Auf einen Blick
- Sprecher: Tanja Geke beherrscht die Reihe wie keine andere und findet auch in diesem besonders dichten Band den richtigen Ton zwischen Spannung und Emotion.
- Themen: Serienkillerprofile und historische Muster, persönliche Bedrohung der Ermittlerin, Macht und gesellschaftliche Privilegien
- Stimmung: Dunkel und klaustrophobisch, mit aufgeladenem Tempo ab der Mitte
- Fazit: Eine der stärkeren Folgen der Eve-Dallas-Reihe, die durch das direkte Bedrohungsmotiv gegen Eve persönlicher wirkt als viele andere Bände.
Ich hatte Das Herz des Mörders an einem Sonntagnachmittag begonnen, an dem der Regen gegen das Fenster schlug und ich eigentlich nichts Ernsthaftes vorhatte. Vierzehn Stunden später war es kurz nach Mitternacht, und ich hatte den Band in zwei großen Sitzungen durch. Das passiert mir nicht oft. Es passiert mir fast nie mit Serienfolgen, die ich ohne unmittelbar vorherige Teile höre. Aber Robb hat hier etwas getroffen, das funktioniert, unabhängig vom Serienstand.
Das liegt vor allem an der Konstruktion des Falls. Ein Killer, der die Methoden der berühmtesten Serienmörder der Geschichte kopiert, von Jack the Ripper angefangen, hat etwas Literarisches, fast Bibliophiles. Er betrachtet sich selbst als Schüler einer dunklen Tradition. Das ist ein Motiv, das Robb schon früher verwendet hat in verschiedenen Varianten, aber hier mit einer zusätzlichen Wendung: Eve Dallas ist nicht nur Ermittlerin, sie steht im Fadenkreuz. Der Mörder schickt ihr eine persönliche Nachricht. Die Hetzjagd wird zur Gegenjagd.
Wenn die Jägerin zum Ziel wird
Das strukturelle Grundprinzip dieses Bandes, Jäger und Gejagte sind dasselbe, ist literarisch nicht neu. Robb nutzt es hier aber klug, weil sie die Figur der Eve Dallas gut genug kennt, um zu wissen, wie sie auf eine persönliche Bedrohung reagiert: nicht mit Angst, sondern mit einer Intensivierung ihrer ohnehin schon gnadenlosen Ermittlungsarbeit. Die Spannung entsteht nicht aus Eves Unsicherheit, sondern aus dem Wettlauf zwischen ihrer Präzision und der des Killers.
Bemerkenswert ist auch der Schauplatz: Die Spur führt Eve in die höchsten Kreise der Reichen und Mächtigen von New York 2059. Robb hat immer wieder das Spannungsfeld zwischen Privilegien und Gerechtigkeit als Subtext genutzt, und in diesem Band tritt es deutlicher hervor als in manchen anderen. Eve funktioniert in diesen Kreisen durch Roarke, der selbst Teil dieser Welt ist, und das erzeugt eine eigene Reibung, die gut ausgearbeitet ist.
Tanja Gekes Leistung bei einem besonders dichten Stoff
Tanja Geke liest auch diesen Band mit der Sicherheit einer Sprecherin, die diese Welt kennt und ihr vertraut. Das Besondere an diesem Band ist, dass der Stoff dichter ist als in vielen Serienfolgen: Die historischen Verweise auf tatsächliche Serienmörder geben der Geschichte eine dunklere Textur, und Geke navigiert diese Passagen mit dem richtigen Gewicht. Sie liest die Szenen, in denen der Täter beschrieben wird, ohne sie zu glamourisieren, was bei diesem Thema keine Selbstverständlichkeit ist.
Bei 14 Stunden und 36 Minuten ist Das Herz des Mörders minimal länger als Der Hauch des Bösen. Die Zeit ist gut genutzt. Robb verliert sich nicht in Nebenhandlungen, obwohl sie auch hier die Beziehungsebene zwischen Eve und Roarke pflegt. Eine Rezensentin hat angemerkt, dass die Roarke-Beschreibungen mit der Zeit ermüdend werden können. Das ist eine faire Beobachtung, die für die gesamte Reihe gilt. In diesem Band fällt es mir weniger auf, weil die Handlung selbst so viel Zugkraft hat.
Standort in der Serie und was Neueinsteiger wissen sollten
Wie beim Hauch des Bösen gilt: Der Fall selbst ist abgeschlossen und funktioniert ohne Serienkenntnis. Das emotionale Gewicht der Szenen, in denen Eve persönlich bedroht wird, ist jedoch größer für jene, die sie bereits kennen. Wer die Reihe noch gar nicht kennt, kann hier einsteigen und wird einen soliden, spannenden Kriminalroman erleben. Wer die Eve-Dallas-Reihe von Anfang an kennt, wird tiefer hineingezogen.
Das Hörbuch ist, wie alle deutschen Eve-Dallas-Fassungen, exklusiv bei Audible in ungekürzter Form erhältlich. Das ist ein Format-Hinweis, kein Qualitätsurteil, aber man sollte es wissen.
Wer sollte diesen Band hören
Leserinnen und Leser, die Krimis in einem futuristischen Setting mögen, Figuren schätzen, die wirklich entwickelt werden über viele Bände hinweg, und die sich nicht scheuen, einer langen Reihe Zeit zu geben. Wer dunkle Krimis mit einem starken Täterprofil schätzt und gleichzeitig eine Liebesgeschichte im Hintergrund nicht als störend empfindet, ist hier gut aufgehoben. Wer ausschließlich Standalone-Thriller bevorzugt, findet vielleicht anderswo ein passgenauereres Angebot.