Auf einen Blick
- Sprecher: Yeşim Meisheit trifft den leichten, schlagfertigen Ton dieser Reihe gut und trägt die humorvollen Szenen ohne Übertreibung.
- Themen: Kleinstadtmagie, unfreiwilliges Ermitteln, Familie als Chaos und Rückhalt
- Stimmung: Locker und heiter, mit einem kleinen Krimiunterton
- Fazit: Wer entspannte Hörbuchunterhaltung mit Magie und Humor sucht, ist hier richtig. Wer tiefgründige Charakterarbeit erwartet, möglicherweise nicht.
Ich habe dieses Hörbuch an einem langen Wochenende gehört, aufgeteilt in mehrere kurze Einheiten. Das passt gut, weil die Geschichte tatsächlich in Häppchen funktioniert. Nicht weil sie schlecht wäre, sondern weil sie so gebaut ist: Jedes Kapitel hat seinen eigenen kleinen Rhythmus, und man steigt nach einer Pause problemlos wieder ein.
« Butterhexe » ist der erste Band der Reihe « Die Torrent-Hexen von Harlot Bay » von Tess Lake, im Original eine englischsprachige Cozy-Mystery-Reihe, die auf Deutsch von Yeşim Meisheit gesprochen wird. Die Übersetzung ist flüssig, Meisheit macht ihre Sache gut, und das Ergebnis ist ein Hörbuch, das man ohne großes Nachdenken genießen kann.
Harlow Torrent und das Chaos der Familienhexerei
Harlow Torrent arbeitet als Teilzeit-Journalistin für eine Online-Zeitung, die ständig zu kollabieren droht, und ist eine sogenannte Switch-Hexe: Magie, die sie nicht vollständig kontrolliert und die sich meist im unpassendsten Moment manifestiert. Als beim Internationalen Butterfestival in Harlot Bay eine eingefrorene und blutleere Leiche auftaucht, ist sie unfreiwillig mittendrin.
Was die Geschichte trägt, ist weniger der Mordfall selbst als das Ensemble drumherum. Die koffeinabhängigen Cousinen Molly und Luce, die drei Hexenmütter mit ihren heiratsvermittelnden Zaubertränken, Großtante Cass mit ihrem mysteriösen Untergrundlabor. Petra L. schrieb in ihrer Rezension, ihr habe die Geschichte um die italienische Kaffeemaschine am besten gefallen. Das ist genau der richtige Hinweis: Die Stärken dieser Geschichte liegen in den Randszenen, nicht im Hauptplot.
Was Yeşim Meisheit aus dem Material macht
Yeşim Meisheit hat eine Stimme, die gut zur Tonlage dieser Geschichte passt. Sie ist klar, hat ein natürliches Erzähltempo und verfällt nicht in das leicht überdehnende Sprechen, das viele Cozy-Krimis im Hörbuchformat kennzeichnet. Die humorvollen Szenen wirken, weil sie nicht überzeichnet werden. Harlow klingt überfordert, aber nicht hysterisch. Das ist die richtige Wahl für eine Protagonistin, die eigentlich nur ihre Zeitung retten und dabei zufällig einen Mord lösen will.
Mit 5 Stunden und 49 Minuten ist das Hörbuch kürzer als viele Wettbewerber im Cozy-Fantasy-Bereich. Das ist kein Nachteil. Die Geschichte ist vollständig, hat Anfang, Mitte und Ende, und hält ihr Versprechen.
Die Frage nach dem Lektorat
Eine Rezension von Papyrus wies darauf hin, dass man das fehlende Lektorat merke und die Charaktere farblos wirkten. Das ist nicht ganz falsch. Harlow ist als Figur funktional aufgebaut, ihre Cousinen sind eher Typen als Charaktere. Wer von einem Cozy-Mystery-Hörbuch dasselbe erwartet wie von einem literarischen Roman, wird enttäuscht sein.
Aber das wäre die falsche Erwartung. Diese Reihe bedient einen klaren Unterhaltungsauftrag. Sie will leicht und witzig sein, und das schafft sie. Pat beschreibt es direkt in seiner Rezension: Er konnte die englischen Originale kaum erwarten, als die deutschen Übersetzungen noch nicht da waren. Das sagt etwas über die Bindung, die diese Reihe erzeugt.
Für wen die Torrent-Hexen taugen
Wer entspannte Unterhaltung mit magischem Kleinstadtcharme sucht, wer keinen hohen Anspruch an die Psychologie der Figuren stellt und wer einen guten Witz über eine italienische Espressomaschine zu schätzen weiß, der findet hier genau das. Die Reihe besteht aus mehreren Bänden, und dieser erste funktioniert als eigenständige Einheit mit Teaser-Ende.
Wer literarisch anspruchsvolle Fantasy mit vielschichtigen Figuren sucht, sollte woanders schauen. Das ist keine Kritik, das ist Genrerealistik.