Auf einen Blick
- Sprecher: Stefan Kaminski liefert eine energiegeladene, figurenreiche Performance, die der Reihe seit Band 1 ihren unverwechselbaren Klang gibt.
- Themen: Urban Fantasy, Götter und Vampire, Loyalität unter Verbündeten
- Stimmung: Rasant, witzig, mit dunklen Untertönen
- Fazit: Fans der Chroniken des Eisernen Druiden kommen beim achten Band voll auf ihre Kosten, Neueinsteiger sollten bei Band 1 anfangen.
Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als mir eine Kollegin die Reihe um Atticus O’Sullivan empfahl. « Stell dir vor, ein 2000 Jahre alter Druide lebt mit seinem Hund in Arizona und gerät ständig mit nordischen Göttern aneinander » — ich war skeptisch. Drei Bände später war ich vollständig verloren. « Aufgespießt » ist nun Band acht der Chronik des Eisernen Druiden, und ich habe ihn in zwei Etappen gehört: die erste Hälfte an einem verregneten Samstagvormittag, die zweite Hälfte am selben Abend, weil ich aufgehört hatte, so zu tun, als würde ich noch etwas anderes an diesem Tag erledigen.
Kevin Hearne schreibt Urban Fantasy mit einem Tonfall, den man selten findet: Es ist witzig, ohne billig zu sein, und dunkel, ohne das Gewicht der Handlung zu erdrücken. Im achten Band haben sich die Fäden aus den Vorgängerbänden zu einem Knoten gezogen, der jetzt aufgedröselt werden muss. Atticus braucht Verbündete gegen Theophilus und seine Vampir-Fraktion, aber seine engsten Weggefährtinnen und Weggefährten kämpfen mit eigenen Krisen: Owen Kennedy mit seiner Vergangenheit als Troll-Verbündeter, Granuaile mit Lokis Brandmal.
Kaminski als Ensemble-Alleinunterhalter
Stefan Kaminski ist einer der vielseitigsten Sprecher im deutschen Hörbuchbereich, und das zeigt er bei dieser Reihe auf besondere Weise. Atticus klingt anders als Owen Kennedy, der wiederum anders klingt als Oberon, der telepathisch kommunizierende Wolfshund, der zu den beliebtesten Figuren der gesamten Reihe gehört. Diese Differenzierung über acht Bände hinweg konsistent zu halten ist eine Leistung, die man als Hörerin irgendwann als selbstverständlich nimmt — was ein Fehler ist. Kaminski macht die Chroniken zu dem, was sie als Hörbuch sind: ein Ensemblestück, das von einer einzigen Stimme getragen wird.
Ein Rezensent namens « Hedgehog » schrieb, das Buch habe « alles, was ein Fantasy-Roman braucht »: eine besondere Sprache, einzigartige Charaktere und eine Rahmenhandlung, die auf existierende Götterkulte und Religionen zurückgreift. Das gilt auch für Band acht. Hearne jongliert mit nordischer Mythologie, römischer Geschichte und moderner Popkultur, ohne dass das Konstrukt unter seinem eigenen Gewicht zusammenbricht.
Rom als Kulisse für das Ende eines Unsterblichen
Der Schauplatzwechsel nach Rom im späteren Teil des Bandes ist eine der stärksten Entscheidungen dieses Eintrags. Hearne nutzt die Ewige Stadt nicht als touristisches Beiwerk, sondern als thematisch aufgeladenen Ort: Ein Ort, der schon so viele Anfänge und Enden erlebt hat, eignet sich für die Konfrontation mit einem Wesen, das selbst durch die Jahrhunderte gegangen ist. Dieser Gedanke trägt das letzte Drittel des Hörbuchs und gibt ihm eine Schwere, die die humoristischeren Teile davor kontrastiert.
Die im Band enthaltene Erzählung « Vorspiel zum Krieg » ist ein willkommenes Extra für alle, die nach dem Ende des Haupttextes noch etwas tiefer in dieses Universum eintauchen wollen. Sie erweitert den Kontext, ohne unverzichtbar zu sein — man kann den Band auch ohne sie als runde Sache erleben.
Einsteigen oder nicht — das ist hier die Frage
Wer die ersten sieben Bände kennt, braucht keine Empfehlung: Man wird « Aufgespießt » hören, fertig. Für alle anderen gilt eine klare Warnung: Dieser Band ist kein Einstiegspunkt. Die emotionale Wucht der Handlung funktioniert nur, weil man Atticus, Granuaile und Oberon über mehrere tausend Hörstunden begleitet hat. Wer bei Band acht anfängt, wird eine ordentliche Urban-Fantasy-Geschichte hören, aber die emotionale Resonanz fehlt.
Mit einer Gesamtbewertung von 4,7 Sternen gehört « Aufgespießt » zu den am konsistentesten bewerteten Titeln, die mir in letzter Zeit begegnet sind. Das selten gesehene Sonderlob in einer Rezension für die « Rollenverteilung mit Hilfe von Icons » zeigt, wie durchdacht die Hörbuchproduktion als Ganzes gestaltet ist. Der Aufwand zahlt sich aus.