Auf einen Blick
- Sprecher: Rufus Beck ist in seiner Paradedisziplin. Seine Stimme trägt das Märchenland mit Wärme, Charakter und spielerischer Energie.
- Themen: Klassische Märchenwelt neu interpretiert, Geschwisterband, Heimweh und Mut
- Stimmung: Bunt, abenteuerlich, warmherzig mit gelegentlichen Längen
- Fazit: Ein unterhaltsames Familienhörbuch, das seinen besten Effekt auf langen Autofahrten entfaltet, wenn Rufus Becks Stimme die Kinder ins Märchenland zieht.
Es war eine dieser langen Samstagsfahrten mit meiner Nichte und meinem Neffen, bei der ich Das Hörbuch-Thema üblicherweise einfach den Kindern überlasse. Diesmal hatte ich Die Suche nach dem Wunschzauber vorbereitet, und ich war gespannt, wie lange es dauern würde, bis einer der beiden fragte, ob wir nicht lieber Musik hören wollten. Die Frage kam nicht. Nach knapp zwei Stunden auf der Autobahn wollte meine Nichte stattdessen wissen, ob wir bei der nächsten Rast das Hören einfach fortsetzen könnten.
Das ist das unmittelbarste Qualitätsmerkmal, das ich für ein Kinderhörbuch vergeben kann.
Chris Colfers Land-of-Stories-Serie ist in den USA seit Jahren ein Bestseller-Phänomen. Der erste Band, Die Suche nach dem Wunschzauber, schickt die Zwillinge Alex und Conner durch ein altes Märchenbuch ins Märchenland, wo sie auf Schneewittchen, Dornröschen, Rotkäppchen und viele weitere Figuren treffen, die alle ein wenig anders sind als erwartet. Rotkäppchen zum Beispiel ist, laut Synopsis, eine richtige Zicke. Das ist kein Zufall. Colfer macht den Spaß am Subvertieren von Erwartungen zu einem Erzählprinzip.
Rufus Beck und das Gewicht einer Stimme
Es gibt Hörbücher, die man sich ohne ihren Sprecher nicht vorstellen kann. Die Suche nach dem Wunschzauber ist für deutschsprachige Hörerinnen und Hörer ohne Frage ein solches. Rufus Beck, der in Deutschland vor allem durch die Harry-Potter-Reihe eine Generation von Kindern und Erwachsenen ins Bücher-Hören gebracht hat, bringt dieselbe unverwechselbare Qualität mit: Er gibt jedem Charakter eine eigene Stimme, ohne karikierend zu übertreiben. Er findet den Rhythmus einer Szene instinktiv und lenkt damit die Spannung, ohne dass man es bewusst merkt.
Ein Rezensent schreibt: Der Sprecher ist gewohnt toll. Das ist wohltuend untertrieben. Beck macht mehr als vorlesen. Er erschafft eine akustische Welt, in der die Grenze zwischen dem Märchenland und dem Auto, dem Kinderzimmer oder wo auch immer man gerade hört, weich wird. Das ist selten, und es erklärt, warum so viele Menschen Beck als den deutschen Benchmark für Kinderhörbücher sehen.
Was das Buch leistet und wo es sich Zeit lässt
Chris Colfer erzählt mit einem klaren Herzstück: Alex und Conner, die ihren Vater verloren haben, und die Großmutter, die ihnen durch Märchen eine Verbindung zu ihm erhalten hat. Dieser emotionale Unterton ist kein Zufall und keine Beiläufigkeit. Er gibt der Geschichte eine Tiefe, die über das reine Abenteuer hinausgeht, und erklärt, warum das Buch sowohl Kinder als auch begleitende Erwachsene anspricht.
Allerdings hat das Hörbuch seine Längen. Ein Rezensent schreibt: Er hat schon so seine Längen, was das Hörvergnügen etwas einschränkt. Das ist eine faire Beobachtung. Colfer neigt dazu, bestimmte Sequenzen, insbesondere die Entdeckungsreisen durchs Märchenland, sehr ausführlich auszugestalten. Das ist für Leser ein Genuss, für Hörer in bewegter Umgebung gelegentlich eine Geduldsprobe. Bei fast 13 Stunden Laufzeit merkt man das mehr als bei einem kürzeren Buch.
Das ändert aber nichts daran, dass der Gesamtbogen funktioniert. Der Abschluss des ersten Bandes ist rund, die Hauptfragen werden beantwortet, und gleichzeitig wird genug offen gelassen, dass der zweite Band eine natürliche Fortsetzung wird. Mehrere Rezensenten berichten, die gesamte Serie gehört zu haben, und die Begeisterung klingt in keiner Rezension ab.
Wann und wo man dieses Hörbuch am besten hört
Die Suche nach dem Wunschzauber eignet sich am besten für gemeinsames Hören, auf Autofahrten, in ruhigen Abendstunden oder als Einschlaf-Begleitung für ältere Kinder. Der Stoff ist für Kinder ab etwa acht oder neun Jahren geeignet, die die klassischen Märchen kennen, die hier neu interpretiert werden. Ohne dieses Vorwissen gehen einige der witzigsten Momente verloren. Kleinere Kinder unter sieben Jahren werden mit der Handlungsdichte stellenweise überfordert sein.
Für Erwachsene, die allein hören, ist es eine angenehme, leichte Unterhaltung, solange man sich von Rufus Becks Vortragskunst tragen lässt und keine literarische Komplexität erwartet. Das Buch ist für Kinder geschrieben, und das ist vollkommen in Ordnung.