Auf einen Blick
- Sprecher: Stefan Kaminski meistert die drei Erzählperspektiven souverän — Owens altmodische Sturheit klingt herrlich grummelig, ohne zur Parodie zu werden.
- Themen: Keltische Mythologie, Humor und Chaos, Loyalität unter Druck
- Stimmung: Temporeicher Spaß mit ernsteren Untertönen — wie ein Stout mit einem Schuss Whiskey
- Fazit: Band 7 festigt, was die Reihe ausmacht — wer bis hier dabei ist, wird nicht enttäuscht, und wer neu einsteigt, wird sehr schnell merken, dass er von Anfang an hätte starten sollen.
Ich war auf halber Strecke meiner Morgenpendlerei, als Atticus O’Sullivan in Erschüttert seinen alten Lehrmeister aus dem ewigen Eis auftaute und Owen Kennedy zum ersten Mal das Wort ergriff. Ich musste laut lachen — im Bus, allein, mit Kopfhörern. Ein Mitfahrender sah mich skeptisch an. Es war mir egal.
Das ist das Versprechen der Chroniken des Eisernen Druiden: Sie ist eine Reihe, die sich nicht scheut, komisch zu sein, und dabei selten albern wird. Band 7 hält dieses Versprechen auf eine Art, die mich überrascht hat, denn der Vorgänger hatte mich leicht enttäuscht. Erschüttert ist voller, ausgewogener, und Stefan Kaminskis Vortrag ist schlicht eine Freude.
Drei Stimmen, eine Geschichte
Das Besondere an diesem Band ist die Aufteilung auf drei Erzählperspektiven. Atticus war immer der Anker der Reihe, aber hier übernehmen auch Granuaile und der frisch aufgetaute Owen Kennedy eigene Kapitel. Owen ist eine Neuerung, die auf dem Papier riskant klingt — ein uralter Erzdruide, der sich mit Smartphones, Englisch und moderner Gesellschaft auseinandersetzen muss — und die in der Ausführung funktioniert, weil Hearne die Komik nicht überdehnt. Owen ist grummelig, direkt, und manchmal erschreckend brutal, aber er entwickelt sich innerhalb dieses Bandes, und das gibt ihm Gewicht jenseits der Witzvorlage.
Kaminski gelingt es, die drei Stimmen klar voneinander zu trennen. Owens Irisch-gefärbtes Englisch — in der deutschen Übersetzung als eine Art archaische Direktheit interpretiert — klingt anders als Atticus’ entspannte Modernität und Granuailes ernsthafterem Ton. Das ist nicht selbstverständlich bei einem einzigen Sprecher, und Kaminski macht es nebenbei, ohne dass man das Gefühl bekommt, er würde Aufwand demonstrieren.
Was Hund Oberon dem Buch gibt, was kein Mensch geben kann
Ein Rezensent schreibt, dass Oberon — Atticus’ telepathisch kommunizierender Wolfshund — der beste Charakter der gesamten Reihe ist, und ich bin versucht, ihm recht zu geben. Oberons Kommentare sind das Salz in der Suppe: Sie kommen im falschen Moment, sie sind meistens mit Speck oder Actionfilmen verknüpft, und sie erden die epischeren Momente auf eine Art, die die Atmosphäre nicht ruiniert, sondern verändert. Kaminski spielt Oberon mit einer leichten Naivität, die perfekt zur Figur passt — genug Wärme, dass man den Hund mögen muss, aber nicht so viel Sentimentalität, dass es wehleidig wird.
Der Humor und seine Grenzen
Eine Rezension beschreibt den Band als laufend zwischen Witz und Albernheit. Das ist fair. Hearne testet gelegentlich, wie weit er die komischen Einlagen dehnen kann — die Szene mit Jesus, die mehrere Leserinnen und Leser erwähnen, ist ein Beispiel dafür — und manchmal ist die Antwort: einen Schritt zu weit. Wer urbane Fantasy mit einem sehr hohen Ernsthaftigkeitsanspruch sucht, wird auch in Band 7 nicht glücklich werden. Die Reihe ist bewusst leichter als viele ihrer Konkurrenten, und das ist ein ästhetisches Entscheidung, keine Schwäche.
Was mich mehr beschäftigt, ist die Frage, ob man Band 7 ohne die vorherigen sechs Bände genießen kann. Die Antwort ist kurz: nein. Die Produktionsbeschreibung hebt hervor, dass der Band mit einer kurzen Zusammenfassung der ersten sechs Teile beginnt — das ist ein netter Service, aber kein Ersatz für das Verhältnis zu den Figuren, das sich über sechs Bücher aufbaut. Wer Erschüttert als Einstieg in die Reihe nutzen möchte, sollte lieber mit Band 1 anfangen.
Für wen dieser Band gemacht ist
Fans der Reihe, die Band 6 als zu kurz empfunden haben — mehrere Rezensionen bestätigen dieses Gefühl –, werden mit Erschüttert mehr bekommen. Der Band ist länger, voller und erzählerisch dichter. Wer Celtic-Mythology-Fantasy mit Humor mag, wer Stefan Kaminski als Sprecher schätzt, und wer bereit ist, eine Reihe von Anfang an zu beginnen, findet hier eine der verlässlichsten Reihen des Genres in deutscher Sprache.