Auf einen Blick
- Sprecher: Detlef Bierstedt verleiht dem Elfen-Epos genau die nötige epische Würde, ohne in Pathos zu verfallen.
- Themen: Elfenpolitik und Verrat, der dritte Trollkrieg, Loyalität und Identität
- Stimmung: Episch und atmosphärisch, mit dichten Schlachtszenen und höfischen Intrigen
- Fazit: Für Fans von Bernhard Hennens Elfen-Universum eine lohnende Fortsetzung, aber nur mit « Die Elfen » als Voraussetzung.
Es war ein langer Winterabend, als ich mit « Die Elfen » angefangen habe. Damals hörte ich auf dem Weg zur Arbeit, abends beim Kochen, manchmal noch eine halbe Stunde vor dem Schlafen. Bernhard Hennen hat etwas, das mich immer weiter zieht: dieses Gefühl, dass hinter jeder Szene noch mehr Welt wartet, als man gerade sieht. « Elfenwinter » hat mich mehrere Wochen begleitet, und ich bin mit einem gespaltenen Gefühl herausgekommen.
Zuerst zur wichtigsten praktischen Information: « Elfenwinter » ist nicht der direkte Nachfolger von « Die Elfen ». Wer das erwartet, wird überrascht sein. Der Roman erzählt die Geschichte von Alfadas und Orgrim weiter und zeigt die Ereignisse des dritten Trollkrieges, aber er setzt anders an als der erste Band. Wer « Die Elfen » noch nicht kennt, sollte dort beginnen, das ist keine Geschmacksfrage, sondern eine notwendige Orientierung. Ohne das erste Buch fehlt dem Elfenwinter der Resonanzboden.
Detlef Bierstedt und die Kunst, eine Welt klingen zu lassen
Bierstedt ist eine verlässliche Größe in der deutschen Hörbuchlandschaft, und er liefert auch hier ab. Seine Stimme hat eine natürliche Autorität, die epischer Fantasy gut steht, ohne in Theatralik abzurutschen. Er differenziert die Figuren klar, trägt die langen Schlachtszenen mit Energie, ohne gehetzt zu klingen, und lässt den höfischen Intrigen um Königin Emerelle genau die kühle, gefährliche Atmosphäre, die Hennen ihnen gibt. Bei fast 28 Stunden Laufzeit ist das keine Selbstverständlichkeit.
Intrigen am Hof von Emerelle
Der Roman beginnt mit dem Fest der Lichter, dem wichtigsten Ereignis in ganz Albenmark. Die Fürsten aller Elfenstämme versammeln sich, um der Königin Emerelle die Treue zu schwören. Hennen beschreibt diesen Hof mit einer Detailliebe, die ihm eigen ist: die Pracht der Oberfläche, darunter Neid, Missgunst und alte Rechnungen. Als ein Mordanschlag auf Emerelle verübt wird, flammt ein seit Jahrhunderten gewonnen geglaubter Krieg neu auf. Wie Emerelle aus dem Spiel genommen wird, ohne zu spoilern: Es ist ein Moment, der einen kurz innehalten lässt.
Der Mittelteil des Romans ist nicht immer leicht zu durchqueren. Ein Rezensent schreibt von einem « zähen Mittelteil », und das trifft es. Hennen neigt zu langen Aufbauphasen, bevor die Handlung sich entlädt. Wer das aus « Die Elfen » kennt, weiß, dass er diesen Abschnitt übersteht und danach belohnt wird. Die Schlachtszenen, die folgen, sind atmosphärisch dicht, ausweglos erscheinende Situationen kippen in letzter Sekunde, traurige Szenen tragen unerwartet etwas Hoffnungsvolles in sich. Hennen beherrscht diesen Rhythmus.
Was « Elfenwinter » leistet und was nicht
Ehrlich gesagt hat « Elfenwinter » bei mir nicht denselben Nachhall hinterlassen wie der erste Band. Ich konnte mich nach Monaten noch an einzelne Szenen aus « Die Elfen » erinnern, während « Elfenwinter » flüchtiger blieb. Ein Rezensent schreibt genau dasselbe: Die Reihe ist wunderbar, aber die Nachfolger erreichen für sie nicht ganz das Niveau des Auftakts. Das ist kein Urteil über die Qualität des Buches, sondern über den Maßstab, den Hennen selbst gesetzt hat.
Was das Buch unbestritten leistet: Es erweitert das Elfen-Universum auf stimmige Weise, führt Snaiwamark als Schauplatz ein, treibt Alfadas’ und Orgrims Geschichte mit echter Dramatik voran, und gibt der Elfen-Saga eine neue Dringlichkeit. Für Fans des Universums ist es unverzichtbar. Als Einstieg in Hennens Welt taugt es nicht.
Wer sollte zuhören, wer nicht
Alle, die « Die Elfen » gelesen oder gehört haben und mehr wollen: unbedingt. Wer Detlef Bierstedts Stimme mag und epische High Fantasy mit ausgearbeitetem Weltenbau schätzt: sehr empfehlenswert. Einsteiger in die Elfen-Saga: bitte mit Band 1 beginnen. Wer kurze, überschaubare Geschichten sucht: diese 28 Stunden sind das genaue Gegenteil davon.