Auf einen Blick
- Sprecher: Susanne Fröhlich liest ihren eigenen Roman, und das merkt man in jeder Zeile. Diese Selbstironie kann nur jemand so treffen, der sie auch wirklich gemeint hat.
- Themen: Mutterrolle, Partnerschaft, Vereinbarkeitssehnsucht, Alltagschaos
- Stimmung: Leicht, selbstironisch und angenehm ehrlich
- Fazit: Ideale Gutgute-Nacht-Lektüre für alle, die sich im alltäglichen Wahnsinn wiedererkennen wollen, ohne großes Literaturtheater.
Ich habe Familienpackung an einem Freitagabend angemacht, nachdem eine Woche hinter mir lag, die ich am liebsten ungeschehen machen wollte. Deadlines, Stau auf der A9, ein vergessener Termin und das schlechte Gewissen, das dann immer folgt. Ich wollte nichts denken. Ich wollte nichts lernen. Ich wollte jemanden hören, der ungefähr dieselbe Art von Wahnsinn kennt wie ich.
Susanne Fröhlich versteht das.
Eine Autorin, die ihr eigenes Leben verarbeitet und es uns wissen lässt
Bevor ich zum Inhalt komme, muss ich einen kurzen Hinweis zur Metadatenlage geben, der für den Kaufentscheid relevant ist: In den Datenbankeinträgen für dieses Hörbuch ist Fröhlich als Sprecherin ausgewiesen, weil sie eben beides ist. Autorin und Sprecherin in einem. Sie hat Familienpackung selbst geschrieben und spricht es selbst ein. Das ist kein Fehler, sondern ein Qualitätsmerkmal.
Andrea Schnidt, Fröhlichs Alter Ego in dieser Romanreihe, ist mittlerweile Mutter von zwei selbstbewussten Kindern, Besitzerin eines Reihenmittelhauses und, zur Beruhigung der Verwandtschaft, endlich mit dem Kindsvater Christoph verheiratet. Was sich nach Idylle anhört, ist natürlich das Gegenteil davon. Zwischen wohlmeinenden Ratschlägen von Mutter und Schwiegermutter, den Freundinnen, die sich immer noch einen Abend ganz wie früher vorstellen, und dem eigenen Wunsch nach einer einzigen Stunde nur für sich, schlägt Andrea sich mit einer Tapferkeit durch den Alltag, die jede Mutter, die je ein Reihenmittelhaus bewohnt hat, sofort wiedererkennen wird.
Der Witz sitzt, weil er wahr ist
Fröhlichs Stärke ist nicht die Konstruktion ausgefeilter Handlungsbögen. Ihr Roman lebt von den kleinen Beobachtungen, von den Sätzen, die man liest und denkt: Genau so ist das. Eine Rezensentin schreibt, ihr Mann lese ihr manchmal spontan einzelne Zeilen vor, weil sie so treffend seien. Das kenne ich aus meiner eigenen Praxis: Es gibt Bücher, bei denen man das Kopfhörerkabel rausreißt und die Stelle nochmal liest, diesmal laut, für jemanden anderen.
Familienpackung ist ein solches Buch. Nicht weil es tiefgründig wäre, sondern weil es präzise ist. Die Beobachtungen über das Leben mit zwei Kindern, einem Ehemann, der gut gemeint aber manchmal nicht da ist, und einer Verwandtschaft, die hilft und dabei manchmal mehr schadet als nützt, sind so nah an der Wirklichkeit, dass man beim Hören unwillkürlich nickt.
Was Selbstironie in der eigenen Stimme bewirkt
Fröhlich ist eine erfahrene Sprecherin. Man hört das. Sie übertreibt nie so weit, dass die Figur zur Witzfigur wird. Andrea Schnidt ist jemand, mit dem man mitleidet und lacht, nicht jemand, über den man lacht. Diese Nuance ist entscheidend, und sie funktioniert gerade deshalb so gut, weil Fröhlich als Autorin weiß, wie weit sie gehen kann. Sie lacht mit Andrea, nicht über sie.
Die 4,36 Stunden Laufzeit sind gut gewählt für dieses Format. Der Roman ist kein episches Werk und gibt das auch nicht vor. Er ist ein Wohlfühlabend in Audioform. Eine Rezensentin nennt ihn eine gute Gutenacht-Lektüre, und das ist das ehrlichste Lob, das man für diese Art Buch vergeben kann.
Wer hier zufrieden sein wird und wer nicht
Familienpackung gehört zur Andrea-Schnidt-Reihe von Susanne Fröhlich. Es gibt frühere Bände, und wer die kennt, wird in diesem Teil ein vertrautes Gesicht wiedersehen. Wer noch nie etwas von Fröhlich gehört hat, kann hier problemlos einsteigen. Andrea ist schnell eingeführt, die Welt ist klar.
Wer literarische Komplexität sucht oder eine Handlung mit echten Wendungen, ist hier falsch. Familienpackung ist kein Buch, das man auseinandernehmen will. Es ist ein Buch, das man einfach hört, während man die Küche aufräumt oder im Bett liegt und denkt, wenigstens eine Stunde für sich. Genau das, was Andrea sich die ganze Zeit wünscht.