Auf einen Blick
- Narration: David Nathan ist eine Idealbesetzung für die Riyria-Reihe — sein Vortrag trifft den lockeren, aber nie seichten Ton von Sullivans Schreibstil präzise, und er hält die Dynamik zwischen Royce und Hadrian mühelos aufrecht.
- Themes: Freundschaft und Vertrauen, klassische Fantasy-Motive mit ironischer Brechung, das Gewicht alter Geheimnisse
- Mood: Flüssig und leichtfüßig, mit zunehmend ernsteren Untertönen
- Verdict: Ein mustergültiger zweiter Band — wer den ersten mochte, findet hier mehr davon in gesteigerter Qualität, und David Nathans Narration macht das Hörerlebnis zu einem echten Vergnügen.
Ich war ungefähr auf halbem Weg durch meine Morgenpendel-Strecke, als Hadrian in Der Turm von Avempartha seine erste große Rede an die verängstigten Dorfbewohner hält. Es war einer jener Momente, in denen ich fast die Haltestelle verpasst hätte. Nicht weil die Rede spektakulär wäre — Sullivan ist kein Autor von bombastischen Momenten — sondern weil sie so beiläufig überzeugend ist. Man glaubt Hadrian. Man versteht, warum ihm die Leute folgen. Und David Nathan sorgt dafür, dass man das im Ohr hört, bevor man es im Kopf verarbeitet hat.
Der zweite Band der Riyria-Reihe von Michael J. Sullivan setzt zwei Jahre nach dem ersten Teil an. Das Diebespaar Royce und Hadrian — der eine kalt und misstrauisch, der andere warmherzig und mit einem leicht anachronistischen Moralkompass ausgestattet — wird von einer jungen Frau engagiert, um ihr abgelegenes Dorf vor nächtlichen Angriffen zu schützen. Was simpel klingt, verknüpft sich schnell mit dem alten Zauberer Esrahaddon und einem Elfenturm mit Geheimnissen, die tiefer gehen als erwartet.
Das Diebesduo als erzählerischer Motor
Was Sullivan versteht — und was nicht selbstverständlich ist — ist, dass ein gutes Duo-Gespann seine Energie aus Kontrast zieht, nicht aus Ähnlichkeit. Royce und Hadrian sind gegensätzliche Persönlichkeiten, und Sullivan lässt diesen Gegensatz für die Geschichte arbeiten, ohne ihn in jedem zweiten Kapitel explizit auszuspielen. Die Dynamik ist gesetzt, sie funktioniert, und die Handlung baut darauf auf, anstatt sie zu erläutern.
Mehrere Rezensionen heben das flüssige, leicht verständliche Schreiben hervor. Was ein Rezensent meint: Sullivan schreibt keinen überladenen Fantasy-Stil. Er ist direkt, er hat Humor, und er setzt klassische Genre-Elemente ein — den Elfenturm, das Monster, den dunklen Zauberer — ohne dabei das Gefühl zu erwecken, eine Inventarliste abzuhaken.
Was der zweite Band besser macht als der erste
Rezensentin Terry schreibt: Sullivan knüpfe wunderbar an Teil 1 an, mit einem lockeren, flüssigen Sprachstil, einer nicht immer voraussehbaren Story und weiterhin toll beschriebenen Charakteren. Eine Welt, in die man leicht eintauchen kann. Das deckt sich mit meinem Eindruck: Der Turm von Avempartha hat das Selbstvertrauen, das manche zweite Bände vermissen lassen. Sullivan muss seine Welt nicht mehr einführen — er kann sie bewohnen lassen. Und das nutzt er.
Die Handlung ist nicht radikal unvorhersehbar, aber sie hat die richtigen Momente der Überraschung. Esrahaddon bleibt als Figur rätselhaft auf eine Art, die Lust auf mehr macht, und der Ausgang deutet tatsächlich an, dass dieser Band weitreichendere Konsequenzen hat als ein typischer Episodenplot.
David Nathan und die Kunst des Zuhörens
David Nathan ist in Deutschland ein Sprecher mit hohem Wiedererkennungswert — er leiht unter anderem Johnny Depp seine Stimme und bringt eine natürliche Autorität in jedes Projekt. Bei Avempartha ist sein Ton genau richtig kalibriert: nicht zu düster für das leichtfüßige Grundgefühl der Reihe, nicht zu seicht für die ernsthafteren Passagen im zweiten Teil des Buches. Er lässt Royce schärfer klingen als Hadrian, ohne in eine karikaturhafte Zweistimmigkeit zu verfallen.
Mit gut elf Stunden ist das Hörbuch ein angenehm proportioniertes Paket. Kein episches Ausufern, kein überhastetes Ende. Sullivan erzählt, was er erzählen will, und Nathan trägt es mit einer Leichtigkeit vor, die das Eintauchen erleichtert.
Für wen die Riyria-Reihe richtig ist
Empfehlung für: Hörerinnen, die klassische Fantasy ohne langen Ballast wollen — Riyria ist bewusst zugänglich gehalten, ohne naiv zu sein. Wer Autoren wie frühe David Eddings-Bücher mochte, wird sich hier wohlfühlen. Eher nichts für: wer intensive Worldbuilding-Dichte à la Brandon Sanderson oder George R. R. Martin erwartet — Sullivan baut eine lebendige Welt, aber er verbringt keine Kapitel damit, sie zu kartieren.
Häufig gestellte Fragen
Kann man Der Turm von Avempartha ohne den ersten Riyria-Band hören?
Sullivan gestaltet jeden Band so, dass er in sich weitgehend abgeschlossen ist. Mehrere Rezensenten bestätigen das. Trotzdem empfehle ich den ersten Band, da die emotionale Bindung an Royce und Hadrian mit Vorwissen deutlich stärker ist.
Warum ist David Nathan so gut für diese Reihe geeignet?
Nathans Stärke liegt in Charakterstimmen, die klar voneinander unterscheidbar sind, ohne künstlich zu wirken. Da die Riyria-Reihe von der Spannung zwischen zwei sehr unterschiedlichen Protagonisten lebt, kommt ihm das direkt zugute.
Wie viele Bände hat die Riyria-Reihe insgesamt, und ist sie abgeschlossen?
Die ursprüngliche Riyria Chronicles-Reihe umfasst sechs Bände, die Sullivan ursprünglich selbst veröffentlichte. Es gibt auch Vorgeschichten (Riyria Revelations). Die Hauptreihe ist abgeschlossen, was Serienfans direkt beruhigen dürfte.
Ist der Humor in Der Turm von Avempartha englischsprachige Ironie, die in der deutschen Übersetzung verloren geht?
Sullivan schreibt keinen dichten Wortwitz, der an sprachliche Nuancen gebunden wäre. Der Humor kommt mehr aus Charaktersituationen und dem Aufeinanderprallen von Weltsichten — das ist gut übertragbar und funktioniert in der deutschen Fassung ohne wahrnehmbare Verluste.