Das bleibt in der Familie
Hörbuch & E-Book

Das bleibt in der Familie, by Sandra Konrad

Von Sandra Konrad

Gesprochen von Michèle Tichawsky

★★★★★ 4.6/5 (671 Bewertungen)
🎧 7 Stunden und 40 Minuten 📘 avm 🌐 Deutsch
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Über dieses Hörbuch

Jede Familie hat ihre hellen und ihre dunklen Seiten – und mit diesen müssen wir irgendwie leben. Wir sind geprägt von den Erfahrungen unserer Eltern und Großeltern und oft ziehen sich Konflikte, Verletzungen und Geheimnisse wie ein roter Faden durch mehrere Generationen. Die Auseinandersetzung mit der familiären Vergangenheit ist lohnenswert, denn je mehr wir über unsere Familie wissen, desto eher können wir uns aus den alten Fallstricken befreien und ein selbstbestimmtes und glückliches Leben führen.

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Michèle Tichawsky liest warm und dabei präzise, ihr Tempo lässt Raum zum Nachdenken, ohne je zäh zu werden.
  • Themen: Generationentrauma, familiäre Prägung, emotionale Autonomie
  • Stimmung: Nachdenklich und berührend, mit therapeutischem Unterton
  • Fazit: Wer versteht, woher alte Muster kommen, kann sie leichter loslassen, und dieses Hörbuch zeigt, wie das geht.

Es war ein langer Sonntagnachmittag, und ich hatte dieses Hörbuch eigentlich nur für die Strecke zwischen Küche und Sofa aufgemacht. Sieben Stunden und vierzig Minuten später hatte ich noch immer keine Sendung eingeschaltet. Sandra Konrads « Das bleibt in der Familie » hat mich auf eine Art erwischt, auf die ich nicht vorbereitet war. Nicht weil es reißerisch ist, sondern weil es so ruhig und dabei so treffsicher formuliert, was man oft ahnt, aber nicht benennen kann.

Ich kenne das Thema Generationentrauma aus dem Studium und aus der Redaktionsarbeit, und ich bin entsprechend vorsichtig, wenn Ratgeber diese Tiefe beanspruchen. Konrad liefert aber keine Selbsthilfe-Checklisten. Sie schreibt mit dem Hintergrund klinischer Psychologie und der Klarheit von jemandem, der weiß, dass große Fragen keine schnellen Antworten verdienen.

Was die eigene Familie wirklich hinterlässt

Der Kern des Buches ist die These, dass wir nicht nur das Erbe unserer Eltern tragen, sondern auch deren Konflikte, Verletzungen und unausgesprochenen Geheimnisse. Konrad arbeitet das sehr konkret heraus: wie ein emotionales Weltbild weitergegeben wird, ohne dass irgendjemand es bewusst tut, wie sich Kriegserfahrungen oder unnatürliche Todesfälle über Generationen als unerklärliche Pechsträhnen oder Beziehungsabbrüche manifestieren können. Das ist kein esoterisches Konzept, sondern eine psychologisch fundierte Betrachtung, die sie verständlich macht, ohne zu vereinfachen.

Was mir besonders gut gefällt: Konrad beschreibt auch, wie viele Menschen entweder das Leben ihrer Eltern replizieren oder in strikter Ablehnung davon leben, und wie beides eine Form von Unfreiheit ist. Diese Beobachtung hat mich noch Tage nach dem Hören beschäftigt.

Michèle Tichawsky als ruhiger Anker

Michèle Tichawsky trägt diesen Text mit einer Stimme, die ich am besten als konzentriert freundlich beschreiben würde. Sie hat eine natürliche Autorität, aber keine Distanz. Das passt perfekt zu einem Buch, das den Hörer einlädt, sich ehrlich zu begegnen, ohne dabei mit dem Zeigefinger zu wedeln. Tichawsky lässt schwierigeren Passagen den nötigen Raum, sie drückt nicht aufs Tempo, wo Nachdenken gefragt ist. Das ist eine bewusste, kluge Entscheidung, die das Hörerlebnis deutlich aufwertet.

Ich habe Psychologiebücher auf Audio gehört, bei denen der Sprecher so neutral klingt, dass man das Gefühl hat, einer Ansage auf dem Anrufbeantworter zu lauschen. Das ist hier das genaue Gegenteil. Tichawsky klingt, als würde sie das Buch auch zum ersten Mal hören und tatsächlich finden, was darin steht.

Was das Buch kann, und wo seine Grenzen liegen

Wer einen vollständigen therapeutischen Leitfaden sucht, wird hier nicht fündig. Mehrere Hörerinnen und Hörer merken an, das Buch sei zu kurz, zu knapp für ein so weitläufiges Thema. Ich verstehe diesen Einwand, teile ihn aber nur halb. Konrad hat einen Einstieg geschrieben, keinen Abschluss, und das ist in Ordnung, wenn man das weiß. Sie öffnet Türen und benennt, welche Fragen sich dahinter verbergen. Den Gang durch diese Türen muss jede und jeder selbst antreten.

Ein älterer Rezensent weist darauf hin, dass das Buch schon seit 2015 existiert und seither mehrfach neu aufgelegt wurde. Die Fragen, die Konrad stellt, sind zeitlos, auch wenn der Kontext sich verändert. Das spricht eher für als gegen das Buch.

Für wen diese sieben Stunden lohnen

Wer sich in Mustern wiedererkennt, die schon die Eltern hatten. Wer in Therapie ist oder darüber nachdenkt und sich vorbereiten möchte. Wer das Thema Bindung und emotionales Erbe kennenlernen will, ohne direkt ein Fachbuch zu lesen. Wer mit Familienmitgliedern über schwierige Dinge spricht und nach Worten sucht, wie man das benennt, was zwischen den Zeilen steht.

Wer dagegen konkrete Übungen, Arbeitsblätter oder therapeutische Methoden erwartet, wird enttäuscht sein. Das ist ein reflektiertes, gut geschriebenes Sachbuch, kein Selbsthilfeprogramm.

Häufig gestellte Fragen

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin