Auf einen Blick
- Sprecher: Richard Coyle bringt britisches Timing und jugendliche Energie mit, was gut zum Tempo dieser Schurkenakademie-Geschichte passt.
- Themen: Loyalität unter Schülern, Machtmissbrauch an der Spitze, Überleben durch Zusammenhalt
- Stimmung: Rasant und mit dunklem Humor unterlegt, klassisches Jugend-Abenteuer mit Biss
- Fazit: Wer H.I.V.E. kennt und Band 4 sucht, findet hier eine starke Fortsetzung. Neueinsteiger sollten bei Band 1 beginnen.
Hinweis vorab, weil er wichtig ist: « Dreadnought » ist auf Englisch. Die Audiobook-Ausgabe ist englischsprachig, und wer nur deutschsprachige Hörbücher sucht, ist hier nicht richtig. Für alle anderen, die mit einer englischen Produktion einverstanden sind, geht es weiter.
Ich bin durch einen Umweg zu H.I.V.E. gekommen. Ein Kollege hatte mir die Reihe empfohlen mit dem Satz: Artemis Fowl, aber dunkler. Das trifft es nicht ganz, aber es trifft es genug. H.I.V.E. steht für Higher Institute of Villainous Education, eine Schule für zukünftige Superschurken, und « Dreadnought » ist der vierte Band dieser Reihe. Ich habe die vorherigen Bände vorher gehört, was ich jedem empfehle. Wer direkt hier einsteigt, wird verloren sein.
Wenn die Schule zum Kriegsschauplatz wird
Die Prämisse von « Dreadnought » ist, dass die mächtigsten Schurken der Welt ein Problem haben: einer von ihnen strebt nach einer Weltherrschaft, die auch für die anderen zum Problem wird. Gleichzeitig sollen Otto, Wing und die anderen Schüler an einer arktischen Trainingsübung teilnehmen, der sogenannten Dreiundneunzigprozenter, benannt nach dem Anteil der Schüler, die sie überleben. Was ein Training sein soll, wird sehr schnell zu etwas ganz anderem.
Mark Walden, der eigentliche Autor hinter diesem Band, schreibt mit einem Tempo, das keine Pausen kennt. Kapitel enden selten beruhigend, Figuren geraten selten aus Situationen, ohne sofort in die nächste zu fallen. Das ist kein subtiles Buch, aber es will das auch nicht sein. Es will Spaß machen, und das tut es.
Was mir an diesem Band besonders aufgefallen ist: Die Figuren haben sich seit Band eins merklich entwickelt. Otto ist nicht mehr der clevere Außenseiter, der seinen Platz sucht. Er ist jemand, der Entscheidungen trifft und ihre Konsequenzen trägt. Wing hat eine eigene Geschichte bekommen, die in diesem Band zentraler wird als in den Vorgängern. Das gibt der Handlung emotionales Gewicht jenseits der reinen Actionmechanik.
Richard Coyle als Erzählstimme
Richard Coyle ist kein Name, den man im deutschen Hörbuchmarkt sofort kennt, aber er ist als Schauspieler aus britischen Produktionen vertraut, und diese Erfahrung hört man. Er bringt die richtige Mischung aus ironischer Distanz und echter Spannung mit. Gerade in den Szenen, in denen die Situation absurd eskaliert, trifft er einen Ton, der den Humor der Bücher bewahrt, ohne die Gefahr zu verharmlosen. Das ist eine Balance, die schwerer zu halten ist, als sie klingt.
Bei knapp sieben Stunden Laufzeit ist das ein Hörbuch, das man an einem langen Nachmittag oder über zwei Abende hören kann. Das Tempo der Erzählung und Coyles Vortrag passen gut zusammen: Man wird nicht aufgehalten, man wird nicht überfordert.
Grenzen und Stärken dieser Reihe
Eine Rezension auf Amazon spricht davon, dass das Buch mehr Fragen aufwirft als es beantwortet, und das trifft zu. Band vier einer laufenden Reihe ist kein Endpunkt, sondern ein Zwischenstation mit eigenem Spannungsbogen. Das Ende ist befriedigend genug, hinterlässt aber einen Ausruf, der den Wunsch nach dem nächsten Band sofort erzeugt. Wer Reihen erst komplett hören möchte, bevor er beginnt, sollte prüfen, wie weit die deutsche Ausgabe verfügbar ist. Die englische Originalreihe ist vollständig abgeschlossen.
Ein Hinweis für Reihen-Einsteiger: H.I.V.E. wird manchmal mit Eoin Colfers Artemis Fowl verglichen, weil beide Schurken-Protagonisten in außergewöhnlichen Settings bewegen. Wer Fowl mochte, hat gute Chancen, mit H.I.V.E. ebenfalls warm zu werden, aber die Tonalität ist etwas düsterer und die Handlung action-orientierter.
Wer hier reinhören sollte
Wer die ersten drei H.I.V.E.-Bände kennt und auf Band vier gewartet hat: sofort loslegen. Wer ins Englische kann und Jugend-Abenteuer mit Schurken-Prämisse mag: bei Band eins anfangen, dann hierher. Wer nur Deutsche Hörbücher hört: hier ist der falsche Ort. Wer Artemis Fowl geliebt hat und etwas Ähnliches sucht: es ist einen Versuch wert, aber bitte von Anfang an.