Auf einen Blick
- Sprecher: Thomas Schmuckert liest mit ruhiger, zurückgenommener Sachlichkeit, die dem nüchternen skandinavischen Krimi-Stil gut steht, manchmal aber etwas Distanz zum emotionalen Kern der Figuren erzeugt.
- Themen: Organisierte Bandenkriminalität, Trauer und Neuanfang, ungleiches Ermittlerteam
- Stimmung: Kühl und angespannt, mit wachsender Dringlichkeit
- Fazit: Ein solider Serienauftakt mit interessantem Duo, der seine stärksten Momente hat, wenn die persönlichen Geschichten der Figuren mit dem Fall verwoben werden.
Es war ein Dienstagabend, und ich saß noch im Büro, als ich die ersten Minuten von « Tode, die wir sterben » anschlug. Eigentlich wollte ich nur kurz reinhören. Zwei Stunden später war ich immer noch dabei, und die Unterlagen auf meinem Schreibtisch blieben unberührt. So fängt das manchmal an mit einem neuen Ermittlerduo.
Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson sind kein unbekanntes Gespann in der deutschen Krimiszene. Mit ihrer Elin-Löwenherz-Reihe haben sie sich bereits eine treue Leserschaft aufgebaut. « Tode, die wir sterben » ist nun der Auftakt einer neuen Serie, die in Malmö spielt und mit zwei völlig neuen Protagonisten kommt: Jon Nordh, ein frischverwitweter Kommissar, der gleichzeitig Vollzeit-Vater werden muss, und Svea Karhuu, eine nordschwedische Ermittlerin, die nach einem nicht näher beschriebenen Fehlgriff in die Stadt strafversetzt wird. Das klingt nach bewährter Krimi-Formel. Was das Buch daraus macht, ist differenzierter.
Malmö als dritte Ermittlerin
Was Roman Voosen und Danielsson gut gelingt, ist das Milieu. Das Brennpunktviertel Hermodsdal, wo ein dreizehnjähriger Junge bei einem Drive-by-Shooting erschossen wird, ist kein Kulissenpappaufsteller. Die Autoren kennen die sozialen Gräben dieser Stadt, die Revierkämpfe, die Logik der Banden, die Sprache der Straße. Der Fall wirkt nicht wie eine konstruierte Krimiprämisse, sondern wie etwas, das man aus den Nachrichten kennt. Das verleiht der Geschichte ein Gewicht, das genre-typische Schweden-Krimis oft schuldig bleiben.
Der tote Junge ist keine Chiffre. Bevor er stirbt, bevor die Polizei und die Presse ihn zum Symbol eines Bandenkrieges machen, lernen wir ihn ein wenig kennen. Und dann ist er weg. Das ist der emotionale Kern des Buches, und er sitzt.
Das Duo braucht Zeit, um sich zu finden
Nordh und Karhuu funktionieren noch nicht reibungslos zusammen, und das ist mit Absicht so. Nordh steht unter dem Doppeldruck von Trauer und Alleinerziehung, Karhuu schleppt ein Geheimnis mit sich, das erst nach und nach sichtbar wird. Die Spannung zwischen den beiden ist weniger dramatisch aufgeblasen als in vielen Serienauftakten, dafür echter. Sie gehen sich auf die Nerven auf leise, berufsbedingte Weise, und das macht sie glaubwürdiger als Figuren, die sich von der ersten Seite an gegenseitig die schwersten Wahrheiten ins Gesicht schleudern.
Einige Leser, wie « S. Schreiber » in den Rezensionen, finden das Ganze etwas trivial. Ich verstehe den Einwand, teile ihn aber nur bedingt. Der erste Band einer Reihe muss viel Grundlagenarbeit leisten, und Voosen/Danielsson tun das sorgfältig. Wer spektakuläre Wendungen und hochdramatische Showdowns sucht, wird vielleicht unbefriedigt bleiben. Wer sich auf das langsame Herantasten an zwei interessante Figuren einlassen kann, bekommt solides Handwerk.
Thomas Schmuckert am Mikrofon
Der Sprecher Thomas Schmuckert setzt auf Zurückhaltung. Seine Stimme ist ruhig, klar artikuliert, ohne theatralische Ausbrüche. Für den schwedisch-nüchternen Grundton der Geschichte passt das. Er liest den Fall so, wie Nordh ihn vermutlich erleben würde: mit professioneller Distanz, hinter der man die persönliche Betroffenheit ahnt, aber nicht laut herausschreien hört. In den emotional aufgeladenen Momenten, etwa wenn Nordh an seine verstorbene Frau denkt, hätte ich mir gelegentlich etwas mehr Wärme gewünscht. Aber das ist Geschmackssache.
Ein Hinweis, den eine Leserin in den Bewertungen anspricht: Das Buch enthält vereinzelt schwedische oder englische Ausdrücke, die in der Übersetzung stehen geblieben sind. Im Hörbuch fällt das weniger auf als beim Lesen, aber es ist ein Stilmerkmal, das vermutlich nicht jeden stört.
Wer sollte reinhören, wer lieber nicht
Wer nordische Krimis schätzt und Geduld für Figurenentwicklung mitbringt, liegt hier richtig. Wer den ersten Band einer Trilogie nur dann lesen mag, wenn die Reihe bereits vollständig vorliegt, sollte bis zum Abschluss warten. Wer sofortige Auflösung und maximale Action sucht, wird sich eher langweilen. Für alle anderen: « Tatort Malmö » ist ein vielversprechender Anfang.