Auf einen Blick
- Sprecher: Laura Maire findet den richtigen Ton für Lisas kindliche Erzählstimme, warmherzig und lebhaft, ohne übertrieben zu klingen.
- Themen: Kindheit auf dem Land, Gemeinschaft und Freundschaft, schwedische Jahreszeiten und Feste
- Stimmung: Beschaulich und herzerwärmend, wie ein Sonntagmorgen ohne Verpflichtungen
- Fazit: Astrid Lindgrens Klassiker in einer gelungenen Neuaufnahme, die für Kinder ab etwa fünf Jahren und nostalgische Erwachsene gleichermaßen taugt.
Es gibt Bücher, die man nicht liest, sondern bei denen man ankommt. « Wir Kinder aus Bullerbü » ist so ein Buch. Ich habe es zum ersten Mal als Kind gehört, auf Kassette, in der Fassung, die bei uns zu Hause stand. Als ich jetzt die Neuaufnahme mit Laura Maire einlegte, war das erste, was mich traf, nicht die Geschichte, sondern das Gefühl. Das schwer zu greifende, fast körperliche Gefühl von Sommer ohne Schulpflicht.
Astrid Lindgren hat « Wir Kinder aus Bullerbü » 1947 veröffentlicht, und seitdem hat sich das Buch in die skandinavische Kindheitsmythologie eingearbeitet wie kaum ein anderes. Das Dorf Bullerbü gibt es nicht wirklich, aber jeder, der es als Kind gelesen oder gehört hat, kennt es trotzdem. Lisa, Lasse, Bosse, Inga, Britta und Ole sind keine Helden mit Abenteuern. Sie sind Kinder, die spielen, die Weihnachten feiern, die auf dem Heuboden schlafen und Hütten bauen. Das ist die ganze Geschichte. Und das reicht vollständig.
Was Laura Maires Stimme aus dem Text macht
Bullerbü hat Vorläufer: Es gab zwei Hörspielproduktionen, und die ältere war nach Meinung vieler Fans nicht besonders gelungen. Laura Maires Aufnahme wird in den Rezensionen explizit als Neuanfang gewürdigt, eine Sprecherin, die nicht zu alt klingt für Lisa, die tatsächlich wie ein Kind erzählt, das seinen Tag beschreibt. Das ist schwieriger als es klingt. Wer Kinderbücher professionell einspricht, muss eine Gratwanderung meistern: zu kindlich wird kitschig, zu erwachsen zerstört die Perspektive. Maire hält diese Balance gut.
Die Produktion ist mit einer Stunde und 36 Minuten knapp, aber das passt zum Text. Lindgren schreibt in kurzen Episoden, jede mit eigenem Abschluss. Das macht die Aufnahme auch für kleine Zuhörer geeignet, die noch keine lange Aufmerksamkeitsspanne haben. Man kann ein Kapitel hören und pausieren, ohne den Faden zu verlieren. Für Eltern, die das Buch abends als Einschlafhilfe nutzen wollen, ist das ein echter Vorteil.
Klassiker zwischen Nostalgie und heutiger Welt
Ein Rezensent hat angemerkt, dass die Rollenzuschreibungen in Bullerbü eindeutig und die Welt meistens ziemlich heile ist. Das stimmt. Lindgren schreibt aus einer anderen Zeit, und wer das Buch mit modernen Ansprüchen an Figurenvielschichtigkeit liest, wird sich an manchen Stellen reiben. Das ist eine legitime Beobachtung. Gleichzeitig ist es das, was das Buch für Kinder so zugänglich macht: Die Welt ist überschaubar, die Menschen sind gut, die Probleme lösbar. Das ist als Gegenentwurf zur realen Komplexität kein Fehler, sondern eine Entscheidung.
Für Erwachsene, die das Buch kennen, bietet die Hörbuchfassung etwas anderes als Neuentdeckung: Es ist die Möglichkeit, etwas Vertrautes noch einmal zu erleben, in einer Form, die man vielleicht mit Kindern teilen kann. Manche Bücher funktionieren als Brücken zwischen Generationen. « Bullerbü » ist eines davon.
Wer sollte reinhören, wer lieber nicht
Für Kinder ab etwa fünf Jahren, die noch keine langen Abenteuergeschichten brauchen und die das ruhige Erzähltempo mögen. Für Eltern, die einen Abendklassiker suchen, dem sie selber noch etwas abgewinnen können. Für Erwachsene mit Lindgren-Nostalgie. Wer hingegen actionreiche Kindergeschichten erwartet oder Hörbücher mit vielen Charakterstimmen bevorzugt, findet hier nicht das Richtige. Laura Maires Solo-Erzählung hat ihren Charme, ist aber kein Hörspiel mit Sounddesign und Musik.