Auf einen Blick
- Sprecher: Alexander Kötting trägt den rasanten LitRPG-Stil mit Energie und wechselt zwischen Charakterstimmen klar und verlässlich.
- Themen: LitRPG-Göttersystem, Familie und Opferbereitschaft, Held wider Willen
- Stimmung: Dynamisch, flott erzählt, mit Witz und Herz
- Fazit: Ein zugänglicher, unterhaltsamer Einstieg ins deutsche LitRPG, der besonders für Serieneinsteiger funktioniert.
Manchmal fängt eine Serie mit einem Band an, bei dem man spürt, dass der Autor noch findet, was er erzählen will. Das kann ein Problem sein. Bei Stefan Cordes ist es eher ein Versprechen. Der verfluchte Priester, der erste Band der Götterdämmerung-Reihe, hat mich an einem langen Abend erwischt, an dem ich eigentlich nur kurz reinhören wollte. Zwei Stunden später hatte ich immer noch keine Pause eingelegt.
Das Setting: Menschen verschwinden plötzlich von der Erde, hinterlassen nur ihre Kleidung und ratlose Angehörige. Steffen, unser Protagonist, wird genau in diesem Moment aus dem Leben gerissen, als er gerade bei der Einschulung seiner Tochter Lisa steht. Dieses Detail hat mich sofort gepackt. Nicht der große Weltuntergang, sondern der ganz persönliche, bittere Moment des Verpassens trifft den Kern von Steffens Geschichte. Alles, was danach kommt, dreht sich im Grunde darum, zu seiner Tochter zurückzufinden.
LitRPG ohne Vorkenntnisse
Das Genre LitRPG, also Literatur, die Computerspielmechaniken wie Quests, Statuswerte und Level-Aufstiege in eine Fantasy-Welt einbettet, ist für viele deutschsprachige Hörer noch relativ neu. Cordes hat das offenbar gewusst und seinen ersten Band entsprechend angelegt. Die Regeln des Göttersystems werden erklärt, ohne dass man das Gefühl hat, einem Tutorial zuzuhören. Die Quests haben emotionale Konsequenzen, nicht nur spielmechanische. Wer bisher nichts mit LitRPG anfangen konnte, hat hier eine faire Chance, das Genre kennenzulernen.
Die Rezensenten auf der Plattform bestätigen das. Einer schreibt: Es macht Spaß, es überfordert selbst LitRPG-Anfänger nicht zu sehr und lässt sich sehr angenehm flüssig lesen. Das trifft es. Cordes hält die Komplexität bewusst auf einem zugänglichen Niveau, was manchmal auf Kosten der Tiefe geht, aber für einen ersten Band der richtige Ansatz ist.
Die Stärken und die ehrliche Einschränkung
Die eigentliche Stärke des Buches ist Steffen selbst. Er ist kein auserwählter Held, der von Anfang an alles kann. Er zweifelt, trifft schlechte Entscheidungen und muss Konsequenzen tragen. Das macht ihn sympathisch, auch wenn seine Entscheidungen gelegentlich frustrierend wirken. Ein Rezensent schreibt: Auch wenn man nicht immer seine Entscheidungen versteht, fiebert man mit. Genau dieses Mitfiebern ist das Zeichen einer funktionierenden Protagonisten-Konstruktion.
Was weniger gut funktioniert: Die Grundlogik, warum die Erde überhaupt in diese Götterdämmerung hineingezogen wird, ist etwas konstruiert. Einer der kritischeren Rezensenten nennt sie verwirrend und etwas unlogisch, und ich kann das nachvollziehen. Man muss bereit sein, das als gegeben hinzunehmen, um die Geschichte genießen zu können. Wer jedes Weltenbau-Detail hinterfragt, wird an dieser Stelle hängen bleiben.
Alexander Kötting als Motor der Erzählung
Alexander Kötting gibt dem Hörbuch sein Tempo. Er liest Steffen mit einer Alltagsstimme, die keine künstliche Heldenpose annimmt, und das passt sehr gut. Wenn die Action anzieht, zieht auch sein Vortrag an. Die zehn Stunden Laufzeit wirken nie zäh, was bei einem Debütroman dieser Machart keine Selbstverständlichkeit ist. Kötting unterscheidet die Charakterstimmen deutlich genug, dass man in Dialogszenen nie den Faden verliert, ohne in übertriebene Voiceover-Parodien zu verfallen.
Mehrere Rezensenten berichten, direkt nach dem ersten Band zum zweiten gegriffen zu haben. Das ist die ehrlichste Empfehlung, die ein Serienauftakt bekommen kann. Einer schreibt sogar, er habe sich gleich die vierbändige Gesamtausgabe gekauft. Das spricht für eine Serie, die einen Sog entwickelt, auch wenn der erste Band noch nicht vollständig ausgereift ist.
Für wen lohnt sich dieses Hörbuch?
Für LitRPG-Neulinge, die das Genre ohne Überforderung kennenlernen wollen, ist Der verfluchte Priester ein guter Einstieg. Auch für Fantasy-Hörer, die Spaß an emotionalen Vatersgeschichten mit Spielmechanik-Einschlag haben, funktioniert dieses Hörbuch sehr gut.
Weniger geeignet ist es für Hörer, die komplexe, konsistente Weltenbau-Systeme suchen, oder für jene, die von der ersten Seite an ein vollständig ausgereiftes Universum erwarten. Der erste Band ist ein Versprechen, kein fertiges Meisterwerk. Aber das Versprechen ist eines, dem man gerne folgt.