Auf einen Blick
- Sprecher: Günter Merlau liefert einen souveränen Vortrag, der die düstere Atmosphäre der dunklen Tage gut trifft — für eine Kurzgeschichte dieser Länge eine solide Leistung.
- Themen: Nekromantie, ungleiche Begegnung zwischen Unwissenheit und dunkler Macht, Prolog zu einer epischen Fantasyreihe
- Stimmung: Dunkel und atmosphärisch, mit dem Hauch einer größeren Welt
- Fazit: Ein Bonusstück für « Der Dreizehnte Paladin »-Fans — Einsteiger ohne Reihenkenntnisse werden hier wenig finden.
Bevor ich irgendetwas anderes sage: « Das Herz eines Zwerges » dauert siebenundvierzig Minuten. Das ist keine Stunde, das ist eine kurze U-Bahn-Fahrt oder der Weg zur Arbeit und zurück. Wer ein Hörbuch kauft, ohne diese Information zu kennen, und danach überrascht ist, dem hat niemand einen Gefallen getan. Also sei es hier deutlich gesagt: Es handelt sich um eine Kurzgeschichte, nicht um einen Roman.
Jetzt, da wir das geklärt haben: Für die richtige Zielgruppe ist diese Kurzgeschichte von Torsten Weitze etwas sehr Schönes. Ich habe sie an einem Nachmittag gehört, als ich zwischen zwei längeren Hörbüchern eine Pause brauchte und genau das wollte, was diese Geschichte bietet: einen Blick in eine Welt, die ich bereits kenne und mag, aus einem Winkel, den ich noch nicht gesehen hatte.
Was diese Geschichte ist und für wen sie gedacht ist
« Das Herz eines Zwerges » spielt circa 1.700 Jahre vor den Ereignissen der Hauptreihe « Der Dreizehnte Paladin » von Torsten Weitze. Es ist ein Prequel, eine Kurzgeschichte aus der Zeit der sogenannten dunklen Tage. Auf der einen Seite steht der unbedarfte Zwergenhändler Kur, auf der anderen der Nekromantennovize Melkom, dem sein düsterer Meister einen eindeutigen Befehl erteilt hat: Er soll das Herz eines Zwerges beschaffen.
Das klingt einfach, und in gewissem Sinne ist es das auch. Aber Weitze nutzt diese knappe Prämisse, um etwas über die Welt zu sagen, das für Fans der Hauptreihe eine eigene Resonanz hat. Die dunklen Tage sind im Kontext der Paladin-Saga ein historischer Hintergrund, der in der Haupthandlung immer nur andeutungsweise aufscheint. Hier bekommt man einen direkten Blick darauf — und das ist für jemanden, der die Reihe liebt, ein echter Gewinn.
Günter Merlau und die Herausforderung der kurzen Form
Bei einer Laufzeit von siebenundvierzig Minuten hat ein Sprecher wenig Zeit, eine Atmosphäre aufzubauen und gleichzeitig Figuren zu unterscheiden. Günter Merlau schafft das gut. Er trifft den düsteren Tonfall der Geschichte ohne zu übertreiben, und die Unterscheidung zwischen dem eher tapsigen Zwergenhändler Kur und dem sinistren Nekromantennovizen Melkom kommt durch, ohne dass der Kontrast cartoonhaft wird.
Das ist handwerklich solide, und für eine Kurzgeschichte, die in erster Linie als Ergänzung zu einer bestehenden Reihe gedacht ist, reicht es vollständig. Merlau setzt keine eigene Note, die über den Text hinausgeht — aber das wäre bei diesem Format auch fehl am Platz.
Die ehrliche Einschränkung: nur für Fans
Eine Rezension bringt es auf den Punkt: « Für Einsteiger nicht geeignet, da Hintergründe und Figuren dem Leser bekannt sein sollten, um Spaß daran zu haben. » Ich würde das noch etwas verstärken: Ohne Kenntnis der « Der Dreizehnte Paladin »-Reihe fehlt schlicht der Rahmen, in den diese Geschichte hineingehört. Man versteht, was passiert. Man versteht aber nicht, warum es bedeutsam ist.
Das ist keine Kritik an Weitze — Kurzgeschichten und Prequels in laufenden Reihen sind für Fans gemacht, nicht für Neulinge. Aber es ist eine Information, die man vorab haben sollte. Wer « Der Dreizehnte Paladin » nicht kennt, sollte dort beginnen, nicht hier. Die Hauptreihe ist der richtige Einstieg in diese Welt.
Für Fans: ein echter Leckerbissen
Für alle, die die Hauptreihe kennen und lieben, ist « Das Herz eines Zwerges » tatsächlich das, was eine gute Kurzgeschichte in einem Serienkontext sein sollte: ein Türöffner in einen Winkel der Welt, den man bisher nur von außen gesehen hat. Der Blick aus der Perspektive des Nekromantennovizen — aus Sicht der Antagonisten also — ist dabei besonders interessant, weil er in der Hauptreihe nach Aussage mehrerer Rezensierenden kaum vorkommt und erst sehr spät und selten auftaucht.
Mehrere Rezensionen wünschen sich nach dieser Geschichte mehr Kurzgeschichten in diesem Setting — längere, mit mehr Raum für Entwicklung. Das ist das beste Lob, das eine 47-Minuten-Geschichte bekommen kann: dass man danach mehr will. Ich teile diesen Wunsch. Weitze zeigt hier, dass er auch in der kurzen Form genug Atmosphäre aufbauen kann, um eine Welt zu evozieren, die man nicht verlassen möchte.
Wer dieses Hörbuch hören sollte
Fans der « Der Dreizehnte Paladin »-Reihe, die mehr von dieser Welt wollen und bereit sind, für knappe fünfzig Minuten in die dunklen Tage einzutauchen: vollständige Empfehlung. Alle anderen sollten zuerst bei Band eins der Hauptreihe beginnen — und dann hierher zurückkehren, wenn die Welt von Torsten Weitze sie gepackt hat.