschläge, ein brillanter Wissenschaftler wird aus dem Territorium der Leoparden entführt, und die Allianz zwischen DarkRiver und SnowDancer wird auf eine neue Probe gestellt. Singh verknüpft die romantische Hauptlinie mit dem Weltenbau der Reihe geschickt, so dass man nie das Gefühl hat, die politischen Ereignisse seien nur Dekoration. Mercy und Riley führen gemeinsam die Suche nach dem Entführten an, und genau in dieser Zusammenarbeit entfaltet sich die Chemie zwischen ihnen.
Sinnlichkeit mit Substanz
Ein Rezensent schrieb, das Buch sei « sehr sexy und dabei so viel mehr », und ich würde dem zustimmen. Singh schreibt Begierde nicht als Kulisse, sondern als Charakterentwicklung. Die Anziehung zwischen Mercy und Riley ist von Anfang an physisch, aber sie wächst erst dann wirklich, wenn die Figuren anfangen, ihre Kontrolle loszulassen. Das ist eine differenzierte Arbeit in einem Genre, das oft zugunsten von Tempo auf Tiefe verzichtet.
Ein anderer Rezensent merkte an, dass die Vorgängerbände « um Längen besser » seien. Ich sehe das anders. « Sengende Nähe » hat ein etwas anderes Tempo als etwa « Leopardenblut », weil die Chemie zwischen zwei dominanten Figuren mehr Zeit braucht, sich zu entfalten. Wer das als Schwäche liest, unterschätzt, was Singh damit eigentlich baut. Es ist kein Spannungsabfall, es ist ein anderer Rhythmus.
Was Elena Wilms aus der Lesung macht
Elena Wilms hat die Psy-Changeling-Reihe schon durch mehrere Bände begleitet, und das hört man. Sie ist in dieser Welt zuhause. Mercy bekommt bei ihr eine Stimme, die Stärke ohne Arroganz transportiert, ein schmaler Grat, den Wilms routiniert geht. Riley klingt bei ihr ruhiger, kontrollierter, mit einer Wärme, die sich nur langsam zeigt. Die ungekürzte Fassung, die exklusiv bei Audible verfügbar ist, läuft knapp dreizehn Stunden und ist nie ermüdend.
Für Serienneulinge sei noch einmal gesagt: Bitte mit Band 1 beginnen. « Sengende Nähe » ist der sechste Teil einer Serie, deren Stärke im kumulativen Aufbau liegt. Wer hier einsteigt, wird die Geschichte technisch verstehen, aber emotional nicht vollständig ankommen. Das ist keine Kritik am Buch, sondern ein Hinweis auf seine Natur.
Wer hier richtig liegt und wer nicht
« Sengende Nähe » ist für Fans der Psy-Changeling-Reihe, die Mercy und Riley schon aus den Vorgängern kennen und auf ihre Geschichte gewartet haben. Es ist für Hörerinnen und Hörer, die Paranormal Romance mit konsequentem Serienaufbau schätzen und Elena Wilms als verlässliche Begleiterin durch diese Welt kennen. Wer mit dem Genre oder der Serie neu ist, sollte bei « Leopardenblut » anfangen.