Himmelsfluss
Hörbuch & E-Book

Himmelsfluss, by Dennis E. Taylor

Von Dennis E. Taylor

Gesprochen von Simon Jäger

★★★★★ 4.6/5 (546 Bewertungen)
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Über dieses Hörbuch

Hundert Jahre ist es jetzt her, dass Bender sich auf den Weg zu den Sternen gemacht hat. Seither haben Bob und die Klone nichts mehr von ihm gehört. Bob ist fest entschlossen, eine Expedition in den Deep Space zu organisieren, um herauszufinden, was mit Bender geschehen ist, doch er hat ein gewaltiges Problem: Inzwischen sind seine Klone in der 24. Generation. Manche von ihnen haben sich so verändert, dass sie gar nicht mehr er selbst zu sein scheinen. Sie haben ihre eigenen Pläne. Und so droht über Bobs Suchaktion ein Bürgerkrieg zwischen den Klonen auszubrechen…

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Auf einen Blick

  • Narration: Simon Jäger hat die Bobiverse-Reihe von Anfang an begleitet und klingt auch im vierten Band absolut vertraut mit den vielen Bob-Varianten — er unterscheidet die Klone stimmlich subtil, ohne ins Karikaturhafte zu gleiten.
  • Themes: Identität und Divergenz, Posthumanismus, Loyalität versus Eigenständigkeit
  • Mood: Nachdenklich und weltraumweit, mit Zug zur philosophischen Betrachtung
  • Verdict: Ein würdiger vierter Band, der die Grenzen des Bobiverse-Systems auslotet — nichts für Einsteiger, aber ein Gewinn für Fans der Reihe.

Ich habe die ersten drei Bobiverse-Bände über einen Zeitraum von ungefähr einem Jahr gehört, immer dann, wenn ich lange Zugfahrten vor mir hatte. Irgendwas an Dennys Taylors Universum ist erstaunlich gut für Kopfhörer-Momente mit Panoramafenster geeignet — vielleicht, weil die Bobs selbst immer durch unendlichen Raum treiben und die eigene Bewegung durch eine Landschaft dieses Gefühl irgendwie spiegelt. Himmelsfluss habe ich dann anders konsumiert: zuhause, abends, konzentriert. Das war die richtige Entscheidung.

Hundert Jahre nach Benders Verschwinden, 24 Generationen Klone später — das ist der Ausgangspunkt, und wer mit dieser Prämisse etwas anfangen kann, weiß sofort, was ihn erwartet. Wer die Reihe nicht kennt, sollte hier nicht beginnen. Das ist keine Kritik, sondern ein Hinweis: Himmelsfluss ist ein Band, der von allem zehrt, was vorher aufgebaut wurde.

Die Bob-Frage, auf die Spitze getrieben

Der Kern der Bobiverse-Reihe war von Anfang an philosophisch angelegt: Was bleibt von einer Identität, wenn sie kopiert, vervielfacht und über Generationen verändert wird? Taylor hat diese Frage bisher elegant in den Hintergrund gestellt — sie lief als Unterton mit, während die Handlung vorwärts trieb. In Himmelsfluss wird sie zum Vordergrund. Die 24. Generation Bobs ist manchmal kaum noch Bob: andere Prioritäten, andere Loyalitäten, andere Persönlichkeiten.

Das ist mutig. Und es erzeugt genau das, was der Klappentextankündigt: eine interne Spannung, die fast zum Bürgerkrieg führt. Die Frage, wer überhaupt das Recht hat, Entscheidungen für das kollektive Bobiverse zu treffen, ist interessanter als viele externe Konflikte der Vorgängerbände. Ein Rezensent nennt es treffend einen neuen Ansatz, der die Grenzen im System aufzeigt — und das trifft es gut.

Was fehlt und was bleibt

Ein anderer Leser schreibt, dass die Abwechslung mit mehreren parallelen Handlungssträngen aus den ersten drei Bänden hier etwas zurücktritt. Das stimmt. Himmelsfluss ist fokussierter, aber dadurch auch enger. Die früheren Bände hatten eine sprawling quality, die den Weltraum wirklich riesig wirken ließ — verschiedene Bobs auf verschiedenen Planeten, verschiedene Zivilisationen, verschiedene Probleme gleichzeitig. Hier konzentriert sich alles auf die Suche nach Bender und den Klon-Konflikt. Das ist strukturell kohärenter, aber auch etwas weniger großzügig in seiner Weltenbaukraft.

Simon Jäger trägt diesen Band mit der Sicherheit eines Sprechers, der wirklich in das Universum hineingewachsen ist. Er hat über die Reihe hinweg ein stimmliches Koordinatensystem für die verschiedenen Bob-Varianten entwickelt, das in Himmelsfluss besonders nützlich ist: Wenn man zwischen mehreren Klonen wechselt, die sich inhaltlich ähneln aber charakterlich auseinanderentwickelt haben, braucht man einen Sprecher, der diese Unterschiede hörbar macht, ohne sie zu übertreiben. Jäger schafft das.

Posthumanismus als Unterhaltung

Taylor verpackt in seine SF-Abenteuer konsequent echte philosophische Fragen. Das war in den ersten Bänden schon so, und es bleibt sein Markenzeichen. Himmelsfluss fragt: Ist jemand, der von mir abstammt, aber anders denkt als ich, noch ich? Schulde ich meinen Klonen Solidarität? Schulden meine Klone mir Gehorsam? Diese Fragen werden nicht trocken abgehandelt, sondern spielerisch in Konflikte übersetzt. Wer Science Fiction nur als Raumschiff-Action-Vehikel schätzt, könnte an einigen Stellen ungeduldig werden. Wer das Nachdenken über Identität und Kognition genießt, findet hier Stoff.

Dem vierten Band haftet das Problem aller vierten Bände an: Er muss eine Geschichte weitererzählen, die eigentlich abgeschlossen war. Dass Taylor das mit einem echten neuen Konflikt löst statt mit aufgewärmtem Plot, ist die eigentliche Leistung dieses Bandes.

Für Bobiverse-Fans, mit einer Einschränkung

Wer alle drei Vorgängerbände kennt und mag, wird Himmelsfluss gerne hören. Als Einstieg in die Reihe taugt er nicht — zu viele Charakterbeziehungen und Weltenbau-Details setzen Vorkenntnisse voraus. Und wer sich an der Länge (17 Stunden) stört: Die Dichte ist gleichmäßig, es gibt keine offensichtlichen Strecken, aber das Tempo ist eben auch kein Action-Thriller-Tempo. Das war die Reihe immer, und das ist hier nicht anders.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich Himmelsfluss lesen, ohne die ersten drei Bobiverse-Bände zu kennen?

Nicht empfehlenswert. Himmelsfluss setzt die Charakterbeziehungen, den Weltenbau und die Klon-Geschichte der Vorgängerbände voraus. Als Einstieg ist Band 1 der Reihe der richtige Startpunkt.

Ist Himmelsfluss ein abgeschlossener Roman oder endet er mit einem Cliffhanger?

Der Band hat eine eigenständige Handlung rund um die Suche nach Bender und den Klon-Konflikt, die zu einem befriedigenden Abschluss kommt. Es handelt sich nicht um einen offenen Cliffhanger.

Wie geht Simon Jäger mit den vielen verschiedenen Bob-Klonen stimmlich um?

Jäger differenziert die Klone durch subtile stimmliche Nuancen — Tempo, Tonlage, emotionale Färbung — ohne jeden Bob karikaturhaft zu übertreiben. Als jemand, der die ganze Reihe eingesprochen hat, klingt er mit dem Material absolut vertraut.

Ist der philosophische Anteil von Himmelsfluss stärker als in den Vorgängerbänden?

Ja, merklich. Die Frage nach Identität und Divergenz unter den Klonen, die in den ersten drei Bänden als Hintergrundthema lief, rückt hier ins Zentrum der Handlung. Das ist für viele Fans ein Gewinn, kann aber für reine Action-SF-Hörer etwas zäh wirken.

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin