Auf einen Blick
- Sprecher: Leonie Landa liest emotional und humorvoll, trifft Lara Jeans Tonlage gut und hält das Tempo der Geschichte angenehm leicht.
- Themen: Erste Liebe, Briefe als Spiegel der eigenen Gefühle, Schwesternbeziehungen, Vertrauen
- Stimmung: Warmherzig, romantisch und leichtfüßig
- Fazit: Ein charmanter Auftakt der Boys Trilogie in einer gekürzten Hörbuchfassung, die für Neueinsteigerinnen funktioniert und das Herz auf Anhieb gewinnt.
Ich gestehe: Ich bin auf dieses Hörbuch durch einen meiner Neffen gestoßen, der den Netflix-Film gesehen hatte und mich fragte, ob das Buch noch besser sei. Ich kannte die Vorlage nicht. Also habe ich mich auf den Weg gemacht, und zwar mit der deutschen Hörbuchfassung, die Leonie Landa liest.
Was ich erwartet hatte: ein solides YA-Liebesgeschichtenformat, vorhersehbar, nett, ohne große Überraschungen. Was ich bekommen habe: einen Roman, der mich deutlich mehr beschäftigt hat als geplant.
Liebesbriefe in einer Hutschachtel und was passiert, wenn sie jemand schickt
Lara Jean Song Covey hat ein System. Wann immer sie sich unsterblich in jemanden verliebt, schreibt sie einen Brief. Einen sehr ehrlichen, sehr persönlichen Brief, den sie niemals abschicken wird. Er landet in einer alten Hutschachtel, zusammen mit vier anderen Briefen an fünf sehr verschiedene Jungs aus ihrer Vergangenheit. Das Schöne daran ist: Die Briefe existieren nur für sie. Sie sind ein Ventil, kein Geständnis.
Bis auf mysteriöse Weise alle fünf Briefe ihre Empfänger erreichen.
Jenny Han hat mit dieser Ausgangssituation etwas Kluges gemacht. Es ist kein klassisches Liebesgeschichtensetup. Es ist eher eine Untersuchung der Frage, was passiert, wenn die Gefühle, die wir sorgfältig verstecken, plötzlich nicht mehr versteckt sind. Lara Jean muss nicht nur mit den Konsequenzen umgehen, sie muss sich auch selbst anschauen, warum sie die Gefühle überhaupt versteckt hat.
Leonie Landa und der Ton einer Teenagerstimme
Die Casting-Frage bei einem Roman in der Ich-Perspektive einer Sechzehnjährigen ist nicht trivial. Zu jung klingt aufgesetzt. Zu erwachsen verfehlt den Ton. Leonie Landa trifft es. Lara Jean klingt bei ihr wie jemand, dem man gerne zuhört. Neugierig, etwas unsicher, aber nicht jammernd. Der Humor kommt durch, und die emotionalen Momente bekommen den Raum, den sie brauchen, ohne dramatisch aufgebauscht zu werden.
Die Beschreibung des Hörbuchs fasst es treffend zusammen: emotional und humorvoll gelesen. Beides stimmt. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Ein wichtiger Hinweis zur Fassung
Ich muss an dieser Stelle ehrlich sein, weil es relevant ist: Mindestens eine Rezension weist darauf hin, dass diese Hörbuchfassung eine gekürzte Lesung ist. Das erklärt auch die Laufzeit von 7 Stunden und 22 Minuten für einen Roman, der im Original deutlich umfangreicher ist. Wer die vollständige Geschichte erleben möchte, sollte zur Buchversion greifen. Wer einen kompakten, gut hörbaren Einstieg in die Boys Trilogie sucht, ist hier richtig.
Ich finde, man darf das nicht verschweigen. Es ändert nichts daran, dass die vorliegende Fassung gut gemacht ist. Aber es ist eine Information, die zum Kauf gehört.
Für einen Serienauftakt gemacht
To all the boys I’ve loved before ist Band eins der Boys Trilogie von Jenny Han. Die Geschichte endet an einem Punkt, der Lust auf mehr macht, ohne ein befriedigend aufgelöstes Einzelschicksal zu liefern. Wer mit Lara Jean fertig ist, wird Band zwei wollen. Das ist kein Fehler, das ist Absicht. Han konstruiert ihre Welt so, dass man in ihr bleiben möchte.
Für Hörerinnen und Hörer, die den Netflix-Film kennen und wissen wollen, wie nah die Verfilmung am Original ist: Die Grundstruktur stimmt, aber die Bücher geben den Figuren mehr Raum, sich zu entwickeln. Auch in der gekürzten Fassung kommt das durch. Kein Wunder, dass die Trilogie international so erfolgreich ist.