Auf einen Blick
- Sprecher: Simon Jäger liest mit tiefer, ruhiger Stimme, die dem vampirischen Antihelden Dante eine bedrohliche Würde verleiht. Seine Erfahrung mit dunklen Stoffen kommt hier klar zum Tragen.
- Themen: Paranormale Romanze, Vampirmythologie, Schicksal und Verführung
- Stimmung: Sinnlich und düster, mit einem Sog, dem man sich kaum entziehen kann
- Fazit: Wer mit dem ersten Band « Geliebte der Nacht » Blut geleckt hat, findet hier genau das, was er sucht. Für Einsteiger in die Midnight-Breed-Welt kein guter Einstiegspunkt.
Es war ein Mittwochabend, kurz nach elf, und ich hatte eigentlich vor, nach zwanzig Minuten aufzuhören. Das ist das einzige, was ich über meine erste Begegnung mit « Gefangene des Blutes » sagen kann, denn natürlich wurde es nichts mit dem frühen Schlafengehen. Lara Adrians zweiter Band ihrer Midnight-Breed-Reihe hat mich schlicht festgehalten.
Zur Einordnung: Die Midnight-Breed-Saga ist seit ihrem Erscheinen in den mittleren Nullerjahren eine feste Größe im paranormalen Romance-Segment. Wer J.R. Ward kennt, hat eine ungefähre Ahnung, wohin die Reise geht. Adrians Welt ist eine, in der Vampire nicht übernatürlich, sondern außerirdischen Ursprungs sind. Das gibt der Mythologie eine eigentümliche Logik, die manche Rezensenten hier ausdrücklich loben. Ich fand es beim ersten Kontakt etwas konstruiert, bin aber inzwischen bekehrt.
Tess und Dante: Wenn ein Kuss das Schicksal versiegelt
Die Tierärztin Tess Culver findet einen blutenden Mann vor ihrer Tür. Sie rettet ihn, weil sie gar nicht anders kann. Das ist ihre Art. Und weil Lara Adrian keine halben Sachen macht, ist dieser Mann natürlich kein gewöhnlicher Verletzter, sondern Dante, ein Krieger der Midnight Breed. Was als medizinischer Notfall beginnt, entwickelt sich durch einen schicksalhaften Kuss zu einer Bindung, aus der beide nicht mehr herausfinden werden. Das klingt nach vertrautem Terrain, und das ist es auch. Aber Adrian hat eine Art, diese Konventionen mit echtem emotionalen Gewicht zu füllen, das über das Genretypische hinausgeht.
Was mich an der Konstellation interessiert: Tess ist keine Frau, die auf Rettung wartet. Sie ist Fachfrau, sie trifft Entscheidungen, sie steht ihren Mann. Der eine Kritikpunkt, den mehrere Rezensenten teilen, betrifft das Ende: zu viel Liebesbekundung, zu viel Wiederholung der Gefühle, etwas weniger hätte mehr getan. Dieser Einwand ist nicht falsch. Der Schluss hat tatsächlich eine gewisse Schwülstigkeit, die dem sonst überzeugenden Ton des Hörbuchs nicht ganz standhält.
Simon Jäger und die Stimme der Nacht
Simon Jäger ist in Deutschland vor allem als Synchronstimme bekannt, als das Gesicht hinter Heath Ledger und Matt Damon. Was er für das Hörbuch mitbringt, ist eine tiefe, kontrollierte Stimme, die zwischen Bedrohung und Zärtlichkeit wechseln kann, ohne je aufgesetzt zu klingen. Für die paranormale Romance ist das genau die richtige Besetzung. Dante braucht jemanden, der gefährlich klingt, ohne ins Groteske zu kippen, und Jäger navigiert das souverän. Er hat sich durch seine Lesungen von Katzenbach und Fitzek im Thriller-Segment einen Namen gemacht, und man merkt dieser Arbeit an, dass er weiß, wie man Spannung dosiert.
Die Frauenfigur Tess bleibt in seiner Lesung etwas weniger plastisch als Dante, was bei einem männlichen Sprecher kein Vorwurf ist, aber wer auf echte Nuanciertheit der weiblichen Perspektive besteht, sollte das im Kopf behalten. Insgesamt ist Jäger eine starke Wahl für dieses Material.
Was die Reihe trägt und was sie kostet
Mit 787 Bewertungen und einem Schnitt von 4,6 Sternen ist « Gefangene des Blutes » kein Geheimtipp. Die Reihe hat eine treue Fangemeinde, und das aus gutem Grund. Die Lektüre ist, wie eine Rezensentin treffend schrieb, von süchtigmachendem Charakter. Adrian baut ihre Welt konsistent aus, die Spannung bleibt durchgängig hoch, und die romantische Chemie zwischen den Figuren funktioniert.
Was die Reihe kostet, ist Geduld mit ihren eigenen Regeln. Das Vampire-als-Außerirdische-Konzept braucht Eingewöhnung. Und wer mit Band 2 einsteigt, ohne Band 1 zu kennen, wird sich an einigen Stellen verloren fühlen, da Lara Adrian voraussetzt, dass man die Welt bereits kennt. Mein dringender Rat: Mit « Geliebte der Nacht » beginnen. Wer das schon gehört hat, kann hier sofort einsteigen.
Ein weiterer Hinweis, den ich nicht unterschlagen möchte: Das Hörbuch ist ab 18 Jahren freigegeben. Die erotischen Passagen sind explizit genug, um diese Kennzeichnung zu rechtfertigen. Wer darauf eingestellt ist, wird nicht überrascht sein. Wer das nicht erwartet hat, könnte es sein.
Für wen diese fünf Stunden gedacht sind
Wenn Sie gerne paranormale Romance hören, J.R. Ward mögen oder nach dem Auftakt der Reihe neugierig geworden sind, dann ist « Gefangene des Blutes » genau das, was Sie suchen. Die 5 Stunden und 56 Minuten vergehen schnell. Wenn Sie hingegen erst in die Midnight-Breed-Welt einsteigen wollen, dann beginnen Sie bitte mit Band 1. Und wenn Sie mit expliziten Inhalten nichts anfangen können, dann ist diese Reihe schlicht nicht für Sie.