Auf einen Blick
- Sprecher: Sarah Etscheid liest Britt mit einer trockenen Energie, die gut zur sarkastischen Meuchlerin passt — sie trifft den Ton zwischen Action und romantischer Spannung sicher.
- Themen: Loyalität unter Zwang, gebrochenes Vertrauen als Reisebegleiter, Vampir-Romantik mit Machtgefälle
- Stimmung: Dunkel und actionreich mit leichteren romantischen Momenten — nicht zum Einschlafen
- Fazit: Für Fans der Reihe ein solider Band, aber mit einer ungelösten Qualitätsfrage, die ehrlich angesprochen werden muss.
Ich habe Ritterin wider Willen: Britt an einem langen Freitagabend gehört, mit einer Tasse Tee, die irgendwann kalt wurde, weil ich zu faul war, aufzustehen. Annabel Chase schreibt schnell — das Handlungstempo lässt keine langen Pausen für Teetrinken.
Britt ist einst ein gefragter Meuchelmörder gewesen. Ein Fehler hat sie dazu verdammt, dem Haus August zu dienen, der mächtigsten Vampirfamilie Nordamerikas. Jetzt eskortiert sie im Auftrag der Königin deren abtrünnigen Sohn von Florida zurück nach New York — denselben Prinzen, der ihr das Herz gebrochen hat. Das ist ein klassisches Road-Trip-Setup mit Romance-Konflikt und Fantasy-Hindernissen. Chase ist in dieser Welt offensichtlich zu Hause, und das merkt man.
Was die Escortmission wirklich auf dem Spiel hat
Die interessanteste Entscheidung dieses Bandes ist die Prämisse: Britt nimmt den Auftrag an, nicht weil sie ihn will, sondern weil Freiheit wichtiger ist als verletzter Stolz. Das ist eine erwachsene Motivation für eine Figur, die in einem Genre lebt, das Protagonisten gern aus irrationalen Impulsen handeln lässt. Dass sie mit dem Vampir, der ihr das Herz gebrochen hat, auf engem Raum durch Monster-verseuchtes Territorium muss, legt das Fundament für eine Spannung, die Chase gut ausnützt.
Sarah Etscheid liest Britt mit einer trockenen Energie, die gut zum Charakter passt. Britt ist keine Heldin, die ihre Gefühle zelebriert — sie ist jemand, die funktioniert und dabei ab und zu stolpert. Etscheid trifft diesen Ton ohne Übertreibung. Die Actionpassagen haben Tempo, die romantischen Momente klingen nicht aufgesetzt. Das ist für das Genre nicht selbstverständlich.
Die Qualitätsfrage, die man nicht übergehen kann
Eine Rezension dieses Bandes muss eine Beobachtung ansprechen, die eine Leserin direkt und scharf formuliert hat: Sie schreibt, nie im Leben habe dieselbe Person diesen fünften Teil geschrieben. Die vier Bände davor seien sehr gut gewesen; dieser sei langweilig, mit primitiven Ausdrücken, gewollt witzig und eine beliebige Aneinanderreihung beliebiger Szenen. Zwei weitere Rezensenten beschreiben denselben Band als tolle Serie mit interessanter Story und freuen sich auf den nächsten Band.
Ich kenne die Vorgängerbände nicht, kann also keinen direkten Stilvergleich anstellen. Was ich sagen kann: Das Buch, das ich gehört habe, ist handwerklich solide und erzählerisch funktional. Es gibt keine grobe Inkonsistenz, die mir aufgefallen wäre. Ob es im Vergleich zu den Vorgängern abfällt, müssen Reihen-Fans selbst beurteilen. Die Warnung steht im Raum; es wäre falsch, sie wegzureden.
Wer einsteigen kann und wer nicht
Dieser Band ist als fünfter Teil der Herrschaft der Ewigen Nacht konzipiert. Ohne Kenntnis der Vorgeschichte zwischen Britt und dem Prinzen verliert die Romanze einen Teil ihrer Wirkung. Neueinsteiger in die Reihe sollten bei Band eins beginnen. Wer die Serie kennt und mag, findet hier weitgehend das, was man erwartet: Vampir-Fantasy mit Romance-Konflikt, Dunkelheit, Humor und einem offenen Ende für den nächsten Band. Ob dieser Band das Niveau der Vorgänger hält, bleibt offen.