Auf einen Blick
- Sprecher: Yeşim Meisheit verleiht Enju eine energetische, leicht sarkastische Stimme, die den Wortwitz der Vorlage ideal trägt.
- Themen: Magisches Erwachsenwerden, Enemies-to-Lovers, Magie und Identität
- Stimmung: Temporeiche Urban Fantasy mit viel Humor und einer ordentlichen Portion Herzklopfen
- Fazit: Wer Band 1 geliebt hat, wird auch hier nicht enttäuscht — Verena Bachmanns zweiter Band hält das hohe Niveau souverän.
Es war ein Samstagvormittag, an dem ich eigentlich die Wohnung putzen wollte. Staubsauger bereit, Playlist gestartet — und dann habe ich « Rise of the Witch Queen: Beraubte Magie » auf meinem Handy geöffnet, einfach um die ersten zehn Minuten reinzuhören. Zwei Stunden später stand der Staubsauger noch immer unbenutzt in der Ecke, und Yeşim Meisheit sprach Enju so lebendig aus meinem Lautsprecher, dass ich keine Pause mehr einlegen wollte.
Das ist das Beste, was ich über ein Hörbuch sagen kann: Es lässt einen vergessen, dass man eigentlich etwas anderes vorhat. Verena Bachmanns zweiter Band der The-Witch-Queen-Reihe beginnt dort, wo der erste aufgehört hat — mit einer frisch gekrönten Hexenkönigin, die deutlich mehr Chaos verwaltet, als ihr lieb ist.
Wenn Enjus Magie verrücktspielt — und das Timing nicht besser sein könnte
Das zentrale Problem dieses Bandes ist so elegant einfach, dass man sich fragt, warum nicht mehr Fantasy-Romane damit arbeiten: Die Protagonistin, die eigentlich die Mächtigste sein sollte, verliert genau jetzt die Kontrolle über ihre Kräfte. Eine heilige Insel wird angegriffen, das Böse wartet nicht auf magische Wiederherstellung, und Enju bleibt nur eine Option — ausgerechnet Kayneth um Hilfe bitten. Kayneth, der gefährlich attraktive Anführer der Beasts, zu dem sie eine mühsam kontrollierte Gleichgültigkeit aufrechterhalten hat.
Bachmann versteht etwas, das vielen Genre-Autorinnen fehlt: Die romantische Spannung zwischen zwei Figuren funktioniert am besten, wenn sie durch äußeren Druck erzwungen wird, nicht durch innere Grübeleien. Enju muss nicht über ihre Gefühle nachdenken — sie muss handeln, und dabei verrät sie sich ständig selbst. Das ist effizient erzählt und macht das Hören kurzweilig.
Das Stimmduo, das den Humor rettet
Yeşim Meisheit war bereits in Band 1 eine Besetzung, die man sich merkt, und sie ist es auch hier. Ihr Timing bei den witzigeren Szenen sitzt gut — besonders in den Wortgefechten zwischen Enju und ihrer besten Freundin Thea, die laut einer Rezension das Herzstück des Buches bilden. Thea spricht immer aus, was sie denkt. Meisheit spielt diese Direktheit so, dass man gleichzeitig lachen und seufzen möchte.
Bachmanns Humor ist kein modisches Accessoire, sondern strukturelles Element. Eine Rezensentin schrieb treffend, dass der Humor aus Band 1 unverändert erhalten geblieben ist — das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele Serienfortsetzungen werden in der zweiten Runde schwerer und ernster, weil die Autorinnen das Gefühl haben, mehr Tiefe beweisen zu müssen. Bachmann traut ihrer Geschichte genug, um komisch zu bleiben.
Story statt Schmachten: Was diesen Band von anderen Fantasy-Romanen unterscheidet
Ein Rezensent brachte es mit einer Beobachtung auf den Punkt, die ich gerne für zukünftige Kaufentscheidungen festhalten möchte: Es gibt viel Urban Fantasy und Paranormal Romance, in der neunzig Prozent des Texts aus Lovestory bestehen und zehn Prozent aus Handlung. Hier ist es umgekehrt. Die Romanze zwischen Enju und Kayneth knistert, aber sie verdrängt nicht die eigentliche Geschichte. Der Angriff auf die heilige Insel, Enjus instabile Magie, die Geheimnisse der Wolkov-Familie — all das hat Gewicht und Konsequenz.
Ein anderer Vergleich, den mehrere Lesende ziehen, ist der zur Rachel-Morgan-Reihe von Kim Harrison. Das ist keine leichtfertige Referenz — Harrison hat mit ihrer Hexen-Detektivin einen Standard für Urban Fantasy mit weiblicher Hauptfigur gesetzt, der sich durch einen unverwechselbaren Rhythmus aus Witz, Aktion und echter emotionaler Entwicklung auszeichnet. Bachmann bewegt sich in diese Richtung, mit einer jüngeren, zugänglicheren Stimme.
Wer einsteigen darf — und wer zuerst Band 1 braucht
Hier muss ich direkt sein: Mit Band 2 einzusteigen ist technisch möglich, praktisch aber keine gute Idee. Die Beziehungsdynamik zwischen Enju und Kayneth, die Rolle von Thea, die Hintergründe der verschiedenen Fraktion — all das wird in diesem Band vorausgesetzt. Wer die erste Folge der Reihe noch nicht kennt, sollte dort beginnen.
Wer Band 1 kennt und sich fragt, ob dieser Band das Niveau hält: Ja, das tut er. Die Handlung ist schlüssig, das Ende keine Pflichtablieferung, sondern ein echter Abschluss — mit ausreichend offenen Fäden für Band 3. Bei knapp achteinhalb Stunden Laufzeit ist das Verhältnis von Unterhaltungsdichte zu Investition sehr gut.
Wer flacheren Humor, weniger Tempo oder mehr innerliche Reflektion bevorzugt, wird hier vielleicht nicht ganz auf seine Kosten kommen. Aber wer Urban Fantasy mit Biss, Wortwitz und einer Protagonistin mag, die sich selbst nicht allzu ernst nimmt — der ist hier genau richtig.