Auf einen Blick
- Sprecher: Stefan Kaminski ist Pflichtprogramm für diese Reihe. Seine Stimmvielfalt und sein Timing machen die Figuren lebendig wie kaum jemand sonst.
- Themen: Rache der Götter, Versprechen und ihre Konsequenzen, Humor als Überlebensstrategie
- Stimmung: Rasant, witzig und mythologisch aufgeladen, mit einem ernsten Unterton
- Fazit: Band 3 der Eisernen Druiden ist ein Höhepunkt der Reihe, aber nur für Leser mit Vorkenntnissen aus Band 1 und 2.
Ich war halbwegs durch meinen Montagmorgen, Kaffee in der Hand, Kopfhörer auf, als Stefan Kaminski Thor die erste Zeile sprechen ließ und ich laut in der Küche gelacht habe. Nicht weil es besonders witzig gesagt war, sondern weil Kaminskis Thor genau das trifft, was man erwartet hatte und gleichzeitig komplett überraschend ist. So ist der dritte Band der Chronik des Eisernen Druiden.
« Gehämmert » dreht sich um eine einfache, aber konsequente Idee: Thor ist ein Ungeheuer. Nicht der sympathische Donnergott der Marvel-Verfilmungen, nicht die schwierige aber letztlich gutherzige Figur der nordischen Mythologie, sondern ein Aufschneider, ein Rüpel und, nach Darstellung von Kevin Hearne, schlicht ein Mörder mit kosmischer Immunität. Atticus O’Sullivan, der letzte Druide, hat seinem Anwalt Leif versprochen, das zu ändern. Und Atticus hält seine Versprechen, auch wenn Jesus persönlich und die Morrigan davon abraten.
Warum dieses Buch ein Serienabhängigkeit hat
Ich sage das direkt, bevor ich weitermache: « Gehämmert » ist Band 3. Wer hier einsteigt, wird wichtige Figurenentwicklungen, Beziehungen und den Humor der Welt nicht vollständig greifen. Die Geschichte setzt voraus, dass man Atticus, Oberon seinen irischen Wolfshund mit einer Persönlichkeit, und die Welt der irisch-nordisch-griechisch gemischten Mythologie bereits kennt. Ohne diese Grundlage verliert das Buch viel von dem, was es stark macht.
Wer die ersten beiden Bände kennt, kann sofort loslegen. Wer sie nicht kennt: erst Band 1 hören, dann Band 2, dann hierher.
Stefan Kaminski ist der Hauptgrund, warum man das als Hörbuch erleben sollte
Es gibt Bücher, bei denen die Druckversion und die Hörbuchversion gleichwertige Erfahrungen sind. « Gehämmert » ist kein solches Buch. Stefan Kaminski ist phänomenal. Er hat ein Repertoire an Stimmen, das für einen einzelnen Sprecher außergewöhnlich ist: Atticus klingt anders als Leif, Leif anders als die Morrigan, Thor anders als jeder andere Gott, dem man in dieser Geschichte begegnet. Und dann ist da noch Oberon, der Wolfshund, dessen innere Monologe zu den witzigsten Momenten der Reihe gehören und den Kaminski mit einer Mischung aus kindlicher Direktheit und hündischer Weisheit ausstattete, die man einfach hören muss.
Eine Rezension auf Amazon bringt es auf den Punkt: Kaminski kann seine Vielfalt an Stimmen und Variationen hier gut ausleben. Das ist Untertreibung. Er macht aus einer Geschichte, die auf dem Papier schon funktioniert, eine Erfahrung, die auf dem Papier so nicht existiert.
Hearnes Humor und sein Ernst im Gleichgewicht
Was Kevin Hearnes Eisernen Druiden von vielen anderen Urban-Fantasy-Reihen unterscheidet, ist der Ton. Das Buch ist komisch, wirklich komisch, aber nicht auf Kosten der Konsequenz. Wenn Atticus sich entscheidet, sein Versprechen zu halten und gegen Thor zu ziehen, dann ist das eine echte Entscheidung mit echten Risiken. Die Morrigan warnt ihn. Jesus warnt ihn, in einer der absurdesten und gleichzeitig warmherzigsten Szenen der Reihe. Die Koalition der Thor-Hasser, die sich für den Zug nach Walhalla zusammenfindet, ist skurril und gefährlich zugleich.
Hearne schreibt dabei mit einer Leichtigkeit, die darüber hinwegtäuscht, wie sorgfältig seine Mythologie konstruiert ist. Er mischt nordische, irische, griechische und sogar christliche Elemente, ohne dass es sich beliebig anfühlt. Die Götter haben Persönlichkeiten, Motivationen und Geschichte. Sie sind keine Dekoration.
Was bleibt und was fehlt
Was ich als kleinen Einwand festhalten möchte: Das Buch ist mit knapp elf Stunden eher kompakt für eine Geschichte dieser epischen Skala. Einige Nebenfiguren, die in früheren Bänden aufgebaut wurden, kommen hier kurz, und der finale Akt, so befriedigend er ist, fühlt sich stellenweise etwas gedrängt an. Das mindert den Genuss nicht grundlegend, aber es lässt ahnen, dass mehr in dieser Geschichte steckt, als auf diesen Stunden Platz hat.
Wer hier reinhören sollte
Wer Band 1 und 2 der Eisernen Druiden kennt: sofort. Wer Stefan Kaminski schätzt und noch nicht in diese Reihe eingestiegen ist: bei Band 1 anfangen, es ist eine gute Investition. Wer Urban Fantasy mit ernsten Göttergeschichten mag und Humor dabei nicht als Schwäche versteht: hier ist genau das richtige Buch.
Wer kein Interesse an nordischer oder keltischer Mythologie hat, oder wer lieber linear aufgebaute, seriöse Fantasy ohne Komödie hört, wird mit dieser Reihe nicht glücklich. Aber alle anderen: Atticus wartet.