Auf einen Blick
- Sprecher: Jim Lacher liefert auch im fünften Band verlässliche Energie: klare Differenzierung der Charakterstimmen, starkes Tempo in den Kampfszenen, gute Ausdauer über 25 Stunden.
- Themen: System-Event und Fraktionskämpfe, uralte Vampire als neue Bedrohungsebene, Jakes Grenzen als Einzelkämpfer vs. kollektive Strategie
- Stimmung: Actionreich und mitreißend, mit punktuellem Humor und einem Hauch Vampir-Gothic
- Fazit: Band 5 bestätigt die Qualität der Reihe, auch wenn die Schatzsuche gelegentlich länger zieht als nötig.
Es gibt Serien, auf die man sich vorbehaltlos einlässt, und solche, bei denen man nach jedem Band kurz inne hält und fragt: War das gut? Bei « Primal Hunter » ist die Antwort seit Band 1 dieselbe: Ja. Aber bei Band 5 habe ich zum ersten Mal wirklich nachgedacht, bevor ich « Ja » gesagt habe.
Ich war gerade auf einer langen Zugfahrt von Hamburg nach München, als ich die ersten zwei Stunden gehört hatte. Jim Lacher hatte Jake gerade ins verfluchte Land Yalsten eingeführt, und ich dachte: Das wird gut. Dann, irgendwo um die sechste oder siebte Stunde, merkte ich, dass ich ein bisschen zu genau wusste, was als nächstes kommen würde. Nicht weil Zogarth uninspiriert wäre, sondern weil die Schatzsuche das Tempo des Bandes bestimmt, und Schatzsuchen haben eine inhärente Tendenz zur Ausdehnung.
Yalsten und die Rückkehr der Vampire
Das Setting von Band 5 ist das erste wirklich globale Event der Reihe: Alle großen Fraktionen der Erde kommen zusammen im verfluchten Land Yalsten, das einst von uralten Vampiren bewohnt wurde. Als dramatischer Rahmen ist das überzeugend. Zogarth nutzt das System-Event klug, um Jake nicht mehr nur als überragenden Einzelkämpfer zu zeigen, sondern als Figur, die sich in einem Machtgefüge behaupten muss, das er nicht allein kontrollieren kann.
Die Vampir-Antagonisten sind ein willkommener Schritt weg vom generischen LitRPG-Monster-Katalog. Die « uralte Verteidigung » von Yalsten hat Persönlichkeit, und der Endboss-Ansatz, auf den Jake hofft, zahlt sich in den finalen Stunden des Buches wirklich aus. Rezensentin Saphira schrieb, es gäbe « so viele spannende Kämpfe », und das stimmt, aber es sind vor allem die Kämpfe in der zweiten Hälfte, die das Versprechen einlösen.
Jim Lacher über 25 Stunden: Ausdauer als Kunstform
Bei 25 Stunden und 32 Minuten ist « Primal Hunter 5 » das längste Hörbuch in diesem Batch, und Jim Lacher beweist wieder, was er bereits in den Vorgängerbänden unter Beweis gestellt hat: Er ermüdet nicht. Das ist keine Kleinigkeit. Bei dieser Laufzeit kann ein Sprecher, der nach Stunde 15 anfängt, die Energie zu verlieren, das gesamte Hörerlebnis beschädigen. Lacher hält das Tempo. Kampfszenen haben Schlagkraft, ruhigere Momente atmen, und die Charakterstimmen bleiben über den gesamten Band konsistent.
Für Jake hat Lacher einen Ton gefunden, der lässige Kompetenz ausdrückt, ohne arrogant zu wirken. Das ist genau, was dieser Protagonist braucht: Er ist der Beste in fast jedem Raum, den er betritt, und trotzdem will man ihm zuhören. Das ist Lachers Leistung.
Wo Band 5 zieht und wo er aufflammt
Rezensent Robert L. hat das ehrlichste Urteil abgegeben: Die Schatzsuche zieht sich. Das ist kein vernichtendes Urteil, aber es ist eines, das ich bestätigen kann. In der ersten Hälfte des Buches gibt es Passagen, in denen die Erkundung von Yalsten breiter ausgerollt wird, als der Spannungsbogen es erfordert. Interessanterweise kommentiert Zogarth das selbst über die Figur: Jake sieht die Länge am Ende ein. Das ist ein netter Meta-Moment, der zeigt, dass der Autor das Problem kennt. Ob man das als Selbstironie liest oder als Entschuldigung, ist Geschmackssache.
Was allerdings nicht zieht: die Dynamik zwischen Jake und seinen Mitmenschen. Band 5 nutzt das Fraktions-Event, um zu zeigen, dass der Weg nach oben Kooperation erfordert, und diese Konflikte sind das Interessanteste im Buch. Die Frage, die Zogarth im Synopsis stellt, ob die Vampire oder seine Mitmenschen die größere Herausforderung sind, ist nicht rhetorisch.
Für wen lohnt sich Band 5
Wer die ersten vier Bände gehört hat, braucht diese Empfehlung nicht: Man hört weiter. Für alle, die neu einsteigen wollen: Band 5 ist kein Einstiegspunkt. LitRPG ist ein Genre, das auf kumulierter Investition in Figuren und Systeme basiert, und Primal Hunter ist keine Ausnahme. Die Serie funktioniert als Ganzes, und Jim Lachers konsistente Performance macht es leicht, sich diese 25 Stunden vorzunehmen.