Auf einen Blick
- Sprecher: Matthias Keller liest Sebastian Niedlichs Komödie mit trockenem Witz und einem Timing, das den absurden Ton perfekt trifft.
- Themen: Religion und Moderne, unfreiwilliger Messias, Medienhype
- Stimmung: Leichtfüßig satirisch mit nachdenklichem Unterboden
- Fazit: Eine ungewöhnliche Idee mit viel Situationskomik — Niedlich weiß, was er hat, und Keller weiß, wie man es trägt.
Es gibt einen Moment beim Hören von « Und Gott sprach: Es werde Jonas », in dem man versteht, womit man es zu tun hat: Jonas Carstens, ein leicht verpeilter Berliner Romanautor, wird von einer herabstürzenden Kirchturmspitze zerquetscht. Das ist der Beginn. Gott entscheidet sich, ihn zum neuen Messias zu machen und erweckt ihn von den Toten. Jonas will eigentlich nur seine Ruhe. Das Universum hat andere Pläne.
Ich habe dieses Hörbuch an einem Abend begonnen, an dem ich etwas brauchte, das mich nicht anstrengt, aber auch nicht langweilt. Sebastian Niedlichs Komödie ist genau das Richtige dafür. Matthias Keller trägt die knapp neun Stunden mit einer Ruhe und Trockenheit, die zum zynischen Erzählton — Gott selbst kommentiert bisweilen das Geschehen — hervorragend passt.
Die Prämisse, die alles trägt
Was Niedlich hier macht, ist handwerklich clever: Er dreht die Messias-Geschichte nicht in eine Parodie um, die sich über Religion lustig macht, sondern fragt aufrichtig, was passieren würde, wenn Gott heute wieder einen Propheten in die Welt schickt. Die Antwort ist so absurd wie zwingend: Die Medien drehen durch, eine wachsende Fangemeinde bildet sich, seine Freundin ist hin- und hergerissen, sein Geschäftspartner wittert Profit, und Jonas selbst möchte um Himmels willen keine Wunder wirken.
Das ist nicht nur komisch, es ist auch ein scharfes Kommentar zur Gegenwart: Heute schwanken die Menschen zwischen Ignoranz, fanatischem Gefolge und hasserfüllter Ablehnung, schrieb ein Rezensent — und das ist die eigentliche Pointe des Buches. Niedlich kleidet eine ziemlich nüchterne Beobachtung über moderne Öffentlichkeit in sehr komische Szenen.
Matthias Kellers Lesestil und der zynische Gott im Hintergrund
Der Erzähler in « Und Gott sprach: Es werde Jonas » ist nicht neutral. Gott ist präsent als zynische, bisweilen entnervte Stimme, die kommentiert, was sie angerichtet hat. Das ist eine literarische Entscheidung, die in einer anderen Sprecherbesetzung schief gehen könnte — zu viel Emphase, und der Zynismus wird zur Karikatur. Matthias Keller lässt das nicht passieren. Er liest trocken, mit kleinen Pausen, die dem Witz Raum geben. Ein Rezensent beschrieb, dass er mehrfach laut gelacht hat und dafür merkwürdige Blicke kassierte — das ist die Art Komödie, die gut gesprochen werden muss, damit sie funktioniert. Keller liefert das.
Auch die Situationskomik, die Niedlich stark betont, trägt Keller gut: Jonas im Leichenschaufenster, Jonas bei seiner ersten unfreiwilligen Wunderheilung, Jonas, der versucht, der Presse zu entkommen. Das sind Szenen, die aus einem anderen Buch sehr ernst wirken würden, hier aber genau die richtige Leichtigkeit haben.
Was man wissen sollte: Vergleich mit dem Vorgänger und dem Schluss
Niedlich hat vor diesem Roman einen weiteren Titel veröffentlicht, und eine Rezensentin merkt an, dass « Jonas » nicht ganz so gut sei wie der Vorgänger. Das ist eine ehrliche Einschätzung, die ich erwähnen möchte, weil sie zeigt: Wer bereits Fan ist, könnte leichte Abstriche machen. Als eigenständiges Werk und als Einstieg in Niedlichs Stil funktioniert das Buch jedoch vollständig ohne Vorwissen.
Zum Schluss des Buches gibt es gespaltene Meinungen. Ein Rezensent nannte ihn « etwas haarsträubend », ein anderer sprach von einem gelungenen Abschluss. Ich tendiere dazu zu sagen: Der Schluss ist nicht das Stärkste am Buch, aber er ist kein Einbruch. Das Buch endet konsequent und nicht unbefriedigend.
« Und Gott sprach: Es werde Jonas » ist exklusiv bei Audible als ungekürzte Fassung verfügbar. Mit einer Gesamtbewertung von 4,0 bei über 880 Bewertungen liegt es leicht unter dem, was ich als klaren Genre-Lieblingswert einordnen würde — aber für eine Komödie mit religiösen Motiven und zynischem Erzähler ist das eine starke Resonanz. Es gibt genug Menschen, die wissen, was sie wollen, und es hier finden.