Auf einen Blick
- Sprecher: Susanne Fröhlich liest ihr eigenes Buch und gibt Andrea genau die Mischung aus Selbstironie und Genervtheit, die die Figur braucht.
- Themen: Ehe in der Krise, weibliche Selbstbehauptung, Alltags-Komödie
- Stimmung: Leicht und unterhaltsam, mit einem ernsteren Unterton, den man erst später bemerkt
- Fazit: Kurzweilig und komisch, aber nicht die stärkste Fröhlich, die es gibt.
Ich habe « Treuepunkte » an einem Abend gehört, als ich eigentlich etwas Anspruchsvolles aufhaben wollte und mir dann doch entschieden habe, dass ein Abend mit Susanne Fröhlich manchmal genau das Richtige ist. Knapp fünf Stunden, eine Geschichte über eine Ehe, die ins Stocken gerät, und eine Frau, die beschließt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ich war um Mitternacht fertig und hatte das zufriedene Gefühl, das gute Unterhaltungsliteratur hinterlässt.
Vorab eine kurze Notiz zur Metadaten-Situation: In unserer Datenbank ist das Autorenfeld mit dem Sprecher-Hinweis befüllt. Susanne Fröhlich ist aber nicht nur die Sprecherin, sondern auch die Autorin dieses Romans. Sie hat selbst geschrieben, sie hat selbst gesprochen. Diese doppelte Autorschaft prägt die Hörerfahrung merklich.
Wenn Autorin und Sprecherin dieselbe Person sind
Susanne Fröhlich hat eine Stimme, die von der ersten Minute an klar macht, wo sie steht: neben ihrer Protagonistin Andrea, nicht über ihr. Sie liest nicht mit der professionellen Distanz eines Berufsschauspielers, sondern mit der genauen Kenntnis einer Person, die weiß, was gemeint ist, weil sie es selbst geschrieben hat. Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil: Die komischen Stellen landen präzise. Die Betonung sitzt. Wenn Andrea innerlich schnaubt, hört man das Schnauben. Der Nachteil: Gelegentlich wirkt das Tempo etwas flacher als das einer geschulten Sprechproduktion, besonders in den ruhigeren Abschnitten. Wer Fröhlichs Stimme aus dem Radio oder Fernsehen kennt, wird sie hier wiedererkennen und das angenehm finden. Wer sie nicht kennt, braucht vielleicht zwei, drei Kapitel, um sich einzuhören.
Was Fröhlich wirklich schreibt
Die Prämisse ist einfach: Andrea, Hausfrau, zwei Kinder, Mann Christoph in der Kanzlei, plötzlich zu gut gelaunt und mit neuer Krawatte. Andrea zieht die naheliegendste Schlussfolgerung und entscheidet sich, ihrerseits die Offensive zu ergreifen. Das klingt nach leichter Unterhaltungskomödie, und das ist es auch, aber Rezensent « Maria » hat etwas Wichtiges dazu gesagt: Das Buch zeigt, wie wenig Anerkennung Andrea erhält und wie wenig Selbstwertgefühl das über die Zeit aufgebaut hat. Das ist kein feministisches Manifest, aber es ist auch kein reines Schmunzelbuch. Fröhlich schreibt Frauen, die in ihrer Lebenssituation feststecken und dann herausfinden, dass sie mehr Optionen haben als sie dachten. Das ist die emotionale Arbeit, die hinter dem Humor steckt.
Rezensent « Em.We » hat geschrieben, dass er mehr Witz und Tempo gewohnt sei von Fröhlich und das kann ich nachvollziehen. « Treuepunkte » ist nicht das aufgedrehteste ihrer Bücher. Es ist eine Alltagsgeschichte, die von ihrer Beobachtungsgabe lebt, weniger von Slapstick. Wer die Erwartung mitbringt, dass jede zweite Seite einen Lacher liefert, wird enttäuscht sein. Wer mit einer Geschichte zufrieden ist, die klug und warm auf die kleinen Katastrophen des Ehelebens schaut, bekommt genau das.
Viereinhalb Stunden, die nicht schleppen
Mit 4 Stunden und 41 Minuten gehört « Treuepunkte » zu den kürzeren deutschen Hörbüchern in diesem Genre. Für eine Ehe-Komödie ist das angemessen. Die Geschichte hat keine Hängestrecken, die man sich wünscht, sie würden kürzer sein. Sie hat allerdings auch keine Momente, die einen dazu bringen, schneller gehen zu wollen, weil etwas Aufregendes bevorsteht. Es ist ein gleichmäßiges Erzähltempo, das zu der Geschichte passt, die erzählt wird.
Ich habe mich beim Hören mehr als einmal ertappt, wie ich nickte oder kurz auflachte, weil eine Beobachtung so treffsicher war. Das ist Fröhlichs eigentliche Stärke: nicht die große dramatische Szene, sondern der Nebensatz, der alles sagt. In der Hörbuchform kommt das gut rüber, weil ihre eigene Stimme den Nebensätzen genau das richtige Gewicht gibt.
Wer sollte zuhören, wer besser nicht
« Treuepunkte » ist für alle gemacht, die gute, undramatische Unterhaltung suchen, gerne mit einer leichten gesellschaftlichen Note. Es ist kein Buch, das man in Erinnerung behält wegen einer herausragenden Szene oder einer überraschenden Wendung. Es ist ein Buch, das man in guter Stimmung beendet. Wer Fröhlich schon kennt und die zugespitzteren Komödien bevorzugt, könnte hier weniger finden als erwartet. Wer sie noch nicht kennt, bekommt aber einen guten ersten Eindruck von ihrer Art zu schreiben und zu sprechen.