Nachkriegskinder
Hörbuch & E-Book

Nachkriegskinder, by Sabine Bode

Von Sabine Bode

Gesprochen von Matthias Keller

★★★★★ 4.4/5 (714 Bewertungen)
🎧 9 Stunden und 40 Minuten 📘 Der Audio Verlag 📅 1 juin 2026 🌐 Deutsch
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Über dieses Hörbuch

Die 50er Jahre: Zeit des Wirtschaftswunders und des Neuanfangs. Man schaute nach vorn. Die Nachkriegskinder wurden aber in Familien hineingeboren, auf denen Kriegserlebnisse und Erfahrungen von Gefangenschaft, Vertreibung und Schuld lasteten. Wie hat sich all das auf die eigenen Lebensmuster ausgewirkt?

Nachkriegskinder sind in etwa die Jahrgänge bis 1960 – in West und Ost. Ihre Eltern waren keine Kriegskinder, sondern haben als Erwachsene den Krieg mitgemacht, die Väter meist als aktive Kriegsteilnehmer. Heute fangen deren Kinder an, sich mit ihrer Jugend zu beschäftigen. Sie wollen wissen, wie sie das Aufwachsen in der Nachkriegsgesellschaft geprägt hat, und stellen Fragen nach dem Vater. Nachkriegskinder hilft den Angehörigen dieser Generation, die Ungereimtheiten im eigenen Lebenslauf zu verstehen und für sich neue Ressourcen zu entdecken.

Sabine Bode geht Fragen nach, die viele Nachkriegskinder umtreiben:

Wer war mein Vater eigentlich – und solange ich das nicht weiß: Wer bin ich?
Was steckte hinter dem Schweigen meines Vaters?
War er Täter oder Opfer oder beides?
In welchem Umfang hat er von der NS-Zeit profitiert?
Wie hat Vaters Krieg unser Familienleben geprägt?
Was habe ich von ihm »geerbt«?
Wie hätte ich mich als Frau/als Mann ohne einen Kriegsvater entwickelt?

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Matthias Keller findet für diesen schweren Stoff den richtigen Ton — sachlich und einfühlsam zugleich, ohne in Betroffenheitsmodus zu fallen.
  • Themen: Kriegstrauma in der Familiengeschichte, transgenerationale Weitergabe, Identitätssuche
  • Stimmung: Nachdenklich und berührend, mit dem Gewicht von echter Geschichte
  • Fazit: Wer sich fragt, warum die eigene Familie so ist, wie sie ist, findet hier keine einfachen Antworten — aber wichtige Fragen und Orientierung.

Es war ein Samstagvormittag, ich saß beim Frühstück, als meine Mutter mich anrief und von meinem Opa erzählte — von Dingen, über die er nie gesprochen hatte, und die sie erst nach seinem Tod in einem Brief fand. Ich hatte Sabine Bodes « Nachkriegskinder » gerade angefangen. Die Gleichzeitigkeit war unheimlich. Und sie war kein Zufall: Dieses Buch trifft einen immer dann, wenn man bereit ist.

« Nachkriegskinder » erschien 2011 und ist als Hörbuch nun auch einer jüngeren Generation zugänglich. Bode schreibt über die Jahrgänge bis etwa 1960 — Menschen, deren Eltern den Zweiten Weltkrieg als Erwachsene erlebt haben, als Soldaten, als Vertriebene, als Täter oder Opfer oder beides. Diese Eltern haben geschwiegen. Und dieses Schweigen hat sich weitergegeben.

Das Schweigen und was es hinterlässt

Das zentrale Motiv des Buchs ist die Sprachlosigkeit. Bode geht mit großer Sorgfalt der Frage nach, was es bedeutet, mit einem Vater aufzuwachsen, der nie über den Krieg gesprochen hat. Nicht aus Gleichgültigkeit — oft aus Schutz, aus Scham, manchmal aus tiefer psychischer Verwundung. Die Kinder dieser Männer und Frauen haben das Schweigen als Normalzustand internalisiert. Vieles, was sie über sich selbst nicht verstehen — eine gewisse emotionale Distanz, Schwierigkeiten mit Nähe, eine diffuse Angst — lässt sich, wenn man Bodes Argumentation folgt, auf dieses ererbte Schweigen zurückführen.

Matthias Keller liest das mit einer Gravitas, die dem Stoff gerecht wird. Er moduliert gut zwischen den analytischen Passagen, die eher nüchtern gehalten sind, und den Fallgeschichten, in denen echte Menschen über ihre Kindheit berichten. Keller übertreibt nie — er lässt das Material wirken, und das ist die richtige Entscheidung.

Fallgeschichten statt Theorie: Bodes Methode

Was Bode so lesbar macht, ist ihre Methode. Sie nähert sich dem Thema nicht primär über Psychologie-Lehrbücher, sondern über Gespräche mit echten Nachkriegskindern. Die Fallgeschichten sind das Herzstück des Buchs — persönlich, konkret, manchmal erschütternd. Eine Rezensentin namens « C. Mathieu » beschreibt im Kommentar ihre eigene Kindheit unter rigider Erziehung mit Prügel, und wie das Buch ihr geholfen hat, die Mechanismen dahinter zu verstehen. Das ist keine Ausnahme: Viele Hörerinnen und Hörer erkennen sich wieder, auch wenn die konkreten Umstände variieren.

Bode fragt: « Wer war mein Vater eigentlich? » Und dahinter: « Wer bin ich, solange ich das nicht weiß? » Das sind keine rhetorischen Fragen. Sie strukturieren das gesamte Buch. Bode entwickelt daraus ein Programm der Auseinandersetzung — keine Anklage gegen die Elterngeneration, sondern ein Versuch, ihre Handlungen historisch zu verorten und damit verständlich zu machen, ohne sie zu entschuldigen.

Zeitgeschichte als Therapieangebot

Was mich an « Nachkriegskinder » am meisten beeindruckt hat, ist die Doppelrolle des Buchs: Es ist zugleich Zeitgeschichte und eine Art niedrigschwelliges therapeutisches Angebot. Bode will nicht, dass man traurig endet. Sie gibt den Nachkriegskindern Werkzeuge an die Hand — Fragen, die man stellen kann, Deutungsrahmen, die helfen, das Erlebte einzuordnen, und die Versicherung, dass man mit dieser Prägung nicht allein ist.

Die fast zehn Stunden Laufzeit sind dabei gut investiert. Das Hörbuch ist dicht, aber nie überladen. Keller hält das Tempo angenehm konstant. Es gibt Momente, in denen das Buch einen kurz überfordert — wenn Bode in die Mechanismen von Traumaübertragung einsteigt, braucht man manchmal eine Pause, um das Gehörte zu verarbeiten. Das ist keine Schwäche; es ist eine ehrliche Reaktion auf einen schweren Stoff.

Ein Hinweis: Das Buch ist 2011 erschienen. Manche Formulierungen und der wissenschaftliche Stand der Traumaforschung haben sich seitdem weiterentwickelt. Wer aktuelle Erkenntnisse sucht, sollte parallel neuere Literatur hinzuziehen. Als Einführung in das Thema und als Zeugnis einer Generationserfahrung ist « Nachkriegskinder » aber nach wie vor gültig — und wichtig.

Für wen dieses Hörbuch passt

Angehörige der Nachkriegsgeneration selbst werden unmittelbar angesprochen. Aber auch ihre Kinder und Enkel — also Menschen, die sich fragen, warum in ihrer Familie bestimmte Dinge nie besprochen wurden, warum Gefühle nicht gezeigt wurden, warum der Großvater immer so fern blieb — werden hier viel finden. Wer mit familiären Mustern ringt, die keine offensichtliche Erklärung haben, darf hier nachschlagen.

Häufig gestellte Fragen

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Was Hörerinnen und Hörer sagen

★★★★★

Auesserst hilfreiches Buch zum Thema Kindheitstrauma

Auch ich habe als Einzelkind unter einer aeusserst rigiden Erziehung mit Pruegeln (bis ich 19 Jahre alt war) sehr gelitten, und suche bis heute nach befriedigenden Antworten, die das mir unverstaendliche Verhalten meiner intellektuellen Eltern (Arzt, Uebersetzerin, beide haben studiert, als sie sich kennenlernten) erklaeren, denn von meinen Eltern habe…

— C. Mathieu
★★★★★

Super!!

Super Buch für die Nachkriegsgeneration. Man erkennt vieles wieder und weiß, warum die Eltern so sind, wie sie sind.

— Rosemarie
★★★★☆

Chance zur Eigenverantwortung

Nachdem der Dreiteiler über Mütter und Väter im Fernsehen lief, las ich dieses Buch von Sabine Bode. Als Noch-Kriegs-Kind gehöre ich ebenfalls zu dieser Generation,kann also vieles, was dort beschrieben worden ist, wiedererkennen.Prügel mit dem Rohrstock,Sprachlosigkeit in der Familie,relative Beziehunglosigkeit,Kälte. Alles wieder erkennbare Phänomene.Und dennoch denke ich nach der Lektüre:…

— Sagittarius
★★★★★

—-nachkriegskinder

musste es sehr leider zurück schicken , da buchstaben trotz lesebrille für mich zu klein, schade

— die sonne geht auf
★★★☆☆

Aufschlussreich und interessant

Der Inhalt dieses Buches ist teilweise ein Echo der Erfahrung und Gefühle bezugs meiner eigenen Kindheit und meines Aufwachsen während der fünfziger Jahre.

— RALPH

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin