Auf einen Blick
- Sprecher: Achim Buch begleitet die Reihe seit Jahren und verleiht diesem neunten Fall seinen vertrauten, lakonischen Ton — ruhig, präzise und perfekt auf die schwedische Waldatmosphäre abgestimmt.
- Themen: Forensische Ermittlung im ländlichen Schweden, samische Opferstätten, kollektives Schweigen im Dorf
- Stimmung: Kühl und beunruhigend, ein langsam anschwellendes Unbehagen ohne Hysterie
- Fazit: Ein verlässlicher neunter Fall für Fans der Reihe, der mit starker Atmosphäre punktet, aber einige vertraute Figuren vermissen lässt.
Ich habe dieses Hörbuch an einem trüben Dienstagabend angefangen, als draußen der erste Frühlingsregen gegen die Scheibe klopfte. Etwas an dieser feuchten, ungemütlichen Atmosphäre passte perfekt zu einem Krimi, der in den schwedischen Wäldern spielt, weit weg von jedem Stadtlärm. Ich kannte Olivia Rönning und Tom Stilton bereits aus früheren Bänden und war gespannt, wie die beiden Autoren Cilla und Rolf Börjlind diesmal den Schauplatz nutzen würden.
Was ich von Anfang an bemerkte: Achim Buch hat diese Welt verinnerlicht. Er liest nicht, er erzählt. Seine Stimme trägt das ruhige Tempo des skandinavischen Krimis, ohne je in Monotonie zu gleiten. Gerade bei einem Fall, der wesentlich von Stille und Verschlossenheit lebt, ist das keine Kleinigkeit.
Eine Leiche im Ameisenhaufen und was sie uns über ein Dorf verrät
Der Einstieg ist stark: Eine kopflose Leiche in einem Ameisenhaufen, keine Fingerabdrücke in keiner Datenbank, kein Vermisstenfall seit über zwanzig Jahren. Das ist das Handwerk, das ich an dieser Reihe schätze. Die Börjlinds gehen nicht sofort in Richtung spektakulärer Gewalt, sondern bauen ihre Rätsel sorgfältig auf. Das Dorf Slagtjärn ist dabei keine Kulisse, sondern ein eigenständiger Charakter: misstrauisch, kompakt, und durchzogen von alten Loyalitäten, die man nicht benennt.
Die Verbindung zur samischen Opferstätte in der Nähe des Tatorts ist das interessanteste Detail dieses Bandes. Hier öffnen die Autoren eine historische und kulturelle Dimension, die über den üblichen Krimiplot hinausgeht. Ich hätte mir gewünscht, dass diese Ebene noch stärker ausgearbeitet wird, aber allein die Präsenz dieser Geschichte verleiht dem Fall eine Tiefe, die viele nordische Krimis gar nicht anstreben.
Wenn bekannte Gesichter fehlen
Ein Rezensent hat geschrieben, dieser Band sei für ihn das schwächste Buch der Reihe gewesen, weil viele der bekannten Figuren kaum vorkämen. Ich verstehe, was er meint. Wer in erster Linie wegen der Ensemble-Dynamik zwischen Olivia, Tom und Mette Olsäter zu dieser Reihe greift, wird hier eine leise Enttäuschung spüren. Das Trio kommt erst im zweiten Drittel wirklich zusammen, und ein Teil der gewohnten Wärme fehlt in den ersten Stunden.
Das ist kein grundsätzliches Problem, aber es ist eine ehrliche Einschränkung. Dieser Band funktioniert mehr als atmosphärischer Einzelfall denn als Fortführung der Figurengeschichten, die viele Fans der Reihe besonders lieben. Wer primär wegen der Landschaft und der Rätselkonstruktion dabei ist, wird weniger vermissen.
Achim Buch und die Kunst der nordischen Stille
Ich möchte noch einmal beim Sprecher bleiben. Achim Buch ist seit Langem das Gesicht dieser Hörbuchreihe, und das macht einen Unterschied. Es gibt Serien, bei denen ein Sprecherwechsel kaum auffällt. Hier wäre er ein echter Verlust. Buch versteht, dass nordische Krimis von Lautstärke und Tempowechsel leben, nicht von gleichförmiger Dramatik. Wenn er einen Verhörmoment liest, merkt man, dass er die Figur kennt, nicht nur den Text.
Bei knapp 13 Stunden Laufzeit ist das kein kleines Versprechen. Aber Buch hält es.
Für Kenner der Reihe und alle, die nordische Forensik mögen
Wer zum ersten Mal zu Rönning und Stilton greift, sollte beim ersten Band anfangen. Nicht weil dieser hier unverständlich wäre, sondern weil die Figuren und ihre Hintergründe über neun Bücher gewachsen sind und viel von ihrer Wirkung aus diesem Kontext ziehen. Der Neueinsteiger wird eine kompetente Kriminalgeschichte hören, aber der Fan wird sie mit anderen Augen hören.
Wen das nordische Setting grundsätzlich nicht anspricht oder wer einen höheren Actionanteil erwartet, wird auch mit diesem Band nicht glücklich werden. Die Börjlinds schreiben langsame Krimis. Das ist keine Schwäche, es ist eine Haltung.