Auf einen Blick
- Sprecher: Tanja Geke ist die Stimme von Eve Dallas. Diese Einschätzung ist nach so vielen Bänden nicht mehr diskutabel – sie trägt die Figur mit einer Selbstverständlichkeit, die man nur durch langjährige Arbeit bekommt.
- Themen: Serienmord mit psychopathischer Signatur, Helldunkel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Roarkes Rolle als Anker in Eves Chaos
- Stimmung: Dunkel und druckvoll, mit vertrauter Sicherheit durch das bewährte Ermittlungsduo
- Fazit: Ein typischer Eve-Dallas-Fall im guten Sinne – wer die Reihe liebt, wird auch diesen Band nicht weglegen.
Ich war auf einer langen Autofahrt, irgendwo auf der A9 nach München, als ich Tanz mit dem Tod einlegte. Draußen war es kurz nach Mitternacht, der Verkehr dünn, der Himmel schwarz. Ich sage das nicht zur Dramatisierung, sondern weil es die ehrlichste Antwort auf die Frage ist, warum ein solcher Krimi unter solchen Bedingungen so gut funktioniert. Eve Dallas und der nächtliche Asphalt passen zusammen.
Tanz mit dem Tod ist ein Band aus J.D. Robbs Eve-Dallas-Reihe, die sie unter ihrem Pseudonym schreibt. Die Reihe spielt in einem New York der nahen Zukunft, in dem Technologie den Alltag prägt, aber die dunkelsten menschlichen Impulse sich nicht verändert haben. Eve Dallas ist Ermittlerin, Overachiever, Traumaüberlebende und mit dem schwerreichen und rätselhaften Roarke verheiratet. Diese Kombination trägt seit Jahrzehnten eine der erfolgreichsten Crime-Serien der angloamerikanischen Literatur.
Ein Mörder mit Zeichen
Der Fall in diesem Band beginnt mit einer Leiche im Central Park: eine junge Frau, vergewaltigt, erdrosselt, und mit einer makabren Signatur des Täters: Die Augen wurden entfernt. Dieses Detail setzt den Ton für alles, was folgt. J.D. Robb schreibt solche Szenen ohne Scheu, aber auch ohne pruriente Übertreibung. Der Schock ist real, die Konsequenzen für Eve ebenfalls.
Was den Fall kompliziert: Eine Hellseherin liefert Hinweise, die Eve nicht vollständig einordnen kann. Und als die Ermittlungen tiefer führen, stößt Eve auf ein Geheimnis aus ihrer eigenen Vergangenheit, das sie so nicht erwartet hatte. Das ist typisch für die stärksten Bände dieser Reihe: Der äußere Fall und Eves persönliche Geschichte sind nicht getrennte Stränge, sondern verweben sich zu etwas, das mehr trifft als ein reiner Prozedural-Krimi es könnte.
Tanja Geke als Eve Dallas
Tanja Geke ist seit langem die deutsche Stimme von Eve Dallas, und das hört man. Sie hat eine Vertrautheit mit der Figur entwickelt, die man als Hörer sofort spürt. Wenn Eve ungeduldig wird, wenn sie mit Roarke streitet, wenn sie einen Täter verhört, klingt das bei Geke nie wie Schauspiel, sondern wie Zustand. Das ist der Unterschied zwischen einer guten und einer exzellenten Reihensprecherin.
Besonders gelungen finden sich in diesem Band die Szenen, in denen Eves harte Oberfläche kurz aufbricht. Geke dosiert diese Momente mit einem Gespür für Timing, das der Figur treu bleibt, ohne sie sentimental zu machen. Eve ist keine Frau, die weint. Aber sie ist auch keine Maschine. Geke navigiert diesen Grat sicher.
Für Neueinsteigerinnen nicht geeignet
Das sage ich bei jeder langen Serie und ich sage es hier wieder: Tanz mit dem Tod ist kein Einstiegspunkt. Die Eve-Dallas-Reihe hat Dutzende von Bänden, und die emotionalen Gewichte dieses Bandes setzen voraus, dass man Eves Vergangenheit, ihre Beziehung zu Roarke und die Dynamiken ihres Teams kennt. Wer ohne diesen Hintergrund einsteigt, versteht die Handlung, aber verpasst das emotionale Fundament.
Rezensentin Ramona Skarbon fasste es treffend zusammen: ein typischer Fall wie er für Eve Dallas gehört. Das klingt weniger enthusiastisch als es gemeint ist. Es ist ein Kompliment. Diese Reihe hat einen Tonfall, eine Verlässlichkeit, eine Qualität der Ausführung, die man von Band zu Band erwartet und die hier geliefert wird.
Die Frage nach der Suchtgefahr
Eine der Kurzbewertungen in den Rezensionen lautet schlicht: Suchtgefahr. Das ist präzise. Die Eve-Dallas-Reihe ist das, was man früher eine Guilty Pleasure nannte, aber dieses Label verdient sie nicht. Es ist gut gemachte Genre-Literatur mit ernsthafter Figurentiefe. Wer anfängt, hört weiter. Wer diesen Band kennt, wird schon beim nächsten sein.
Tanz mit dem Tod ist ausschließlich bei Audible verfügbar und als ungekürzte Fassung produziert. Die dreizehn Stunden und sechsundvierzig Minuten fühlen sich in dieser Reihe nicht überlang an. Das Genre trägt das Format, Geke trägt die Stunden.