Der Schrecksenmeister
Hörbuch & E-Book

Der Schrecksenmeister, by Walter Moers

Von Walter Moers

Gesprochen von Andreas Fröhlich

★★★★★ 4.7/5 (746 Bewertungen)
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Über dieses Hörbuch

Walter Moers’ Bestseller: Wie das mutige Krätzchen Echo sein eigenes Fell rettet.

Seltame Bakterien, Hirnhusten und Nierenverzagen, Magenmumps und Darmschnupfen halten die Stadt Sledwaya fest im Griff. Sie zwingen Echo, das Krätzchen, zu einem verzweifelten Schritt: Um nicht zu verhungern, verkauft es sein Leben an den Schrecksenmeister Eißpin. Echo denkt sich manchen Trick aus, um sein Fett und Fell vor dem Kochtopf Eißpins zu retten. Ein faustischer Pakt und alchemistische Künste stehen im Mittelpunkt dieses Märchens aus Zamonien, mit dem sich Walter Moers einmal mehr als tollkühner Surfer auf den Meeren der Weltliteratur erweist…

Produktion: Hessischer Rundfunk 2008

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Andreas Fröhlich ist die einzig denkbare Stimme für Zamonien — seine Lesung dieser HR-Produktion aus dem Jahr 2008 ist ein Referenzpunkt für das Genre.
  • Themen: faustischer Pakt, alchemistische Künste, List und Überleben
  • Stimmung: Schräg-märchenhaft und dunkel-verspielt, mit einem Unterton echter Bedrohung
  • Fazit: Wer die Zamonien-Romane liebt, wird auch hier nicht enttäuscht — wer noch keinen kennt, sollte mit Kap. 1 beginnen und nicht aufhören.

Es war ein Sonntagabend Ende Oktober, als ich mich mit dem Schrecksenmeister in den Sessel sinken ließ. Draußen regnete es, drinnen hatte ich Tee und Andreas Fröhlich — und ehrlich gesagt brauchte ich nichts weiter. Ich kenne die Zamonien-Romane seit Jahren, habe Hildegunst von Mythenmetz durch die Stadt der Träumenden Bücher begleitet und Rumo durch seine blutigsten Stunden. Aber Echo, das Krätzchen, hatte ich noch nicht gehört. Ein Fehler, wie sich herausstellte.

Walter Moers ist ein Autor, den man nicht zusammenfassen kann, ohne dabei fast alles Wesentliche zu verlieren. Er surft, wie der Klappentext selbst es nennt, auf den Meeren der Weltliteratur — und beim Schrecksenmeister hat er sich Goethes Faust als Wellenrevier ausgesucht. Das ist nicht bescheiden. Aber Moers ist auch nicht bescheiden. Er ist präzise, absurd, warmherzig und gnadenlos komisch, oft alles auf einmal.

Ein faustischer Pakt im Kochtopf-Format

Echo ist abgemagert, heimatlos, gezeichnet von den Seuchen, die Sledwaya fest im Griff haben — Hirnhusten, Magenmumps, Darmschnupfen, die ganze Palette der zamonischen Geißeln. Aus purer Not verkauft das Krätzchen sein Leben an den Schrecksenmeister Eißpin: einen Monat lang königlich essen, dafür am Monatsende in den Kochtopf wandern. Das ist Faust, ja. Aber es ist Faust durch den Moers-Filter, und dieser Filter macht aus einem Bühnenstück ein Abenteuer, das man kaum weglegen kann — oder im Hörbuch-Fall: kaum pausieren möchte.

Was mich immer wieder an Moers fasziniert, ist diese Doppelstruktur: Auf der Oberfläche ein Märchen für kluge Köpfe, darunter eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit Schuld, Vertrauen und dem Preis des Überlebens. Echo ist kein Held im klassischen Sinne. Er ist schlau, opportunistisch und manchmal herzzerreißend verletzlich. Und Eißpin — nun, Eißpin ist komplizierter als er aussieht. Das war schon bei Goethe so, und Moers lässt diese Ambiguität klug stehen.

Andreas Fröhlich und die Kunst der Verwandlung

Man kann die Zamonien-Romane natürlich lesen. Aber hören, mit Andreas Fröhlich, ist eine andere Erfahrung. Diese Hessischer-Rundfunk-Produktion aus dem Jahr 2008 klingt noch heute makellos — kein Zufall, denn Fröhlich ist der Stimme dieser Welt auf eine Art verbunden, die schwer zu erklären ist. Er findet für jede zamonische Skurrilität den richtigen Ton: weder zu albern noch zu ernst, immer mit diesem leicht melancholischen Unterton, der Moers’ Prosa so unverwechselbar macht.

Bei Echo geht Fröhlich noch einen Schritt weiter. Das Krätzchen ist ein kleines, schwaches Wesen in einer großen, gefährlichen Welt — und Fröhlich lässt dieses Missverhältnis spürbar werden, ohne die Figur je ins Rührselige zu kippen. Wenn Echo einen seiner Tricks ausheckt, hört man förmlich, wie hinter der Stimme die Räder drehen. Das ist Können.

Der Vergleich, den man nicht vermeiden kann

Die Rezensionen verweisen fast alle auf denselben Punkt: Wer alle Zamonien-Romane kennt, misst den Schrecksenmeister an einem strengen Maßstab. Die Dreizehneinhalb Leben des Käpt’n Blaublär gelten als der Olymp, die Stadt der Träumenden Bücher als der Gipfel der Buchkultur innerhalb des Genres. Der Schrecksenmeister ist schlanker, kompakter, weniger episch. Das empfinden manche als Schwäche, ich sehe es als bewusste Entscheidung: Moers hat hier nicht eine weitere Abenteueroper geschrieben, sondern eine Kammerspiel-Variation — dunkler, konzentrierter, mit weniger Figuren und mehr Tiefe pro Figur.

Wer den Schrecksenmeister als erstes Buch der Reihe liest, beziehungsweise hört, bekommt wahrscheinlich fünf unbestrittene Sterne. Wer ihn nach Rumo hört, braucht vielleicht eine Runde Anpassungszeit. In jedem Fall lohnt er sich.

Wer sollte zuhören — und wer lieber nicht

Wer Zamonien kennt und liebt: sofort. Wer Moers noch nie gehört hat: auch sofort, der Schrecksenmeister ist tatsächlich ein guter Einstiegspunkt, weil er in sich geschlossen ist. Wer ausschließlich plotgetriebene Fantasy sucht, in der ständig etwas explodiert: hier ist eher Geduld und Neugier gefragt als Tempo. Die 14 Stunden und 41 Minuten vergehen trotzdem schneller als gedacht — das ist das Verdienst von Moers und Fröhlich gleichermaßen.

Häufig gestellte Fragen

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin