Auf einen Blick
- Narration: Regine Lange verleiht Saeris eine eigenständige Stärke und trifft Kingfishers griesgrämige Wärme überzeugend – die Chemie zwischen den beiden trägt auch im Hörbuch.
- Themen: Seelenverwandtschaft unter Druck, Pflicht gegen persönlichen Wunsch, zwei Welten im Konflikt
- Stimmung: Düster und mitreißend, mit emotionalen Höhepunkten im letzten Drittel
- Fazit: Wer Quicksilver geliebt hat, wird Brimstone trotz langsamem Einstieg nicht weglegen können.
Es war ein Sonntagnachmittag im Januar, grau und verregnet, als ich mit Brimstone anfing. Ich hatte Quicksilver damals auf einer Zugfahrt verschlungen und mir vorgenommen, den zweiten Band mit etwas mehr Ruhe anzugehen. Das hat nicht ganz geklappt. Nach etwa drei Stunden saß ich immer noch auf der Couch, die Decke weggekickt, das Handy auf lautlos gestellt. So ist das mit Callie Harts Fae-Welt: Man denkt, man hat sie im Griff, und dann hat sie einen wieder.
Brimstone ist der zweite Band der Fae-und-Alchemy-Reihe und setzt unmittelbar nach der Krönung von Saeris Fane an. Was auf den ersten Blick nach einem klassischen Throne-Auftakt klingt, entwickelt sich schnell in eine Geschichte mit mehreren Blickwinkeln, die die Welt Callie Harts deutlich auffaltet. Kingfisher, Carrion Swift, Saeris selbst – das Buch verteilt seine Perspektiven, und genau das ist seine größte Stärke.
Wenn mehrere Stimmen eine Welt bauen
Der auffälligste Unterschied zu Quicksilver ist der Wechsel zu mehreren Erzählperspektiven. Saeris ist nicht mehr die einzige Linse, durch die wir alles sehen. Kingfisher bekommt eigene Kapitel, die seinen charakteristischen Zynismus von innen zeigen, und das verändert die Dynamik der Seelenverwandten-Beziehung erheblich. Man sieht jetzt, was er denkt, wenn Saeris ihm Kontra gibt, und das ist oft komischer und gleichzeitig rührender als erwartet. Carrion Swift bleibt dabei der Charakter, dem man am wenigsten vertrauen kann und dem man dennoch am meisten zuhören will. Hart schreibt ihn als jemanden, der in jeder Szene das Gleichgewicht verschiebt, und das gelingt ihr gut.
Regine Lange navigiert diese drei Stimmen mit Bedacht. Sie verändert Rhythmus und Tonlage je nach Perspektive, ohne es zu übertreiben. Kingfishers innerer Monolog klingt bei ihr schwerer, mahlend fast, während Saeris eine nervöse Energie behält, die die Figur von Anfang an ausgezeichnet hat. Ob sie bei männlichen Nebenfiguren immer vollständig überzeugt, ist Geschmackssache. Aber sie hält das Gefüge zusammen.
Die ersten zweihundert Seiten und was danach kommt
Ehrlich gesagt: Der Anfang zieht sich. Mehrere Hörerinnen haben das in ihren Rezensionen angesprochen, und ich kann es bestätigen. Die Geschichte braucht Zeit, um Fahrt aufzunehmen. Die ersten drei Stunden des Hörbuchs sind eher Positionierung als Aktion – Saeris nimmt ihre neue Rolle an, während sich Kingfisher und Carrion auf ihre Mission vorbereiten. Wer Brimstone direkt nach Quicksilver hört, ohne eine Erinnerungsfrischung, könnte die ersten Kapitel als orientierungslos empfinden.
Aber dann, irgendwo nach der Hälfte, schaltet das Buch in einen anderen Gang. Die Handlungsstränge laufen zusammen, alte Fragen aus dem ersten Band bekommen Antworten – und zwar solche, die man nicht kommen sieht. Eine Rezensentin beschrieb es als so viele Antworten und so viel Gänsehaut, und das ist keine Übertreibung. Hart legt Fäden aus, die man erst im Rückblick erkennt. Das letzte Drittel ist das stärkste Drittel, und das ist kein Widerspruch, sondern die Art, wie diese Autorin arbeitet.
Übersetzung: Das unerwähnte Problem
Ein Punkt, den man nicht übergehen sollte: Die Übersetzungsqualität des deutschen Textes ist ungleichmäßig. Im ersten Drittel ist die Sprache ausdrucksstark und präzise – eine Rezensentin lobte die Wortwahl als wirklich göttlich. Das zweite und dritte Drittel wurde nach Meinung derselben Leserin deutlich schwächer übersetzt, mit auffälligen Inkonsistenzen in der Terminologie. Für Hörerinnen, die die englische Originalausgabe kennen, kann das störend sein. Für jene, die zum ersten Mal in diese Welt eintauchen, fällt es wahrscheinlich weniger auf – aber es ist ein Manko, das bei einer Produktion dieser Größe nicht sein müsste.
Für wen dieses Hörbuch gemacht ist
Wer Quicksilver noch nicht gehört hat, sollte das zuerst tun. Brimstone setzt Kenntnis des ersten Bandes voraus und macht sich keine Mühe, Neulinge einzuführen. Das ist keine Schwäche, sondern eine Entscheidung – und eine nachvollziehbare. Die Fae-und-Alchemy-Reihe ist als kohärentes Ganzes angelegt, nicht als Standalone-Serie.
Wer hingegen schon weiß, wer Kingfisher ist und warum Carrion Swift so viele Leserinnen begeistert, wird hier auf seine Kosten kommen. Brimstone ist kein perfektes Hörbuch – der schleppende Einstieg und die ungleichmäßige Übersetzung sind reale Punkte. Aber die Geschichte, die Hart erzählt, hat Tiefe und emotionale Konsequenz, die viele Romantasy-Produktionen nicht erreichen. Und das Finale, das ich kurz vor Mitternacht hörte, hat mich mit offenem Mund zurückgelassen.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich Quicksilver kennen, um Brimstone zu verstehen?
Ja, unbedingt. Brimstone setzt direkt nach dem Ende von Quicksilver an und erklärt die Vorgeschichte nicht neu. Wer den ersten Band nicht kennt oder länger nicht gelesen hat, sollte ihn vorher noch einmal hören oder zumindest kurz nachlesen.
Wie unterscheidet sich Brimstone vom ersten Band durch die mehreren Perspektiven?
In Quicksilver ist Saeris die einzige Erzählerin. In Brimstone kommen Kingfisher und andere Figuren als eigene Perspektiven hinzu, was die Welt breiter auffaltet und die Seelenverwandten-Dynamik aus neuen Blickwinkeln zeigt.
Ist die Übersetzung durchgehend gut?
Nicht ganz. Das erste Drittel des Hörbuchs wird von Hörerinnen als sprachlich besonders stark gelobt. Im weiteren Verlauf sollen laut Rezensionen Inkonsistenzen in der Übersetzung auftreten, unter anderem bei feststehenden Charakterbezeichnungen.
Endet Brimstone an einem befriedigenden Punkt oder mit einem Cliffhanger?
Das Buch gibt viele offene Fragen aus Quicksilver eine Antwort und enthält überraschende Wendungen im letzten Drittel. Ob das Ende zufriedenstellend abschließt oder weitere Bände ankündigt, hängt von der eigenen Erwartungshaltung an eine Reihe ab – der Schluss wird von den meisten Rezensionen als emotional aufwühlend beschrieben.