Auf einen Blick
- Sprecher: Uve Teschner ist eine Bank für Heitz, bringt die Welt der zurückgekehrten Götter mit Autorität und Erzählkraft zum Leben.
- Themen: Götterpantheon trifft Gegenwart, Machtkampf zwischen Religionen, Identität in einer zerbrochenen Weltordnung
- Stimmung: Düster, actiongeladen, filmisch und stellenweise brutal
- Fazit: Wer Markus Heitz kennt und mag, findet hier einen seiner ambitioniertesten Würfe, sollte aber Geduld für einen langsamen Einstieg mitbringen.
Markus Heitz hat mich schon mit den Zwergen überrascht, und ich dachte, ich wüsste, was ich von ihm erwarten kann: solides deutsches Fantasy-Handwerk, viel Tempo, manchmal mehr Action als Tiefgang. Dann legte ich Aera ein und saß eine halbe Stunde mit dem Mund offen.
Die Prämisse ist kühn, und das meine ich ohne jede Ironie: Im Jahr 2019 kehren die Götter zurück. Alle Götter. Odin erscheint, Zeus meldet Ansprüche an, Anubis, Shiva, Manitou. Die alten Pantheons materialisieren sich und verlangen ihre Kultstätten, ihre Anhänger, ihre Macht zurück. Nur der Abrahamic-Gott fehlt. Christen, Muslime, Juden warten. Niemand kommt. Und die einst mächtigsten Religionen der Welt werden plötzlich zu Randgruppen, belächelt von einer Welt, die ihre alten Götter zurückbekommen hat.
Die religiöse Weltordnung als Schachbrett
Heitz ist nicht subtil, und er will es nicht sein. Diese Art von Konzept funktioniert nur, wenn man es mit voller Überzeugung spielt, und das tut er. Die Götter sind keine wohlmeinenden Beschützer, sie sind Mächtige, die Mächte zurückfordern. Die Menschheit, eingequetscht zwischen Polytheismus und der Stille eines abwesenden Gottes, muss irgendwie weiterfunktionieren. Dieses politische und religiöse Vakuum ist der interessanteste Teil des Buches.
Es gibt Charaktere, die durch diese Welt navigieren, Ermittler, Gläubige, Zweifelnde, Opportunisten. Die Handlung folgt mehreren Perspektiven, die erst spät zusammenkommen, eine Technik, die Heitz beherrscht, aber manchmal mehr Zeit braucht, als man sich zu Beginn wünscht. Ein Rezensent schreibt, dass der Anfang sich sehr gezogen habe, und ich kann das nachvollziehen. Wer sich durch die ersten drei Stunden kämpft, wird belohnt. Wer dabei abbricht, verpasst das Beste des Buches.
Uve Teschner und 21 Stunden Erzählung
Über einundzwanzig Stunden hören ist keine Kleinigkeit, und Uve Teschner macht das zu einem Erlebnis, nicht zu einer Prüfung. Ich kenne ihn aus anderen Produktionen, unter anderem aus Heitz-Adaptionen, und er ist für diesen Autor eine nahezu ideale Wahl. Er liest mit Gewicht, ohne zu bremsen, mit Energie, ohne zu überdrehen.
Bei einem Buch, das so viele Figuren hat und so viele Weltsichten durchspielt, ist die Differenzierung der Stimmen entscheidend. Teschner leistet das zuverlässig. Die Götterszenen haben eine andere Textur als die menschlichen Passagen, und die Actionsequenzen, von denen es viele gibt, klingen nicht nach vorgelesenen Beschreibungen, sondern nach Geschehen.
Dass das Hörbuch ausschließlich bei Audible verfügbar ist, als Exklusivproduktion, schränkt die Zugänglichkeit ein. Für Audible-Abonnenten ist das kein Problem, für alle anderen schon.
Stärken und Grenzen
Was das Buch nicht ist: ein religiöser Roman, der Glaubensfragen ernsthaft diskutiert. Es ist ein Fantasy-Thriller, der religiöse Strukturen als Weltbaustein nutzt. Die Tiefe der Auseinandersetzung bleibt entsprechend an der Oberfläche der Konzepte. Das ist in Ordnung, wenn man das weiß.
Was es ist: eines der kühnsten Weltbuilding-Projekte, die Heitz je angegangen hat. Mit Filmpotenzial, mit echtem Tempo im mittleren und letzten Drittel, und mit einem Sprecher, der die lange Laufzeit trägt.
Für wen dieses Hörbuch gedacht ist, und für wen nicht
Reinhören: Heitz-Fans, Fantasy-Thriller-Liebhaber, alle, die sich für alternative Weltordnungen interessieren und eine Art von Götterpolitik als Unterhaltung schätzen.
Lieber warten: Wer mit dem Gewaltlevel bei Heitz nichts anfangen kann, wer ausschließlich psychologisch tiefe Charakterstudien sucht, und wer kein Audible-Abonnement hat.