Auf einen Blick
- Sprecher: Sonja Ströl liest mit warmem, jugendlichem Timbre, das Minas innere Zerrissenheit glaubwürdig trägt und den Figuren klare stimmliche Profile verleiht.
- Themen: Magie und Verantwortung, Vertrauen und Verrat, Erste Liebe unter Druck
- Stimmung: Eisig-romantisch mit dunklen Untertönen, spannungsvoll bis zur letzten Minute
- Fazit: Wer Band 1 geliebt hat, wird diesen zweiten Teil kaum aus dem Kopf bekommen, muss aber ein offenes Ende ertragen.
Es war ein Sonntagabend Ende Oktober, Regen gegen die Fensterscheibe, als ich die ersten Kapitel von « Das Vermächtnis der Eisblumen » begann. Ich war seit Band 1 mit Minas Geschichte mitgegangen, hatte mich auf die Auflösung gefreut, und gleichzeitig hatte ich diese leise Angst, die man immer hat, wenn man einen zweiten Teil eines Jugendromans aufschlägt: Was, wenn das Besondere vom ersten Mal gar nicht wiederholbar ist? Diese Angst verflog ungefähr zehn Minuten nach dem ersten Kapitel.
Karolyn Ciseau setzt genau dort an, wo sie aufgehört hat, und trotzdem fühlt sich Band 2 der Seasons-of-Fate-Reihe wie ein eigenständiges Erzählobject an. Der Winterkönig ist besiegt, die Eisdämonen scheinbar verschwunden, und Mina sollte eigentlich aufatmen können. Doch dann zieht sich Ethan, ihr Eismagielehrer und die Hauptachse ihres Herzens, plötzlich zurück, kalt und unnahbar wie die Magie, die er ihr einst beibrachte. Ciseau lässt uns nicht lange warten: Die Eisdämonen kehren zurück, und die Frage, ob Ethan in all das verwickelt ist, hängt wie Frost in der Luft.
Was Sonja Ströl aus dieser Geschichte macht
Ich wäre fahrlässig, wenn ich die Sprecherin nicht früh nennen würde, denn Sonja Ströl ist ein wesentlicher Grund dafür, dass dieses Hörbuch so gut funktioniert. Ihr Timbre ist warm genug, um Minas Verletzlichkeit spürbar zu machen, und hat gleichzeitig eine Entschlossenheit, die der Figur nie das Rückgrat stiehlt. Wenn Ethan in Szenen erscheint, die zwischen Kälte und versteckter Zärtlichkeit pendeln, legt Ströl eine Nuance in ihre Stimme, die ich kaum in Worte fassen kann: Man hört das Hoffen gegen das Wissen ankämpfen. Die neue Figur Katja bekommt ein eigenes stimmliches Profil, das sie von Anfang an interessant macht, nicht nur als Handlungselement, sondern als Charakter.
Ein Magiesystem, das sich entfaltet
Wer Band 1 kennt, weiß, dass die Eismagie in dieser Reihe keine Dekoration ist. In « Das Vermächtnis der Eisblumen » wird sie ausgebaut, und zwar auf eine Art, die organisch wirkt statt aufgesetzt. Mina hat nach wie vor keine leichte Zeit mit ihren Fähigkeiten, was ehrlicher ist als der übliche Kompetenzzuwachs, den Fortsetzungen gerne als Ersatz für echte Entwicklung servieren. Dass ausgerechnet ihr Zweifel und ihre Fehler im Umgang mit der Magie zum Dreh- und Angelpunkt des Plots werden, finde ich erzählerisch klug.
Reviewerin Alexandra Sch. schreibt, sie sei trotz einer langen Pause gut in die Geschichte eingestiegen, was ich bestätigen kann: Ciseau gibt genug Kontext, ohne in erklärende Passagen zu verfallen, die man als Kenner der Reihe überspringen möchte. Das ist schwieriger hinzubekommen, als es klingt.
Das Ende, über das wir reden müssen
Ich verstehe, warum Reviewerin « Amazon Kunde » schreibt, das Ende habe sie traurig gemacht. Ich verstehe auch Jules, die trotz der Frustration über das offene Ende keinen Stern abziehen kann. « Ich hasse offene Enden, vor allem dann, wenn ich lange auf die Auflösung warten muss », schreibt sie, und das trifft es genau. Das Buch endet an einem Punkt, der keine Atempause lässt, sondern einen direkt in die Wartezeit auf Band 3 katapultiert.
Ich sage das nicht als Kritik an der Erzählstruktur, sondern als Hinweis: Wer keine Serien-Lektüre mit offenem Ausgang aushält, sollte lieber warten, bis der nächste Band verfügbar ist. Wer das aushält, bekommt hier knapp zehn Stunden YA-Fantasy, die sich deutlich erwachsener anfühlen als das Genre oft vermuten lässt. Ciseaus Stil ist das, was Reviewerin Jules « humorvoll, locker, bildhaft und dennoch leicht im Lesefluss » nennt, und das passt: Es gibt keine geschwollenen Passagen, keine epischen Beschreibungsexzesse, aber die Bilder bleiben haften.
Für wen ist dieses Hörbuch gedacht, für wen nicht
Wer mit Eismagie, Akademie-Settings und einer Liebesgeschichte, die auf echten Spannungen basiert statt auf Missverständnissen, etwas anfangen kann, wird gut bedient. Der zweite Band belohnt Leserinnen, die sich auf die Entwicklung von Mina und Ethan eingelassen haben. Wer die Reihe noch nicht kennt, sollte wirklich mit Band 1 beginnen, nicht weil man gar nichts versteht, sondern weil man sonst die emotionale Grundlage vermisst, auf der dieser Band aufbaut. Sonja Ströls Sprechleistung macht das Hörerlebnis runder als das bloße Lesen der Seiten, das kann ich nach diesem Sonntagabend mit einiger Sicherheit sagen.