Auf einen Blick
- Sprecher: Constanze Kleis ist nicht nur Sprecherin, sondern auch Co-Autorin — das hört man, die Texte klingen wie aus einem Guss gesprochen.
- Themen: Selbstbestimmung, weibliche Selbstsabotage, Loslassen von Ballast
- Stimmung: Locker und humorvoll, mit gelegentlich ernsteren Untertönen
- Fazit: Kurzweilig und unterhaltsam, aber wer tiefgehende Reflexion sucht, ist mit anderen Titeln besser bedient — das ist eher ein Wohlfühl-Hörbuch als ein Lebensratgeber.
An einem Sonntagvormittag, während ich meine Wohnung mal wieder in einen bewohnbaren Zustand versetzte, habe ich « Kann weg! Frau Fröhlich räumt auf » durchgehört. Das dauert nur 3 Stunden und 13 Minuten — fast exakt so lang, wie ich gebraucht habe, um das Chaos im Schlafzimmer zu beseitigen. Ich weiß nicht, ob das Zufall war oder ein gutes Zeichen.
Susanne Fröhlich und Constanze Kleis sind ein eingespieltes Duo. Fröhlich kennt man vor allem aus ihren Romanen und Comedy-Büchern, Kleis ist Journalistin und Autorin. Das « Bestseller-Duo », wie sie im Klappentext genannt werden, hat hier ein Buch geschrieben, das Frauen durch ihren eigenen « weiblichen Kosmos » führen soll. Kleis spricht das Hörbuch selbst — als Co-Autorin hat sie also ihre eigenen Sätze im Ohr, und das hört man: es klingt natürlich, nicht abgelesen.
Ausmisten als Metapher
Der Titel ist Programm. Das Buch nutzt den Ausmist-Impuls — Sockenschublade, Keller, all das — als Metapher für Kopf, Seele und Leben. Das ist kein neues Konzept, aber Fröhlich und Kleis setzen es mit einer bestimmten Energie um: locker, zugespitzt, manchmal frech. « Wovon man sich dringend trennen sollte » klingt nach Ratgeberpflichtprogramm, liest sich aber eher wie ein Gespräch zwischen zwei Freundinnen, die sich gegenseitig aufmuntern.
Die Kritik, die sich durch mehrere Amazon-Rezensionen zieht, ist berechtigt: Das Buch hat einen Tonfall, der manchmal in Belehrung kippt. Eine Rezensentin schrieb, die Autorinnen würden « ihre manchmal etwas verquere Lebensansicht als allgemeingültig » darstellen. Das ist kein falscher Befund. Wer eine andere Lebenssituation mitbringt als die implizit angenommene — Westdeutschland, mittlerer Lebensstandard, heterosexuelle Paarkonstellation — wird hier und da das Gefühl haben, dass bestimmte Probleme als universell angenommen werden, die es nicht sind.
Was bleibt, wenn man fertig gehört hat
Nach den 3 Stunden habe ich mich gefragt: Was nehme ich mit? Die ehrliche Antwort: nicht viel Neues, aber das ist vielleicht auch nicht der Anspruch. Das Hörbuch will keine Revolution, es will eine Art akustische Wohlfühlstunde sein, die einem bestätigt, dass man sich von manchen Dingen freimachen darf. Das gelingt. Kleis’ Sprechweise hilft dabei — sie hat eine Präsenz, die das Material lebendig hält, auch wenn inhaltlich nicht jeder Satz zündet.
Die 4,0-Sterne-Wertung klingt mittelmäßig, ist es aber nicht ganz. Es gibt ehrlich begeisterte Rezensionen neben ehrlichen Enttäuschungen, und das spiegelt den Charakter des Buches: Man liebt es oder findet es zu viel. Eine Rezensentin beschrieb es als « anstrengend », weil Fröhlich ihr gefühlt auf der Schulter saß. Ich kann das verstehen. Gleichzeitig schrieb jemand anderes, das Buch habe ihr zu einem selbständigeren Kind und mehr Anerkennung in der Familie verholfen. Beide Rückmeldungen können stimmen.
Für wen diese drei Stunden passen
Wer einen kurzen, unterhaltsamen Impuls braucht, um sich von mentalem Ballast zu trennen, und dabei lieber lacht als grübelt, der ist hier richtig. Wer einen ernsthaften, psychologisch fundierten Ratgeber sucht, sollte woanders schauen. « Kann weg » ist Wohlfühl-Hörbuch mit Augenzwinkern — kein Transformationswerk, aber auch nicht wertlos. Und mit drei Stunden ist das Risiko überschaubar.