Auf einen Blick
- Sprecher: Tanja Geke ist die fest etablierte Stimme der Eve-Dallas-Reihe und trägt diese Folge mit gewohnter Sicherheit und Präzision.
- Themen: Serienmord und Medieninszenierung, Gerechtigkeit und Obsession, Beziehungsdynamik Dallas und Roarke
- Stimmung: Angespannt und rasant, mit typischen Momenten emotionaler Tiefe
- Fazit: Eine gut konstruierte Folge der Eve-Dallas-Reihe, die Fans der Serie zuverlässig das liefert, was sie erwarten, und das auf hohem Niveau.
Es war ein Dienstagabend nach einer langen Arbeitswoche, ich hatte den Laptop zugeklappt und wollte etwas, das mich sofort irgendwo anders hintransportiert, ohne dass ich dafür etwas leisten muss. Der Hauch des Bösen war genau das. Ich kannte die Eve-Dallas-Reihe von J. D. Robb bereits, hatte aber einige Bände ausgelassen und war gespannt, ob der Einstieg trotzdem funktioniert. Die Antwort ist: ja, mit kleinen Abstrichen.
J. D. Robb ist das Pseudonym von Nora Roberts, einer der produktivsten und meistgelesenen Romanautorinnen der Welt. Die Eve-Dallas-Reihe, die in einem futuristischen New York des Jahres 2059 spielt, umfasst weit über vierzig Bände. Der Hauch des Bösen ist eine dieser mittleren Folgen, die im Gesamtbogen der Serie sowohl eigenständige Kriminalfälle als auch die fortlaufende Entwicklung der Figuren und ihrer Beziehungen vorantreiben.
Ein Killer mit einer Botschaft, ein Sommer mit Sommerset
Der Fall in diesem Band verbindet eine Mediengefälligkeit des Täters mit einem fotografischen Motiv, das mich von Anfang an neugierig gemacht hat: Modelfotos einer toten Frau, die nach dem Tod aufgenommen wurden, werden einer Journalistin zugespielt. Der Killer inszeniert seine Opfer, er hat eine Mission, die er vollendet sehen will. Diese Verbindung von ästhetischer Obsession und Mord hat etwas von einem noir-Thriller, und Robb entwickelt die Logik des Täters mit der für sie typischen Ökonomie. Man versteht ihn nicht, man soll ihn nicht verstehen, aber man begreift, wie er funktioniert.
Parallel dazu gibt es eine der warmherzigsten Nebenhandlungen, die ich in dieser Reihe gelesen habe: Der Butler Summerset, Eves notorischer Widersacher im Haushalt, stürzt und bricht sich den Fuß. Eve, die sich auf seine Abwesenheit gefreut hatte, muss ihn nun pflegen. Was wie eine Bürde beginnt, führt zu einem der für Robb so typischen Momente, in denen Figuren, die sich eigentlich ablehnen, ein wenig näherkommen, ohne ihre Grundkonstellation zu verraten. Das ist handwerklich sehr geschickt gemacht und hat mich überrascht, wie viel Raum Robb diesem Subplot gibt.
Tanja Geke und die Kontinuität einer langen Serie
Tanja Geke ist seit Jahren die deutsche Stimme von Eve Dallas, und das hört man. Sie hat diese Figur wirklich internalisiert: die knappe, oft ungehaltene Art, in der Eve Gespräche führt; die kurzen Momente, in denen Roarkes Ironie an Eve abprallt; die Stellen, an denen etwas Verletzliches durchkommt. Geke verwaltet diese Nuancen ohne Aufwand, weil sie die Figur kennt. Das ist ein Vorzug langer Serienarbeit, den man selten so deutlich spürt.
Bei 14 Stunden und 22 Minuten Laufzeit ist das kein kurzes Hörbuch. Die Zeit vergeht aber schneller als die Zahl vermuten lässt, weil Robb einen sicheren Rhythmus zwischen Ermittlung, Figurenarbeit und Szenen mit Roarke gefunden hat, den Geke verlässlich trägt. Eine Rezensentin merkte an, dass die wiederholten Beschreibungen von Roarkes Schönheit sie gelegentlich ermüden. Ich verstehe diesen Einwand; er ist nicht unberechtig. Wer bereits mehrere Bände kennt, kennt das Phänomen.
Audible-Exklusiv und was das für neue Hörerinnen bedeutet
Die ungekürzte Hörbuch-Fassung dieses Bandes ist ausschließlich bei Audible erhältlich. Das bedeutet, wer die Reihe über andere Plattformen verfolgt hat, muss für diesen Band zu Audible wechseln oder auf die Printausgabe zurückgreifen. Für jemanden, der die Reihe neu beginnen möchte, empfehle ich, beim ersten Band zu starten. Der Hauch des Bösen funktioniert zwar eigenständig als Kriminalfall, aber die emotionale Tiefe, die Roarke und Summerset als Figuren mitbringen, entfaltet sich erst richtig, wenn man ihre Vorgeschichte kennt.
Für wen diese Folge geeignet ist
Dieser Band ist für Leserinnen und Leser, die die Eve-Dallas-Reihe kennen und lieben, und die zuverlässig und gut gemacht wollen, was Robb stets liefert: einen dichten Kriminalfall, Figurentiefe, und den besonderen Ton dieser futuristischen New-York-Welt. Wer die Reihe noch nicht kennt, sollte woanders einsteigen, nicht weil dieser Band schlecht ist, sondern weil er besser klingt mit dem Vorwissen im Gepäck.