Auf einen Blick
- Sprecher: Uwe Thoma liest klar und gut verständlich, sein gemäßigtes Tempo passt zu einem Klassiker, der konzentriertes Zuhören verlangt.
- Themen: Mentalität und Wohlstand, Gesetz der Anziehung, positives Denken
- Stimmung: Ruhig und suggestiv, philosophisch mit praktischem Anspruch
- Fazit: Ein hundert Jahre alter New-Thought-Klassiker mit zeitlosem Kern, aber mit weltanschaulichen Voraussetzungen, die nicht jeder teilt.
Mit zwei Stunden und dreißig Minuten ist « Die Wissenschaft des Reichwerdens » das kürzeste Hörbuch dieses Batches, und auch das mit der ungewöhnlichsten Entstehungsgeschichte. Wallace D. Wattles schrieb diesen Text 1910 in New York, im gleichen Jahr, in dem Tolstoi starb und Picasso seinen Kubismus ausbaute. Das Buch ist also kein modernes Selbsthilfe-Werk, das auf Instagram-Weisheiten basiert, sondern ein Dokument einer Gedankenströmung, die damals als Neugeist-Bewegung bekannt war und die bis heute in veränderter Form weiterlebt.
Ich hörte es an einem ruhigen Mittag durch, mit einem Notizbuch auf dem Knie. Uwe Thoma spricht es klar und ohne Ablenkungen.
Was Wattles 1910 wollte
Wattles war kein Akademiker und kein Ökonom. Er war ein amerikanischer New-Thought-Autor, der glaubte, durch die bewusste Steuerung des Denkens materielle Umstände verändern zu können. Sein Ausgangspunkt: Reichtum ist nicht das Ergebnis von Talent, Herkunft oder Glück, sondern das Ergebnis des richtigen Denkens. Er nennt das « Denken in einer bestimmten Weise » und baut darum herum ein System aus Visualisierung, Dankbarkeit und konkretem Handeln.
Das Besondere an Wattles im Vergleich zu späteren Autoren seiner Tradition ist seine pragmatische Haltung: Er fordert seine Leser ausdrücklich auf, seine Methoden selbst zu testen, anstatt ihm blind zu glauben. Das ist ein ungewöhnlich ehrlicher Ansatz für ein Buch dieser Kategorie.
Was Uwe Thoma aus dem Text macht
Thoma spricht das Hörbuch in einem gemäßigten, konzentrierten Tempo. Er ist nicht der Typ Sprecher, der Selbsthilfe-Texte mit einem missionarischen Tonfall versieht, was mir gut gefällt. Er liest den Text, er verkauft ihn nicht. Das ist die richtige Entscheidung für einen Klassiker, der für sich stehen soll.
Die Übersetzung von Alexander Foß ist verständlich und bewahrt den leicht altertümlichen Ton des Originals, ohne ihn in moderne Floskeln aufzulösen. Bei einem Text, der 1910 geschrieben wurde, ist das keine leichte Aufgabe.
Die Frage, die man sich stellen muss
Jede Rezension dieses Titels muss irgendwann an dem Punkt ankommen: Glaubt man an die Prämisse oder nicht? Wattles’ System setzt eine bestimmte Weltsicht voraus, nämlich dass Gedanken materielle Realität erzeugen und dass das Universum auf bewusste Intentionen reagiert. Wer diese Annahme teilt, findet hier ein fundiertes und klug argumentiertes Grundlagenwerk. Wer sie nicht teilt, wird das Hörbuch trotzdem interessant finden, aber als historisches Dokument und nicht als Handlungsanleitung.
Rezensent B. Schumann schreibt, das Buch sei schwierig für Anfänger, die mit dem Gesetz der Anziehung noch kämpfen. Das ist ein ehrlicher Hinweis. Wattles schreibt nicht für Menschen, die zum ersten Mal über ihr Verhältnis zu Geld nachdenken. Er schreibt für Menschen, die bereits mit dem konzeptuellen Rahmen vertraut sind und bereit sind, ihn konsequent anzuwenden.
Für wen lohnen sich 150 Minuten Wattles?
Für Hörer, die sich für die Ursprünge des modernen Selbsthilfe-Genres interessieren, ist dieses Hörbuch unverzichtbar. Viele der Konzepte, die heute in Büchern wie « The Secret » oder in Motivations-Podcasts kursieren, haben hier ihre Wurzeln. Das Hörbuch ist auch für Menschen sinnvoll, die Wattles bereits gelesen haben und ihn in vertretbarer Zeit auffrischen wollen. Bei 2,5 Stunden ist der Einsatz überschaubar. Wer einen nüchternen Finanzratgeber sucht, ist hier falsch.