Auf einen Blick
- Sprecher: Christoph Maria Herbst ist in Höchstform, insbesondere bei den tierischen Nebenfiguren, deren Eigenarten er mit Präzision und Spielfreude herausarbeitet.
- Themen: Pferderennen-Intrige, Freundschaft zwischen Mensch und Tier, Berliner Lokalkolorit
- Stimmung: Beschwingt, witzig und krimiraffig leicht
- Fazit: Einer der stärksten Bände der Serie, der auch als Einstieg funktioniert, sofern man die Vorgeschichte von Ray und Phil nicht braucht.
Ich hatte Dumm gelaufen auf meiner Liste für eine Zugreise von München nach Berlin. Fünf Stunden und eine Minute, hat mein Audible mir angezeigt. Perfekte Passung. Ich habe das Hörbuch angemacht, als der Zug Pasing verlassen hatte, und ich war so tief in der Geschichte drin, dass ich den Hauptbahnhof fast verpasst hätte.
Das ist das Beste, was man über ein Hörbuch sagen kann. Es lässt die Welt um einen herum verschwinden.
Ein Krimi, der mit Pferden anfängt und beim Erdmännchen-Clan endet
Die Prämisse von Dumm gelaufen ist auf dem Papier absurd. Erdmännchen-Detektiv Ray und sein menschlicher Partner Phil ermitteln in einem Unfall auf der Rennbahn Hoppegarten bei Berlin. Das Rennpferd Stardust ist beim Eröffnungsrennen der Saison gestürzt und musste danach eingeschläfert werden. Eine ältere Rassestute namens Angel Eyes ist überzeugt, dass der Tod ihres Geliebten kein Unfall war, und beauftragt Ray mit der Untersuchung.
Klingt nach Karikatur. Ist es auch, aber nach einer sehr klug konstruierten. Moritz Matthies versteht etwas, das viele Autoren von Tierhumor nicht verstehen: Die Tiere müssen eine eigene innere Logik haben. Sie dürfen nicht einfach Menschen in Tierkostümen sein. Ray denkt wie ein Erdmännchen. Die Flamingos denken wie Flamingos. Das macht die Witze stabiler und die Figuren überraschender.
Christoph Maria Herbst und die Kunst, viele Stimmen zu sein
Band drei ist für mich persönlich der Beleg dafür, warum Christoph Maria Herbst und diese Bücher eine solche Einheit bilden. Eine Rezension fasst es so zusammen: Das bringt kein anderer als Christoph Maria Herbst. Ich stimme zu.
Besonders die Flamingos und die Nashörner werden in den Rezensionen immer wieder als Höhepunkte genannt. Das deckt sich mit meiner Erfahrung. Herbst gibt diesen Figuren eine Eigenart, die weit über das hinausgeht, was auf dem Papier steht. Die Flamingos klingen exakt so, wie Flamingos klingen würden, wenn sie sprechen könnten und dabei sehr von sich überzeugt wären. Das ist eine schauspielerische Leistung, keine reine Vorlesearbeit.
Frühling im Zoo und Berliner Luft
Matthies ist ein Berliner Autor, und das merkt man. Die Rennbahn Hoppegarten existiert wirklich. Der Berliner Zoo ist kein generischer Zoo. Das Freigehege, in das die Erdmännchen im Frühjahr umziehen, hat bei Matthies eine Textur, die sich echt anfühlt. Für Hörerinnen und Hörer, die Berlin kennen, hat die Serie einen zusätzlichen Reiz. Für alle anderen ist die Berlin-Atmosphäre einfach ein gut gezeichneter Hintergrund.
Dumm gelaufen ist in dieser Hinsicht besonders stark, weil der Fall Ray und Phil aus dem Zoo heraus auf die Rennbahn führt. Der Schauplatzwechsel tut dem Buch gut. Es fühlt sich frischer an als Bände, die ausschließlich im Zoo spielen.
Als Einzelband oder als Serieneinstieg
Dumm gelaufen ist Band drei. Wer die Reihe von vorne beginnen will, fängt mit Ausgefressen an. Das empfehle ich immer noch. Aber Band drei funktioniert besser als viele andere Mittelbände einer Serie, weil Matthies die wichtigsten Charaktereigenschaften von Ray und Phil kurz genug einführt, dass man auch ohne Vorkenntnisse zurechtkommt. Man verliert nichts Wesentliches, wenn man hier einsteigt, man gewinnt aber einiges an emotionaler Tiefe dazu, wenn man Band eins und zwei kennt.
Wer die Reihe bereits kennt und noch zögert, ob Dumm gelaufen den Kauf wert ist: Ja, eindeutig. Es ist einer der stärksten Bände der Serie, sowohl was die Krimikonstruktion als auch was die Lesung betrifft. Fünf Stunden und eine Minute vergehen sehr schnell.