Auf einen Blick
- Sprecher: Eni Winter und Hagen Winterfels teilen sich die Perspektiven der beiden Hauptfiguren und erzeugen damit eine Spannung, die ein einzelner Sprecher nicht herstellen koennte.
- Themen: Dark Romance, Killer-Protagonist, Geheimnisse und Abgruende, toxische Anziehung
- Stimmung: Dunkel, elektrisch geladen und bewusst grenzwertig
- Fazit: Wer Mia Kingsleys dunklen Ton kennt und liebt, wird hier gut bedient. Alle anderen sollten die Inhaltswarnung ernst nehmen.
Ich hoere Dark Romance selten am Morgen. « Soul on Ice » habe ich trotzdem morgens begonnen, auf dem Weg zum Buero, Kopfhoerer auf, Kaffee in der Hand, und dann stand ich zehn Minuten zu lang an der Bushaltestelle, weil ich den naechsten Bus schlicht nicht bemerkt hatte. Mia Kingsley schreibt so, dass die Aussenwelt kurz irrelevant wird. Das ist ihre Staerke, und sie bringt sie in diesem Buch vollstaendig zum Einsatz.
Wichtiger Hinweis vorab: « Soul on Ice » ist explizit fuer Erwachsene ab 18 Jahren gekennzeichnet. Das Buch enthaelt deutliche erotische Szenen, gewalthaltige Themen und eine Protagonistenkonstellation, die ausserhalb der Romanfiktion keine romantisierbare Grundlage haette. Wer das weiss und sich bewusst dafuer entscheidet, bekommt eines der praegenderen Werke des deutschen Dark-Romance-Genres.
Ein Killer, eine Studentin und eine Nacht, die das aendert
Die Ausgangssituation ist denkbar schlicht: Pepper wollte eine Nacht Spass, ohne Verpflichtungen. Adrian sollte eigentlich einen Auftrag erledigen. Das Wetter spielte nicht mit. Das klingt nach einem misslungenen Abend, wird aber zum Ausgangspunkt einer Geschichte, die Reviewerin Reni treffend als blutig, duester, erotisch und bedenklicherweise sehr faszinierend beschrieben hat. Das trifft es. Kingsley weiss, was sie tut, wenn sie moralische Ambiguenz inszeniert. Sie romantisiert nicht, sie eskaliert. Der Unterschied liegt im Ton, und der Ton ist hier durchgehend kontrolliert.
Das Buch erschien urspruenglich 2016 auf Wattpad und wurde fuer die Buchversion um Kapitel und ein veraendertes Ende ergaenzt. Das Hoerbuch bietet die vollstaendige Fassung, und man merkt an den sorgfaeltig gesetzten Wendungen, dass Kingsley die Geschichte mit Blick auf ihren Abschluss ueberarbeitet hat.
Was die Duo-Lesung zur Staerke macht
Eni Winter und Hagen Winterfels lesen die weibliche und maennliche Perspektive und bringen damit eine Qualitaet ins Hoerbuch, die dem Text gerecht wird. Kingsley schreibt aus beiden Blickwinkeln, und die Verschiebung der Perspektive ist kein bloss strukturelles Mittel, sondern traegt zur emotionalen Wirkung bei. Man versteht Adrian besser, wenn man ihn aus Peppers Augen sieht, und man versteht Pepper besser, wenn Adrian auf sie blickt. Winter und Winterfels steuern beide Figuren zuverlaessig und ohne Uebertreibung.
Hagen Winterfels gibt Adrian eine Kuehle, die gut zu seiner Rolle als Berufskiller passt, ohne ihn in eine Karikatur zu verwandeln. Die Momente, in denen Adrians Kontrolle bricht, werden dadurch umso wirkungsvoller. Eni Winter bringt Pepper eine Verletzlichkeit bei, die nicht schwaeche bedeutet, sondern Tiefe. Das ist die richtige Entscheidung fuer eine Figur, die laut mehreren Rezensionen am Anfang noch schwer zugaenglich ist.
Zwischen Suchtpotenzial und Unbehagen
Daniela Unger schrieb in ihrer Rezension, Kingsley koennte « nicht anders, als verdammt gute und echt heisse, aber bei genauerer Betrachtung auch ein klitzekleines bisschen kranke Geschichten » schreiben. Das ist ehrlicher als viele Lobeshymnen auf das Genre, und es trifft das Wesen von Dark Romance praezise. Kingsley nimmt das Unbehagen ernst; sie schreibt es nicht weg. Fuer manche Lesende ist das der Reiz. Fuer andere ist es der Grund, das Buch nach dem ersten Kapitel wieder wegzulegen.
Mit knapp fuenf Stunden und 29 Minuten ist « Soul on Ice » kurz genug, um in einem Stuck gehoert zu werden. Das ist eine bewusste Entscheidung, die dem Tempo des Buches gut entspricht. Es gibt keine langen Ruhephasen, keine verschleppten Nebenhandlungen. Wer ein kurzweiliges, intensives Hoererlebnis im Dark-Romance-Genre sucht, bekommt es hier in konzentrierter Form.
Fuer wen ja, fuer wen nein
Ja: Mia-Kingsley-Fans, Lesende mit Toleranz fuer moralisch ambivalente Protagonisten, Menschen, die wissen, was Dark Romance bedeutet, und es bewusst waehlen. Nein: Wer Romanzen sucht, in denen die Liebesgeschichte aus gesunden Beziehungsstrukturen entsteht. Wer gewalthaltige Themen meidet. Wer unter 18 ist.