Antonio im Wunderland
Hörbuch & E-Book

Antonio im Wunderland, by Jan Weiler

Von Jan Weiler

Gesprochen von Jan Weiler, Christian Brückner, Stella Vogel

★★★★☆ 4.3/5 (733 Bewertungen)
🎧 4 Stunden und 37 Minuten 📘 Der Hörverlag 🌐 Deutsch
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Über dieses Hörbuch

Der italienische Gastarbeiter Antonio Marcipane hat alles erreicht: Er besitzt ein Reihenendhaus, ein schönes Auto und vier Dutzend Krawatten. Seine Töchter haben deutsche Männer geheiratet, und jetzt wartet ein entspanntes Rentnerdasein auf ihn. Fehlt da noch etwas? Ja, denn einen Traum hat er sich noch nicht erfüllt: Amerika – und sein Schwiegersohn muss mit. Nun also Burger statt Pasta. Basta.

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Jan Weiler liest selbst, unterstützt von Christian Brückner und Stella Vogel. Brückner verleiht Antonio die nötige Grandezza, auch wenn Weilers eigene Stimme etwas trocken wirkt.
  • Themen: Interkulturelle Missverständnisse, Amerika als Sehnsuchtsort, Generationendynamiken
  • Stimmung: Warmherzig und komödiantisch, mit gelegentlichen Längen
  • Fazit: Ein charmantes, kurzweiliges Sequel, das seinen Vorgänger nicht übertrifft, aber Antonio-Fans gut unterhält.

Wer einmal die Lektüre von Maria, ihm schmeckt’s nicht begonnen hat und dabei im Zug anfing zu lachen, kennt das Gefühl: Man möchte niemandem erklären, was gerade so lustig ist, und tut es dann doch. Jan Weiler hat mit seinem Antonio-Marcipane-Universum eine Figur geschaffen, die sich in das kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation eingeschrieben hat. Der italienische Gastarbeiter, der das Reihenendhaus, das Auto und die vier Dutzend Krawatten errungen hat, ist eine Ikone des freundlichen Absurden.

Antonio im Wunderland ist der zweite Band der Reihe Meine italienische Sippe, und er schickt den verdienten Rentner dahin, wo ihn wohl alle erwartet haben: nach Amerika. Sein Schwiegersohn muss mit. Burger statt Pasta. Und Antonio sieht sich einem Land gegenüber, das genauso wenig von ihm erwartet, wie er von ihm weiß.

Drei Stimmen für einen Mann

Das Hörbuch hat eine ungewöhnliche Sprecherbesetzung. Jan Weiler liest selbst, aber Christian Brückner und Stella Vogel sind ebenfalls dabei. Brückner, dem deutschen Hörer vor allem als Robert-De-Niro-Stimme vertraut, gibt Antonio eine würdevolle Tiefe, die der Figur gut steht. Er spricht ihn nicht als Witzfigur, sondern als Mann mit Haltung. Das macht den Unterschied zwischen Karikatur und Charakter.

Weilers eigene Stimme als Erzähler ist hingegen funktional, aber nicht besonders warm. Er liest seinen Text mit der Distanz eines Autors, der seine Geschichte kennt und sie zuverlässig vorträgt, aber nicht unbedingt neu erlebt. Stella Vogels Beitrag gibt den weiblichen Figuren etwas mehr Körper, auch wenn ihre Rolle im Hörbuch im Hintergrund bleibt. Insgesamt ist das Ensemble ein interessantes Experiment, das gut genug funktioniert, um nicht zu stören.

Was Amerika mit Antonio macht und was Antonio mit Amerika macht

Die komödiantischen Stärken des Buches liegen in den kulturellen Kollisionen. Antonio in einem amerikanischen Diner, Antonio mit einem amerikanischen Supermarkt, Antonio mit dem Konzept des Small Talk. Weiler hat ein sehr gutes Ohr für die leisen, aber zutiefst menschlichen Momente der Irritation, wenn jemand fremde Codes lernt, ohne die eigenen aufzugeben. Das ist die gleiche Stärke wie im Vorgänger, hier nur in einem neuen Setting.

Was das Buch jedoch nicht ganz schafft, ist die gleiche emotionale Dichte des Vorgängers zu erreichen. Im ersten Band war Antonio keine Fantasiefigur. Er war ein Mensch, der zwischen zwei Welten stand und in beiden nie ganz ankam. Im Wunderland wird er zur Figur in einer Geschichte, was ihm etwas von seiner Schwere nimmt. Eine Rezension aus dem Jahr 2006 trifft das noch immer präzise: Man darf wohl keinen Vergleich zwischen den beiden Büchern ziehen.

Kurzweil mit einem Haken

Das Hörbuch dauert vier Stunden und siebenunddreißig Minuten. Das ist für einen Roman wenig, und es erklärt auch, warum manche Lesende den mittleren Teil als etwas träge empfinden. Weiler erzählt nicht knapp; er mäandert gerne. Das funktioniert bei Antonio, solange die Szenen genug Eigenleben haben. An einigen Stellen des Amerika-Abenteuers spürt man, dass die Handlung weniger treibt als begleitet.

Wer das Buch als eigenständige Lektüre betrachtet, wird gut unterhalten. Wer es als direkten Nachfolger von Maria, ihm schmeckt’s nicht liest oder hört, braucht möglicherweise eine kurze Gewöhnungsphase. Das Vorwort wird übrigens von mehreren Lesenden als das stärkste Kapitel des Buches genannt. Ich würde dem zustimmen: Es ist Weiler auf der Höhe seiner lakonischen Beobachtungsgabe.

Für wen, für wen nicht

Dieses Hörbuch gehört für alle Antonio-Fans in die Sammlung. Wer Maria, ihm schmeckt’s nicht nicht kennt, sollte dort beginnen, nicht hier. Als Einstieg in die Figur funktioniert Antonio im Wunderland deutlich schlechter als der Vorgänger. Für Hörer, die interkulturelle Komödie mit menschlichem Kern mögen und dabei keine großen Ansprüche an Plotdichte stellen, ist das eine verlässlich angenehme Begleitung.

Häufig gestellte Fragen

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin