Brennen muss Salem
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Brennen muss Salem, by Gesprochen von: Jürgen Kluckert

Von Gesprochen von: Jürgen Kluckert

Gesprochen von Spieldauer: 20 Std. und 36 Min.

★★★★★ 4.6/5 (486 Bewertungen)
🎧 20 Stunden und 36 Minuten 📘 Lübbe Audio 📅 5 septembre 2007 🌐 Deutsch
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Über dieses Hörbuch

Ben Mears, ein mittelmäßiger Schriftsteller, kehrt nach Jahren in seine Heimatstadt Salem’s Lot zurück. Er interessiert sich auffällig für das Marsten-Haus, das als Spukhaus gilt und seit dem rätselhaften Tod seiner Bewohner im Jahr 1939 leer steht. Von diesem Haus geht eine unheimliche Kraft aus, und bald zeigt sich, wer in Salem’s Lot sein Unwesen treibt: ein Vampir. Ben Mears wagt es mit einigen Helfern, darunter ein alter Mann, eine junge Frau und ein Kind, den Kampf gegen die Macht des Bösen aufzunehmen. Doch dieses Wagnis kostet furchtbare Opfer.

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Auf einen Blick

  • Narration: Juergen Kluckert liest Stephen Kings Kleinstadthoelle mit einer dunklen, gleichmaessigen Intensitaet, die die bedrueeckende Atmosphaere des Romans traegt, kein Effektgeschrei, sondern geduldiger Aufbau.
  • Themen: Vampirmythos in der amerikanischen Provinz, Gemeinschaft als Naehrboden des Boesen, der Preis des Ueberlebens
  • Stimmung: Langsam aufziehend, beklemmend, mit langen Momenten der Stille vor dem Schrecken
  • Fazit: Kings zweiter Roman ist kein simples Vampirbuch, sondern eine sorgfaeltig aufgebaute Studie ueber einen Ort, der sich selbst ausloescht; Kluckerts Lesung tut dem Text keinen Abbruch.

Ich hatte Brennen muss Salem schon lange auf meiner Liste. Nicht weil ich ein besonderer Vampir-Fan bin, im Gegenteil. Gerade weil das Genre so oft enttaeuscht, hatte ich es aufgeschoben. Dann sass ich an einem Donnerstagabend im Zug nach Hamburg, vier Stunden Fahrt vor mir, und entschied mich fuer die zwanzig Stunden Kluckert und King. Ich habe die ersten drei Stunden gehoert und beim Aussteigen kurz ueberlegt, ob ich nicht einfach weiterfahren sollte.

Stephen Kings zweiter Roman, 1975 veroeffentlicht, spielt in Salems Lot, einer kleinen Stadt in Maine, die King mit einer Sorgfalt einfuehrt, die einem amerikanischen Soziologen gut stehen wuerde. Bevor der erste Vampir auftaucht, lernt man die Bewohner kennen: den Lehrer, den Priester, den Alkoholiker, das Kind, die Liebenden. King ist in seinen besten Momenten kein Horrorautor im engen Sinne des Wortes, sondern ein Beobachter menschlicher Gemeinschaften, der dann das Grauen einsetzt, um zu sehen, was aus diesen Gemeinschaften wird. Salems Lot ist so ein Moment.

Was das Marsten-Haus wirklich bedeutet

Das Marsten-Haus, das seit dem raetselhaften Tod seiner Bewohner 1939 leer steht, ist nicht nur eine atmosphaerische Kulisse. Es ist der Spiegel, den King seiner Kleinstadtgesellschaft vorhaelt. Ben Mears, der mittelmassige Schriftsteller, der nach Jahren zurueckkehrt, ist fasziniert von dem Haus, noch bevor er weiss, was dort vorgeht. Diese Faszination teilt er mit dem Leser: Das Boese in Salems Lot ist nicht ausschliesslich das, was aus dem Haus kommt, sondern das, was die Bewohner der Stadt bereits in sich tragen, die Geheimnisse, die kleinen Grausamkeiten, die gegenseitige Gleichgueltigkeit.

King hat in Interviews auf die Parallelen zu Bram Stokers Dracula hingewiesen. Eine Rezension stellt fest, dass das amerikanische Pendant zu Transsilvanien fehle, und das stimmt, aber das ist kein Versaeumnis. Die Bedrohlichkeit einer vertrauten amerikanischen Kleinstadt ist eine andere Art von Schrecken als die fremde Karpaten-Landschaft. King nutzt das Bekannte, um es zu untergraben. Das ist schwerer und gelingt ihm hier aussergewoehnlich gut.

Kluckert und das Tempo des Entsetzens

Juergen Kluckert liest mit einer Stimme, die ich als dunkel und ruhig beschreiben wuerde, nicht monoton, aber kontrolliert. Er arbeitet mit dem gleichen Prinzip wie King selbst: das Grauen kuendigt sich durch Stille an, nicht durch Laerm. Die langen Einfuehrungspassagen, in denen King seine Figuren etabliert, gehen bei Kluckert nicht verloren, obwohl sie einem anderen Sprecher leicht zur Laenge werden koennten. Er haelt das Tempo geduldig, weil er offenbar verstanden hat, dass Kings Aufbau kein Fehler ist, sondern die Voraussetzung fuer alles, was folgt.

Wo Kluckert besonders ueberzeugt, sind die Momente echter Konfrontation. Nicht weil er dort lauter oder dramatischer wird, sondern weil man merkt, dass er die gesamten zwanzig Stunden auf diese Momente hingearbeitet hat. Die Spannung, die sich entladet, hat einen Nachhall.

Fuer Vampir-Skeptiker: eine Einschaetzung

Ich bin skeptisch gegenueber Vampirgeschichten und trotzdem vollstaendig absorbiert worden. Das liegt daran, dass King seinen Vampir, Barlow, den eigentlichen Antagonisten, strategisch einsetzt. Barlow ist wenig praeesent als Figur, aber seine Auswirkungen auf den Ort und seine Bewohner sind ueberall zu spueren. Er ist weniger Charakter als Katalysator. Was King eigentlich beschreibt, ist der Zerfall einer Gemeinschaft, und das passiert mit einer Logik, die nicht ohne Weiteres wegzudiskutieren ist.

Die Gruppe, die sich Bens Widerstand zusammenfindet, ein alter Mann, eine junge Frau, ein Kind, ist literarisch einer der interessanteren Aspekte des Buches. King gibt diesen Figuren genug Tiefe, dass ihre Opfer zaehlen. Das ist das eigentliche Herzstuck.

Fuer wen, fuer wen nicht

Empfehlenswert fuer Hoerer, die Kings langen Erzaehlratem kennen und schaetzen, fuer alle, die Vampirgeschichten mit Substanz suchen, und fuer Horror-Einsteiger, die mit einem zugaenglichen, erzaehlerisch sorgfaeltigen Titel beginnen wollen. Wer schnelle Plots erwartet, wird die ersten vier bis fuenf Stunden als zu langsam empfinden. Wer bereit ist, sich auf Kings Kleinstadtchronik einzulassen, wird am Ende verstehen, warum dieser Roman seit fuenfzig Jahren nicht aus den Regalen verschwindet.

Häufig gestellte Fragen

Ist das Hoerbuch auch fuer King-Einsteiger geeignet, oder sollte man vorher andere Werke von ihm kennen?

Gut geeignet als Einstieg. Kings Stil ist hier bereits vollstaendig ausgepraegt, aber das Buch setzt kein Vorwissen voraus. Wer Kings Vorliebe fuer detaillierte Figurenportraets und langsamen Spannungsaufbau noch nicht kennt, lernt beides hier.

Wie verhaelt sich Brennen muss Salem zu Stokers Dracula, lohnt der Vergleich?

King selbst hat die Parallelen benannt. Wo Stoker die fremde Karpaten-Landschaft nutzt, nutzt King die vertraute amerikanische Kleinstadt, das erzeugt eine andere Art von Bedrohlichkeit. Das Fehlen eines exotischen Settings ist eine bewusste Entscheidung, keine Schwaeche.

Klingt Kluckerts Lesung fuer eine zwanzigstuendige Hoerdauer ermuedend?

Nein. Kluckerts kontrollierte, dunkle Stimme traegt das Material gut ueber die Distanz. Er variiert nicht dramatisch, aber sein Pacing folgt dem Text so genau, dass die langen Strecken nicht flach werden.

Ist das Buch eher Horror oder eher Gesellschaftsroman?

Beides, und das ist seine Staerke. King nutzt den Vampirplot als Seziermesser fuer eine kleine amerikanische Gemeinschaft. Das Uebernatuerliche verstaerkt, was die Bewohner bereits in sich tragen. Wer nur das eine oder das andere sucht, wird ueberrascht sein, wie viel vom anderen mitschwimmt.

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin