Auf einen Blick
- Sprecher: Robert Frank meistert die Vielzahl an Perspektiven souverän und verleiht Narcian und Yuma klar unterscheidbare Präsenzen.
- Themen: Loyalität im Krieg, politische Bündnisse, Magie gegen Übermacht
- Stimmung: Episch und dicht, mit emotionalen Hochpunkten im letzten Drittel
- Fazit: Ein würdiger Abschluss der Andorin-Saga für alle, die von Band 1 an dabei waren.
Ich hatte die ersten Bände der Andorin-Saga im Sommer gehört, und zwar genau in der richtigen Reihenfolge: im Zug, durch Städte, die ich nicht kannte, mit Kopfhörern die ganze Fahrt lang. Diesen Abschlussband habe ich bewusst für einen langen, freien Tag aufgespart. Für einen Tag, an dem nichts dazwischenkommen sollte.
« Monsterzischen » ist der letzte Band der Andorin-Saga von Mira Valentin. Robert Frank spricht, und mit knapp 13,5 Stunden ist das eine echte Investition. Eine, die sich für alle, die mit der Reihe vertraut sind, lohnt.
Was auf dem Spiel steht
Die Ausgangslage ist komplex: Narcian, Yuma, Kijan und ihre Mitstreiter sind zerstreut. Yuma bricht eigenmächtig in die Yuki-Berge auf, um ihren Bruder Lian zu retten. Narcian kämpft im Süden um die Stadt Trebur. Kijan entdeckt auf Bry Anog, dass hinter der Invasion aus dem Norden eine Kreatur steckt, die alles bisher Bekannte übersteigt. Und dann steht plötzlich die Frage im Raum: Soll man dem König von Manjaka helfen, den man eigentlich bekämpfte?
Was Valentin in diesem Band schafft, ist erzähltechnisch beachtlich. Sie führt mehrere Handlungsstränge zusammen, ohne dass einer davon wie Pflichtprogramm wirkt. Jede Perspektive hat Gewicht, jedes Kapitel treibt etwas voran. Rezensentin Shaylana schrieb, sie habe bei jedem Charakter wissen wollen, wie es weitergeht. Das ist das Zeichen einer Reihe, die ihre Nebenfiguren wirklich ausgebaut hat.
Robert Frank und die Last der Vielstimmigkeit
Multi-Perspektiv-Fantasy ist eine Herausforderung für Sprecher. Zu viele Stimmen können verwirren, zu wenig Unterscheidung lässt die Handlungsstränge im Klang verschwimmen. Robert Frank löst das ordentlich. Narcian klingt anders als Kijan, Yuma anders als Haruto. Nicht übertrieben theatralisch, sondern mit subtilen Verschiebungen in Tempo und Tonlage.
Besonders in den Kampfsequenzen rund um Trebur zeigt sich, dass Frank mit Tempo umgehen kann, ohne an Klarheit zu verlieren. Die ruhigeren Momente, in denen Valentin ihre Figuren zweifeln und trauern lässt, treffen ebenso. Daniela J. schrieb in ihrer Rezension, der letzte Band sei der beste der Reihe. Ich würde das so formulieren: Er ist der dichteste.
Kein Einstiegspunkt
Das muss klar gesagt werden: Wer Monsterzischen ohne die Vorgängerbände hört, wird wenig Freude haben. Die emotionale Wucht des Finales funktioniert nur, wenn man Narcian, Yuma, Kijan und die anderen über mehrere Bände begleitet hat. Valentin erklärt nicht, wer wer ist. Sie schreibt für die Leserinnen und Leser, die bereits dabei sind.
Wer also noch nicht mit Band 1 der Andorin-Saga begonnen hat: dort anfangen. Der Abschluss hier wartet.
Was das Finale wirklich auszeichnet
Was Tinkerbell in ihrer Rezension beschreibt, trifft es gut: Das geht wirklich ins Finale, und zwar ohne Rücksicht auf die Figuren. Valentin schont niemanden. Es gibt Verluste, es gibt Entscheidungen, die weh tun, und es gibt einen Ausgang, der nicht mit einer Schleife zugebunden ist. Der ist ehrlich verdient.
Wer Fantasy-Reihen mit sauberem, übersichtlichem Worldbuilding bevorzugt, könnte mit der Dichte dieser Saga an ihre Grenzen stoßen. Andorin ist ein komplexes System aus Mächten, Fraktionen und Kreaturen, und Valentin erklärt im Finalband nichts mehr von Grund auf. Das ist keine Schwäche, das ist die Konsequenz einer Reihe, die ihren Lesenden zutraut, mitgekommen zu sein.
Für alle, die dabei sind: ein starkes Ende.