"... und nie kann ich vergessen"
Hörbuch & E-Book

"… und nie kann ich vergessen", by Tim Pröse and Hans-Erdmann Schönbeck

Von Tim Pröse, Hans-Erdmann Schönbeck

Gesprochen von Gordon Piedesack

★★★★★ 4.4/5 (459 Bewertungen)
🎧 5 Stunden und 45 Minuten 📘 Verlag Michael John Media 🌐 Deutsch
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Über dieses Hörbuch

Hans-Erdmann Schönbeck lag mit schwersten Verletzungen und erblindet vor Stalingrad und hatte keine Hoffnung. Doch er wurde gerettet. Als einer der letzten wurde er aus der Hölle geflogen.

Fast 80 Jahre später, mit knapp 100 Jahren Lebensweisheit, blickt Schönbeck nun gemeinsam mit Spiegel-Bestseller-Autor Tim Pröse zurück: Auf seinen inneren Widerstand gegen Hitler. Auf die verpasste Gelegenheit, ihn zu töten, als Schönbeck nach der Schlacht in Hitlers Nähe kommandiert wird. Ein paar Nächte schläft er auch neben Graf Stauffenbergs Bombe. All das beschäftigt ihn, doch es bricht ihn nicht. Er macht steile Karriere in der Automobilindustrie und bleibt voller Demut und Dankbarkeit, gerettet worden zu sein. Mit dem großen Wissen, was Freiheit und Diktatur wirklich bedeuten, spricht er über alte und neue Werte. Und das, was uns Menschen zusammenhält.

Ein einfühlsames Porträt und ein Appell an die Menschlichkeit von einem der letzten Stalingrad-Überlebenden.

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Gordon Piedesack liest mit zurückhaltendem Respekt vor dem Zeitzeugen — keine dramatische Überhöhung, was dem Material gut steht.
  • Themen: Kriegserinnerung, innerer Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Dankbarkeit und Demut
  • Stimmung: Eindringlich und nachdenklich, mit Momenten echter Stille
  • Fazit: Ein seltenes Zeugnis, das man gehört haben sollte, solange es noch von einem Überlebenden erzählt werden kann.

Es war ein Sonntagabend, und ich wollte eigentlich etwas Leichtes hören. Stattdessen saß ich drei Stunden lang reglos auf meiner Couch und hörte einem Mann zu, der fast hundert Jahre alt ist und über Stalingrad spricht. Nicht als Abstraktion, nicht als Historiker, sondern als jemand, der mit schwersten Verletzungen und erblindet aus dem Kessel geflogen wurde — und der das noch immer mit sich trägt, ruhig, ohne Bitterkeit, aber ohne je zu vergessen.

Hans-Erdmann Schönbeck ist einer der letzten Überlebenden dieser Katastrophe. Spiegel-Bestseller-Autor Tim Pröse hat seine Geschichte aufgenommen — und « … und nie kann ich vergessen » ist das Ergebnis: kein Kriegsepos, keine Heldengeschichte, sondern ein einfühlsames Portrait, das sich beim Zuhören wie ein Gespräch am Küchentisch anfühlt, bei dem jemand endlich sagt, was er jahrzehntelang kaum aussprechen konnte.

Die Nähe zur Bombe und was Schönbeck daraus macht

Was mich bei diesem Hörbuch am stärksten getroffen hat, ist nicht das Grauen von Stalingrad selbst — das ist gut dokumentiert –, sondern die Momente, in denen Schönbeck an der Geschichte der Geschichte reibt. Er war nach der Schlacht in Hitlers Nähe kommandiert worden. Er hätte handeln können. Er tat es nicht. Und er schläft in der Folge neben der Bombe, die Graf Stauffenberg vorbereitet. Diese Schnittstellen zwischen dem persönlichen Schicksal eines einzelnen Soldaten und der großen Katastrophe des Jahrhunderts sind das eigentliche Herz des Buches. Schönbeck war kein Nationalsozialist, er war ein Mensch in einem System, das er nicht gewählt hatte, der versuchte, so zu handeln, wie sein Gewissen es ihm erlaubte. Dass er das ohne Selbstglorifizierung erzählt, ist bemerkenswert.

Was Gordon Piedesack der Stille erlaubt

Gordon Piedesack liest dieses Hörbuch mit einer Zurückhaltung, die ich selten bei solchem Material erlebe. Er dramatisiert nicht. Er hebt die Stimme nicht in Schlüsselmomenten, er wirft keine emotionale Signalwirkung in die Sätze. Das ist die richtige Entscheidung. Schönbecks Geschichte trägt sich selbst, und jeder Versuch, ihr mit Sprechertechnik auf die Sprünge zu helfen, hätte ihr etwas weggenommen. Was bleibt, ist die Klarheit des Textes — und eine Stille dahinter, die man beim Zuhören tatsächlich hört.

Ein fast hundertjähriger Mann über Freiheit und Diktatur

Der zweite Teil des Hörbuchs verlagert sich vom Krieg in Schönbecks Nachkriegsleben: die steile Karriere in der Automobilindustrie, das Bemühen, ein normales Leben aufzubauen nach dem, was er erlebt hat. Und dann, aus dieser Lebenssicht von fast hundert Jahren, seine Gedanken über Freiheit, Diktatur und was Menschen zusammenhält. Diese Passagen sind es, die das Hörbuch aus dem Genre der reinen Kriegsdokumentation herausheben. Schönbeck spricht als Zeitzeuge über alte und neue Werte, und man spürt, dass er damit nicht rhetorisch agiert, sondern aus einem gelebten Verstehen heraus. Ein Reviewer schrieb, er habe sich gefragt, wie Menschen wie Schönbeck ihre furchtbare Vergangenheit betrachten. Diese Antwort bekommt man hier.

Was diese Geschichte heute bedeutet

Dieses Hörbuch hat eine Laufzeit von knapp sechs Stunden. Das ist wenig für das, was es enthält. Pröse hat in dieser Kürze keine Dramatik erzwungen, keine Szenen überladen. Die Knappheit ist eine Form von Respekt vor dem Zeitzeugen und vor dem Zuhörer. Ich habe das Hörbuch nicht in einem Rutsch gehört — nicht weil es langweilig wäre, sondern weil ich nach bestimmten Passagen Zeit brauchte. Das passiert mir nicht oft.

Mit einer Bewertung von 4,4 bei fast 460 Bewertungen ist dieses Hörbuch kein Geheimtipp mehr. Aber ich glaube, es verdient mehr Aufmerksamkeit als der übliche Bestseller-Kreislauf ihm zugesteht. Zeitzeugenliteratur dieser Art wird seltener, je älter das 20. Jahrhundert wird. « … und nie kann ich vergessen » ist ein Dokument, das zählt.

Wer sollte zuhören, wer lieber nicht

Wer zeitgeschichtliche Memoiren schätzt, wer sich für den Zweiten Weltkrieg jenseits der bekannten Narrative interessiert, und wer bereit ist, sich auf eine ruhige, nachdenkliche Lesung einzulassen, ist hier richtig. Wer eine dramatische Produktion mit Musik und Soundeffekten erwartet oder ein reines Abenteuernarrativ, sucht woanders. Auch für alle geeignet, die verstehen wollen, was es bedeutet, inneren Widerstand zu leisten, ohne Held zu sein.

Häufig gestellte Fragen

Ist dieses Hörbuch auch für jüngere Hörerinnen und Hörer zugänglich, die wenig Vorwissen über Stalingrad haben?

Ja. Pröse erklärt die historischen Zusammenhänge durch Schönbecks persönliche Perspektive, ohne eine Vorlesung zu halten. Man muss keine Schlachtenkenntnisse mitbringen — die Geschichte erschließt sich durch den Menschen, der sie gelebt hat.

Wie geht das Hörbuch mit der Schuldfrage um? Schönbeck war schließlich Teil der Wehrmacht.

Das ist eine der klügsten Qualitäten dieses Buches: Pröse und Schönbeck weichen dieser Frage nicht aus, vereinfachen sie aber auch nicht. Schönbeck war kein Nationalsozialist, hatte Gelegenheit zu handeln und tat es nicht — und er trägt das ohne Entschuldigung, aber auch ohne Selbstgeißelung. Das ist komplexer als viele Kriegsmemoiren.

Hat Gordon Piedesack als Sprecher eine eigene Persönlichkeit in der Produktion, oder tritt er komplett hinter dem Text zurück?

Piedesack tritt deutlich hinter dem Text zurück — was hier die richtige Wahl ist. Seine Stärke liegt in der Sorgfalt: Er liest präzise, hält das Tempo ruhig, und überlässt den emotionalen Eindruck dem Inhalt. Wer einen Sprecher sucht, der mit der eigenen Persönlichkeit auffällt, findet das hier nicht.

Warum ist das Hörbuch nur knapp sechs Stunden lang? Fehlt da etwas?

Die Kürze ist eine Stärke, keine Schwäche. Pröse hat das Wesentliche verdichtet, ohne zu dramatisieren oder aufzufüllen. Die sechs Stunden sind dichter als manches zwölfstündige Werk. Wer mehr Hintergrund zur Stalingrad-Kampagne will, kann das Hörbuch mit ergänzender Lektüre kombinieren — aber als Zeugnis ist es vollständig.

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin