Auf einen Blick
- Sprecher: Ralf Schmitz liest sein eigenes Buch und ist damit das Hörbuch: Sein Timing und seine Stimme sind der eigentliche Witz.
- Themen: Familienhumor, Mutter-Kind-Dynamiken, der deutsche Alltag mit seinen kleinen Absurditäten
- Stimmung: Heiter und warmherzig, manchmal etwas forciert
- Fazit: Ein unterhaltsames Hörbuch für Schmitz-Fans, das nicht ganz an seinen Vorgänger heranreicht, aber zuverlässig für gute Laune sorgt.
Es gibt Bücher, die man morgens beim Frühstück hört, und Bücher, die man abends auf dem Sofa braucht. Schmitz’ Mama gehört eindeutig in die zweite Kategorie. Ich habe es an einem ruhigen Samstagvormittag angefangen, mit einer großen Tasse Kaffee und der Erwartungshaltung, dass mir jemand einfach etwas Lustiges erzählen würde. Das hat funktioniert.
Ralf Schmitz ist Comedian, und dieses Hörbuch ist genau das: ein Comedian-Projekt, das er selbst spricht, das von seiner Mutter handelt und das seine charakteristische Beobachtungsgabe auf das Terrain Familienalltag anwendet. Fragen wie Warum sagt Mama ‘Dingens’? oder Wie beendet man ein Telefonat mit Mama? sind nicht tiefgründig. Sie sind aber präzise gestellt, und Schmitz’ Talent liegt darin, aus diesen alltäglichen Momenten etwas herauszuschälen, das universell wiedererkennbar ist.
Was Selbstnarration bei Comedian-Büchern bedeutet
Bei einem Hörbuch wie diesem ist die Frage, wer es spricht, keine Nebensache. Schmitz liest nicht nur seinen eigenen Text vor. Er interpretiert ihn, mit dem Timing eines Bühnenauftritts, mit dem Schlenker in der Stimme, den man aus seinen Programmen kennt, mit der Fähigkeit, eine Pause so zu setzen, dass sie selbst witzig wird. Das wäre mit einem fremden Sprecher nicht reproduzierbar. In diesem Sinne ist das Hörbuch kein Audioformat eines Buches, sondern eine eigenständige Form.
Das bedeutet aber auch: Wer Schmitz nicht mag, wer seinen Stil als aufgedreht oder anstrengend empfindet, wird hier nicht bekehrt. Das Buch ist er. Und er ist das Buch.
Der Vergleich, dem dieses Buch nicht entkommt
Eines der ehrlichsten Urteile über Schmitz’ Mama kommt von einer Rezensentin, die das erste Buch, Schmitz’ Katze, als deutlich stärker empfunden hat. Das Buch selbst zieht diesen Vergleich sogar selbst an, mit dem Versprechen: Wer Schmitz’ Katze mochte, wird Schmitz’ Mama lieben. Das ist ein mutiges Versprechen, das das Buch nicht ganz einhalten kann.
Der Humor in Schmitz’ Mama ist oft auf Steigerung ausgelegt, auf das Aufdrehen der Absurdität bis zum Anschlag. Das funktioniert in Teilen gut, erzeugt aber gelegentlich das Gefühl, dass ein Witz einen Takt zu lang gehalten wird. Die Katze hatte etwas Leichteres, Beobachtenderes. Die Mama-Geschichten sind etwas lauter gemacht. Das ist kein schwerwiegender Einwand, aber wer beide kennt, wird den Unterschied bemerken.
Wofür dieses Hörbuch gemacht ist
Schmitz’ Mama läuft vier Stunden und 32 Minuten. Das ist genau die richtige Länge für das, was es ist: ein Geschenk für einen freien Nachmittag, ein Begleiter auf einem langen Autofahrt-Sonntag, eine zuverlässige Aufhellung eines grauen Januartages. Mehrere Rezensenten haben es tatsächlich als Geschenk genutzt, und das ist eine sinnvolle Einordnung. Es ist ein freundliches Hörbuch, kein forderndes. Es verlangt nichts außer der Bereitschaft, sich amüsieren zu lassen.
Wer mit Schmitz’ Stil noch nicht vertraut ist, könnte mit dem ersten Buch beginnen, einfach weil es als Einstieg konzipiert war. Schmitz’ Mama kann aber durchaus ohne Vorwissen gehört werden. Die Mama ist eine eigenständige Figur, die keine Vorkenntnisse benötigt. Mütter sind, wie Schmitz sie beschreibt, in ihrer eigentümlichen Logik so universell, dass das Material von selbst trägt.