Der Baader-Meinhof-Komplex
Hörbuch & E-Book

Der Baader-Meinhof-Komplex, by Gesprochen von: Oliver Siebeck

Von Gesprochen von: Oliver Siebeck

Gesprochen von Spieldauer: 33 Std. und 8 Min.

★★★★★ 4.6/5 (495 Bewertungen)
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Über dieses Hörbuch

Brillant recherchiert, kenntnisreich erzählt.

Stefan Austs Buch ist keine Anklageschrift und nicht das Plädoyer eines Verteidigers, es ist auch kein Urteil, weder in juristischer noch in moralischer Hinsicht. Es soll ein Protokoll sein, eine Chronik der Ereignisse vom Juni 1967, als der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen wurde, bis zum « Deutschen Herbst » 1977, der Entführung und späteren Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, der Entführung und Befreiung der Passagiere und Besatzungsmitglieder der Lufthansa-Maschine « Landshut » und den Selbstmorden im Hochsicherheitstrakt von Stammheim.

Detaillierter und brisanter denn je: Eine Fülle neuer Fakten, die zu einem großen Teil erst durch Austs akribische Recherchen ans Tageslicht kommen, macht diese Neuausgabe möglich und notwendig. So wertet der Autor eine Vielzahl neu aufgefundener und erst heute freigegebener Ermittlungsakten sowie private Aufzeichnungen und Aussagen von Zeitzeugen aus.

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Auf einen Blick

  • Narration: Oliver Siebeck liest Stefan Austs dichten Chronik-Stil sachlich und klar – das richtige Instrument für ein Werk, das seine Wirkung aus Präzision zieht.
  • Themen: Politischer Terrorismus, Bundesrepublik der 70er, Gewalt und Ideologie
  • Stimmung: Kalt, dicht, erschütternd ruhig
  • Fazit: Wer dreiunddreißig Stunden investiert, bekommt das Standardwerk über die RAF – kein anderes Sachbuch ersetzt es.

Es gibt Bücher, die man nicht schnell hört. « Der Baader-Meinhof-Komplex » von Stefan Aust ist eines davon. Ich hab angefangen, die Aufnahme auf dem Weg in die Bibliothek zu hören, und merkte nach einer Woche, dass ich andere Podcasts und Musik kaum noch anfasste. Nicht weil die Geschichte so mitreißend im Sinne eines Thrillers wäre – sondern weil Aust etwas aufgebaut hat, das bei jedem neuen Kapitel schwerer zu unterbrechen ist: die Logik des Protokolls.

Das Buch erschien erstmals 1985 und hat seitdem mehrere überarbeitete Ausgaben erlebt. Was hier zu hören ist, ist die erweiterte Neuausgabe, die eine Fülle bis dahin unveröffentlichter Ermittlungsakten und private Aufzeichnungen einarbeitet. Stefan Aust war kein Außenstehender – er kannte Ulrike Meinhof persönlich, half einst ihrer Tochter. Dieser Hintergrund gibt dem Buch eine eigentümliche Nähe, die er selbst immer wieder durch Distanz zu balancieren versucht.

Chronik statt Urteil – und was das bedeutet

Aust schreibt, sein Buch sei weder Anklageschrift noch Verteidigungsschrift. Das ist kein Bescheidenheitsgestus, sondern Programm. « Der Baader-Meinhof-Komplex » funktioniert als Chronik – beginnend mit dem Tod Benno Ohnesorgs im Juni 1967, endend mit dem Deutschen Herbst 1977, den Selbstmorden in Stammheim und dem Ende der Landshut-Entführung. Aust ordnet die Ereignisse, er erklärt die Entstehung der RAF aus der Studentenbewegung, er schildert Fahndung und Eskalation – aber er wertet sparsam. Das verlangt dem Hörer etwas ab. Wer eine moralische Einordnung sucht, die ihm das Denken abnimmt, wird unbefriedigt bleiben.

Was Aust stattdessen liefert: eine Tiefe an Material, die kein anderes deutschsprachiges Sachbuch über die RAF erreicht. Die Neuausgabe erschließt Akten, die früher nicht zugänglich waren. Für jeden, der sich ernsthaft mit der Geschichte der Bundesrepublik beschäftigt – und die RAF ist ein Riss, der durch das politische Selbstverständnis der Republik läuft, der bis heute nicht vollständig geschlossen ist – führt an diesem Buch kein Weg vorbei.

Dreiunddreißig Stunden – eine Frage des Formats

Die Laufzeit ist das Erste, worüber man nachdenken muss. Dreiunddreißig Stunden Sachbuch im Audioformat ist kein kleines Versprechen. Oliver Siebeck liest sachlich, klar, ohne dramatische Effekte – und das ist genau richtig. Austs Stil ist präzise und dicht, er braucht keinen Vortrag, der ihm Emotionen hinzufügt, die er selbst verweigert. Siebeck hört sich in den langen Passagen über Verhöre, Gerichtsprozesse und Fahndungsmaßnahmen nie müde an – eine handwerkliche Leistung, die man erst merkt, wenn man sich vorstellt, wie dieselben Seiten in anderen Händen klingen würden.

Für Hörer, die bisher nur den verfilmten Stoff kennen – Bernd Eichingers und Uli Edels Spielfilm aus dem Jahr 2008 – bietet die Buchversion etwas anderes: Langsamkeit, Kontext, die blinden Flecken des Films. Das Buch kann den Film nicht ersetzen und umgekehrt. Wer beide kennt, versteht die Geschichte besser.

Für wen diese 33 Stunden richtig investiert sind

Für alle, die die Entstehung des linksterroristischen Untergrunds in der Bundesrepublik wirklich verstehen wollen, nicht nur kennen. Für Hörende, die Sachbücher im Audioformat mögen und bereit sind, tagelang in einem Thema zu bleiben. Nicht geeignet für jemanden, der eine knappe Einführung sucht – da gibt es bessere, kürzere Einstiege. Aber als Standardwerk, das seinen Status verdient: selten so klar.

Häufig gestellte Fragen

Eignet sich « Der Baader-Meinhof-Komplex » als Einstieg in die Geschichte der RAF, oder sollte man Vorkenntnisse mitbringen?

Aust setzt keine Vorkenntnisse voraus und führt die Ereignisse chronologisch ein. Allerdings ist die Fülle an Namen, Daten und Organisationsstrukturen für völlige Einsteiger überwältigend. Wer vorher einen kürzeren Text über die RAF gelesen hat, wird die 33 Stunden produktiver nutzen.

Wie geht Oliver Siebeck mit dem trockenen Chronik-Stil von Stefan Aust um?

Siebeck bleibt dem sachlichen Ton treu und lässt die Fakten für sich sprechen. Er verzichtet auf dramatische Inszenierung, was dem Material gut steht. Bei den langen Prozess- und Verhörpassagen hält er das Tempo stabil, ohne zu monotonisieren – das ist bei dieser Laufzeit eine echte Leistung.

Was unterscheidet die Neuausgabe inhaltlich von früheren Ausgaben?

Aust hat für die Neuausgabe eine Fülle bisher unveröffentlichter Ermittlungsakten und private Aufzeichnungen ausgewertet, die erst später freigegeben wurden. Das Buch enthält dadurch Fakten und Zusammenhänge, die in der Erstausgabe von 1985 oder späteren Versionen nicht vorhanden waren.

Wie verhält sich das Hörbuch zum Spielfilm von 2008?

Buch und Film sind verschiedene Werke mit verschiedenen Stärken. Der Film verdichtet und dramatisiert, das Buch liefert Tiefe, Kontext und Widersprüchlichkeiten, die ein Kinoformat nicht abbilden kann. Beide zusammen geben ein vollständigeres Bild – keines ersetzt das andere.

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin