1913 - Was ich unbedingt noch erzählen wollte
Hörbuch & E-Book

1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte, by Gesprochen von: Ulrich Noethen

Von Gesprochen von: Ulrich Noethen

Gesprochen von Spieldauer: 7 Std. und 11 Min.

★★★★★ 4.5/5 (697 Bewertungen)
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Über dieses Hörbuch

Sie hätten sich gewünscht, dass das Buch « 1913 » von Florian Illies noch lange nicht zu Ende ist? Seien Sie beruhigt: Dem Autor ging es genauso. In den sechs Jahren seit dem Erscheinen seines Bestsellers hat er immer weiter nach neuen Geschichten aus diesem unglaublichen Jahr gesucht – und sie gefunden. Illies erzählt mit Poesie, Witz und sprachlicher Eleganz von seinen neuen Funden: wie Hermann Hesse auf Skiern aus seiner Ehe flieht, Marcel Proust seine Kritiker mit Gebäck besticht und warum Giacomo Puccini keine Lust mehr auf ein Duell hat. Freuen Sie sich auf neue Geschichten, die so unglaublich sind, dass sie wahr sein müssen.

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Ulrich Noethen liest mit warmem, leicht melancholischem Ton — sein Tempo passt ideal zu Illies’ mosaikhaftem Erzählstil, keiner der vielen Schauplatzwechsel klingt gehetzt.
  • Themen: Kulturgeschichte um 1913, Vorahnung des Weltkriegs, Künstlerschicksale
  • Stimmung: Heiter und nachdenklich zugleich, wie ein langes Gespräch beim letzten Glas Wein
  • Fazit: Wer den ersten Band liebt, findet hier ehrliche Ergänzung — kein Pflichtwerk, aber ein echtes Vergnügen für Fans von Illies’ Stil.

Ich habe dieses Hörbuch an zwei aufeinanderfolgenden Abenden gehört, die Fenster auf, der Frühling noch nicht ganz da. Es gibt Bücher, bei denen man wünscht, sie würden nie enden — und Bücher, bei denen man genau das nach dem Hören denkt, während man gleichzeitig merkt: Eigentlich war es gar nicht nötig. Bei Florian Illies’ « 1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte » pendele ich zwischen beidem.

Zur Einordnung: Das hier ist kein eigenständiges Buch, sondern eine Fortsetzung, genauer gesagt ein Nachklang zu « 1913: Der Sommer des Jahrhunderts » aus dem Jahr 2012. Wer diesen Vorgänger nicht kennt, sollte dort anfangen. Illies’ Methode — das fragmentarische Aneinanderreihen von Anekdoten, Tagebucheinträgen und Briefpassagen aus jenem letzten Jahr vor dem Großen Krieg — erschließt sich erst dann richtig, wenn man die ursprüngliche Form bereits erlebt hat. Hier gilt das umso mehr, weil Illies selbst einräumt: Er hatte einfach noch mehr Stoff.

Das Prinzip Fundstück

Was Illies macht, ist Geschichtsschreibung als Wunderkammer. Nicht Chronik, nicht Biographie, sondern Kabinett: Hier Hermann Hesse auf Skiern, der aus seiner Ehe flüchtet; dort Marcel Proust, der Kritiker mit Gebäck besänftigt. Giacomo Puccini, der kein Interesse mehr an einem Duell hat. Franz Kafka, immer wieder Franz Kafka, dessen Auftritt laut einem Hörer tatsächlich nie langweilig wird, weil Illies ihn stets aus einem neuen Winkel zeigt. Diese Methode hat einen bestimmten Rhythmus, und Ulrich Noethen trägt diesen Rhythmus mit bemerkenswerter Ruhe. Seine Stimme hat eine angenehme Schwere ohne Erhabenheit — er liest wie jemand, der selbst gern zuhören würde.

Noethen kennt dieses Material. Er hat bereits den ersten Band eingesprochen, und das hört man: kein Neustart, keine Orientierungsphase, sondern unmittelbares Vertrauen zwischen Stimme und Text. Wenn er zwischen den Figuren wechselt — Rilke, Kokoschka, Lenin in der Bibliothek — bleibt jede Erwähnung leicht unterscheidbar, ohne dass er in Kleintheatralik verfällt.

Was die Fortsetzung trägt und was sie kostet

Ehrlich gesagt: Der erste Band hatte eine Entdeckungsenergie, die hier nicht ganz wiederkehrt. Das ist keine Schwäche des Autors, sondern eine strukturelle Tatsache. Wer « 1913 » kannte, hat Illies’ Methode bereits internalisiert. Das Überraschungspotenzial des mosaikartigen Aufbaus ist zwangsläufig geringer, weil das Muster vertraut ist. Die Rezensionen der Hörerinnen und Hörer spiegeln das exakt: « Kommt nicht ans Original heran » schreibt einer, der das Buch trotzdem empfiehlt. Ein anderer nennt es « Lebensfreude am Abgrund » und trifft damit vielleicht den treffendsten Titel für das gesamte Projekt.

Denn das ist das Faszinierende: 1913 als Jahr steht für eine kollektive Ahnungslosigkeit, die wir im Rückblick kaum fassen. Illies nutzt das nicht als Moral, sondern als Atmosphäre. Europa tanzt, streitet, liebt, erfindet — und niemand ahnt, was 1914 bringt. Diese Spannung zwischen Leichtigkeit und Vorahnung gibt dem Hörbuch seine eigentliche Energie, und in den stärksten Passagen spürt man sie deutlich.

Sieben Stunden im Zeitstrom

Die Laufzeit von sieben Stunden und elf Minuten fühlt sich in kleinen Portionen am besten an. Das ist keine Kritik, sondern eine Empfehlung: Illies’ Fragmente entfalten ihre Wirkung besser als Abendlektüre denn als Marathon-Session. Ich habe nach zwei Abenden gemerkt, dass mir manche Figuren fehlten — Egon Schiele, Gustav Klimt, die Wiener Szene insgesamt — und gleichzeitig war klar, dass Illies eben nur das erzählen wollte, was er noch nicht erzählt hatte. Das setzt Prioritäten, und nicht alle Leerstellen fühlen sich bewusst gewählt an.

Was bleibt, ist ein Buch, das seinen Vorgänger voraussetzt und von ihm lebt — aber für Fans von Florian Illies’ Stil ist das kein Einwand. Noethens Lesart ist so sorgfältig, dass man vergisst, ein Hörbuch zu hören, und anfängt, einem Erzähler zuzuhören. Das ist der eigentliche Mehrwert des Formats hier.

Für wen, für wen nicht

Wer « 1913: Der Sommer des Jahrhunderts » noch nicht gehört oder gelesen hat, sollte dort beginnen — dieses Buch setzt die Kenntnis des ersten Bandes voraus und gewinnt seinen Reiz erst aus dem Kontrast. Wer den ersten Band liebt und bereit ist, die etwas niedrigere Entdeckungstemperatur zu akzeptieren, findet hier sieben vergnügliche Stunden. Wer Kulturgeschichte der Jahrhundertwende generell schätzt, aber den ersten Band nicht kennt, wird sich möglicherweise verloren fühlen. Für Hörerinnen und Hörer, die lieber stringente Handlungen bevorzugen, ist Illies’ fragmentarischer Ansatz generell nicht das richtige Format.

Häufig gestellte Fragen

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin