Totenblüte
Hörbuch & E-Book

Totenblüte, by Ann Cleeves

Von Ann Cleeves

Gesprochen von Heide Domanowski

★★★★☆ 4.2/5 (643 Bewertungen)
🎧 13 Stunden und 28 Minuten 📘 Audio-To-Go Publishing Ltd. 📅 24 août 2022 🌐 Deutsch
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Über dieses Hörbuch

Auftakt der Vera Stanhope-Krimireihe von Spiegel-Bestsellerautorin Ann Cleeves.

Ein heißer Sommerabend an der Küste Northumberlands. Wie hatte sich Julie Armstrong auf ihr erstes Date seit Jahren gefreut. Doch bei ihrer Rückkehr erwartet sie ein schreckliches Bild: Ihr Sohn Luke liegt tot in der Badewanne, auf dem Wasser schwimmen Blüten. Wenig später treibt die attraktive Referendarin Lily im Teich inmitten von Blumen – ein schauriges Gemälde. Die inszenierten Morde geben Kommissarin Vera Stanhope und ihrem Kollegen Joe Ashworth Rätsel auf. Doch sie wissen: Der Mörder wird wieder zuschlagen – bis das Kunstwerk des Todes vollendet ist…

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Auf einen Blick

  • Sprecher: Heide Domanowski verleiht Vera Stanhope genau die richtige Mischung aus Schroffheit und Wärme – eine Sprecherin, die dem Original gerecht wird.
  • Themen: Inszenierter Tod als Kunstwerk, gesellschaftliche Außenseiter, ländliche Gemeinschaft und ihre Geheimnisse
  • Stimmung: Gedämpft und atmosphärisch, mit einem langen, langsamen Aufbau, der in einem befriedigenden Finale mündet
  • Fazit: Wer britische Krimis mit Ecken und Kanten und einer ungewöhnlichen Ermittlerin mag, findet hier einen soliden Serienauftakt – aber Geduld ist gefragt.

Ich erinnere mich noch genau, wann ich mit « Totenblüte » angefangen habe. Es war ein Sonntagvormittag, grau und feucht, und ich hatte mir fest vorgenommen, nichts Anspruchsvolles zu hören. Ich wollte einfach nur in eine Geschichte eintauchen und den Tag vergessen. Northumberland im Hochsommer, Küstenluft, ein Dorf mit zu vielen Geheimnissen – das klang nach genau dem Richtigen. Was ich nicht erwartet hatte, war eine Ermittlerin wie Vera Stanhope.

Ann Cleeves, die Schöpferin von Shetland und eben dieser Vera-Reihe, versteht die Kunst des langsamen Aufbaus. « Totenblüte » ist der erste Band der Reihe, und Cleeves nimmt sich die Zeit, die sie braucht. Manche werden das als Stärke empfinden, andere – wie eine Rezensentin es treffend formulierte – als Längen. Beides stimmt.

Eine Ermittlerin, die man nicht mögen muss, um sie zu schätzen

Vera Stanhope ist kein Sympathieträger im klassischen Sinne. Sie ist unordentlich, direkt bis zur Unhöflichkeit, gelegentlich rücksichtslos – und vollkommen unbeeindruckt davon, was andere von ihr denken. Heide Domanowski trifft diese Figur in ihrer Sprechleistung erstaunlich gut. Sie gibt Vera keine falsche Wärme, kein künstliches Charisma. Stattdessen transportiert sie die Eigenwilligkeit der Figur mit einer Stimme, die zugleich trocken und präsent ist. Wer die TV-Serie mit Brenda Blethyn kennt, wird zunächst einen Moment brauchen, um sich umzugewöhnen. Aber Domanowski entwickelt ihre eigene Interpretation, und die funktioniert.

Ihr Kollege Joe Ashworth bleibt in diesem ersten Band noch recht blass – das ist weniger ein Fehler von Cleeves als eine bewusste Entscheidung. Er ist Veras Gegenpart, jünger, korrekter, unsicherer. Domanowski gibt auch ihm eine eigene Stimme, ohne ihn zu überzeichnen.

Zwei Tote, zwei Familien, ein Muster aus Blumen

Der Fall selbst ist ungewöhnlich inszeniert: Lukes Leiche in der Badewanne, umgeben von Blüten. Kurz darauf Lily im Teich, ebenfalls eingerahmt von Blumen. Der Mörder arrangiert seine Szenen wie ein Künstler – ein Detail, das dem Buch seinen deutschen Titel gibt und das im Verlauf der Geschichte eine immer dunklere Bedeutung annimmt. Cleeves verknüpft diese Morde mit zwei sehr unterschiedlichen Familien: der alleinerziehenden Julie Armstrong mit ihrem lernbehinderten Sohn Luke, und einer scheinbar perfekten Akademikerfamilie, die auf ihrem Landsitz einen Geburtstag feiert, als die zweite Leiche gefunden wird.

Was die Autorin interessiert, ist nicht die Sensation des Verbrechens, sondern die sozialen Gefüge dahinter. Wer gehört dazu, wer nicht? Wer wird gesehen, wer übersehen? Luke war ein Außenseiter, Lily war eine Fremde. Der Täter wählt seine Opfer nicht zufällig – und Vera weiß das. Diese Fragen geben dem Roman eine gesellschaftliche Tiefe, die über das Genre hinausweist. Gleichzeitig sind es genau diese langen Gesellschaftsportäts, die das Tempo der Geschichte gelegentlich bremsen.

Die britische Art zu ermitteln

Eine Rezensentin schrieb, das Buch sei « herrlich british und im besten Sinne altmodisch ». Das trifft es. « Totenblüte » hat wenig Actionsequenzen, keine rasanten Wendungen im Minutentakt. Es gibt Tee, es gibt Cottages, es gibt Menschen, die nicht miteinander reden, obwohl sie es sollten. Die Ermittlung ist Handwerk: Gespräche, Beobachtung, das langsame Zusammensetzen eines Bildes. Für Hörerinnen und Hörer, die mit dieser britischen Tradition vertraut sind – denken wir an Ruth Rendell oder P.D. James – ist das kein Problem. Wer dagegen den schnellen Puls eines nordischen Thrillers erwartet, könnte hier Geduld brauchen.

Domanowskis Leseleistung trägt über die ruhigeren Passagen hinweg. Sie gibt dem Buch ein Erzähltempo, das sich anfühlt wie ein langer Spaziergang an der Küste Northumberlands – nicht ohne Anstrengung, aber mit dem Versprechen, dass sich am Ende das Bild zusammenfügt. Und das tut es. Die Auflösung ist sauber, emotionell überraschend und besser als der Fernsehfilm, wenn man der Mehrheit der Rezensionen glauben darf.

Wer sollte hier einschalten, wer lieber nicht

« Totenblüte » ist für Hörerinnen und Hörer, die britische Krimis mit gesellschaftlicher Tiefe mögen und bereit sind, einer Figur zu folgen, die sie nicht auf Anhieb mögen werden. Es ist ein Serienauftakt, der nicht mit Action überwältigt, sondern mit Atmosphäre überzeugt. Wer ungeduldig wird, wenn eine Geschichte erst nach einigen Stunden richtig Fahrt aufnimmt, sollte sich das gut überlegen. Wer aber eine unverwechselbare Ermittlerin und einen sorgfältig konstruierten Fall zu schätzen weiß, wird verstehen, warum diese Serie so viele treue Leserinnen hat. Die 13 Stunden und 28 Minuten mit Domanowski vergehen – mit kleinen Ausnahmen – angenehm.

Häufig gestellte Fragen

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Lena Bergmann

Von Lena Bergmann

Gründerin & Literaturkritikerin